Das Dienstverhältnis der neu gewählten Bürgermeister begann bayernweit am 1. Mai. Weil das ein Feiertag ist, war es normalerweise nicht der erste Arbeitstag der neuen Amtsinhaber. Bei Marco Steiner war das anders. Der neue Rödentaler Rathauschef erhielt am 30. April eine SMS, die seine erste Amtshandlung direkt auf den Feiertag legte.
Hans-Joachim Lieb, wie Steiner Mitglied der Freien Wähler, informierte ihn in der Kurznachricht, dass traditionell der Bürgermeister Schirmherr des Lauterburgfestes sei. Der Heimatverein, in dem Lieb engagiert ist, erwarte von ihm, dass er dort eine kurze Rede hält. "Das kam schon überraschend", sagt Steiner lächelnd, wenn er an den rund 100 Tage zurück liegenden Einstieg in sein neues Amt denkt.

Kaum Zeit zum Nachdenken

Ein Blitzstart also. "Das Tagesgeschäft lässt einem kaum Zeit zum Nachdenken", schildert Steiner die ersten Wochen. Er habe das als durchaus positiv empfunden. Gerade am Beginn seiner Amtsperiode, bündelt sich naturgemäß einiges für den Neuen an der Spitze der Verwaltung. Er muss seine Mitarbeiter kennen lernen, auch wenn Steiner aus den Jahren als Mitglied des Stadtrats viele schon kannte. "Ich habe dazu recht bald eine Mitarbeiterversammlung einberufen, um schon mal etwas zu sagen, wie ich mir die Zusammenarbeit vorstelle."
Als neuer Bürgermeister muss er noch häufiger bei Amtsleitern Sachstände abfragen und auch mit anderen Behörden besteht vielleicht mehr Klärungsbedarf als bei einem alten Hasen. "Ich bin dann schon auch mal ohne Termin bei der Regierung aufgetaucht", sagt er und fügt gleich hinzu, dass er selbst dann immer positiv aufgenommen wurde.

Persönliche Kontakte halfen

Leicht funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. Nach Jahren als Personalchef dieser Behörde, kennt Marco Steiner noch viele Mitarbeiter persönlich. Aber egal, mit welcher Stelle er es bisher zu tun bekam: "Ich bin überrascht, wie offen und gut die Kontakte bisher waren."
Weil er in Rödental eine gut funktionierende Verwaltung übernommen hat, stand für Marco Steiner rasch fest, dass er nicht gleich alles umkrempeln wird. Was nicht heißen soll, dass er gar nichts ändern will. "Ich denke, man muss Abläufe immer wieder überprüfen, ob sie so wie sie sind noch passen", sagt er. Für ihn hat das etwas mit Kundenorientierung zu tun, sieht er die Behörde doch als Dienstleister der Bürger. Beispiel Öffnungszeiten des Rathauses. "Da müssen wir schauen, wann denn die Leute zu uns kommen wollen", sagt er. Entsprechend müssten die Zeiten angepasst werden.

Arbeitszimmer leicht verändert

Sein verhaltener aber geradliniger Reformwille spiegelt sich auch im Amtszimmer. Er sitzt am Schreibtisch, den ihm Gerhard Preß hinterlassen hat. Die Vitrine mit Hummelfiguren ist auch noch da. Hinter dem Schreibtisch hängt allerdings jetzt ein Foto, das ihm die Kollegen im Landratsamt zum Abschied geschenkt haben. Die Couch hat einem Besprechungstisch Platz gemacht, und die Wände haben einen neuen Anstrich bekommen. Neben dem eigenen Zuständigkeitsbereich, verlangen auch Interessenvertretungen wie Städte- und Gemeindetag Zeit und Aufmerksamkeit. Dass er als Neuling im Städtetag gleich in den Ausschuss der kreisangehörigen Städte gewählt wurde, macht Marco Steiner schon ein wenig stolz. "Das ist ein wichtiger Ausschuss, in den viele rein wollen", weiß er.
Er weiß auch warum. Zeichnen sich neue Regelungen ab, erfährt man davon in diesem Ausschuss in der Regel sehr früh. Das gilt auch beispielsweise für neue Förderprogramme. Amtsvorgänger Gerhard Preß hatte in diesem Ausschuss den Vorsitz. Auch er wusste, warum. Beeindruckt hat Steiner, dass in solchen Gremien die Parteizugehörigkeit völlig außen vor bleibt. Es gehe rein um Sacharbeit.

Wahlversprechen eingehalten?

Blickt Marco Steiner nach den ersten 100 Tagen im Amt auf das, was er sich vorgenommen hatte, seine Wahlversprechen also, dann ist er zufrieden. In der kurzen Zeit sieht er neuen Schwung in der Versorgung mit schnellem Internet ("die Auftragsvergabe steht unmittelbar bevor"). Den Umgang mit Grund und Boden soll eine neues Flächenmanagement regeln, das Jugendparlament ist auf dem Weg, wiederbelebt zu werden, und auch seine Idee, Veranstaltungen in die Stadt zu holen, die allen Altersgruppen etwas bieten können, nimmt schon Formen an, stellt der neue Bürgermeister fest.
Dass er das Amt in einer Zeit antritt, in der die Haushaltslage in Rödental alles andere als rosig ist, kann ihn als langjähriges Stadtratsmitglied nicht überraschen. "Ich wusste, was auf mich zu kommt", bestätigt Marco Steiner. Trotz aller Schwierigkeiten und allem Anfangsstress zieht er eine positive Bilanz seiner ersten Wochen auf dem Chefsessel im Rathaus: "Es macht viel Spaß. Ich habe eigentlich täglich schöne Erlebnisse."