Wer kennt es nicht - das traditionelle Loseziehen beim Roten Kreuz auf dem Coburger Vogelschießen? Für viele Coburger und auch Besucher ist die BRK-Losbude die letzte Station, bevor es nach Hause geht. Es ist ja schließlich für den guten Zweck, denken die Coburger, die diese Losbude seit Jahrzehnten kennen. Früher stand sie am Ausgang beim Kongresshaus und Mitte der 90er Jahre bekam sie ihren Standort am Ausgang zur Bamberger Straße zugewiesen. "Damals hat man Städte gesammelt - heute Familienmitglieder", sagt BRK-Bereitschaftsleiter Philipp Köster.


"Es geht nicht mehr!"

Eines ist jedoch Fakt: "Beim Vogelschießen 2018 steht die Losbude der Bereitschaft zum letzten Mal dort", kündigt Köster an. Der Grund: Es fehlen die Leute, die sich in die Bude stellen und Lose verkaufen. Die Erlöse, die dort erzielt werden, seien gezielt für die Ausstattung der Bereitschaft gedacht. Viele Verbandsmaterialien oder Geräte zum Beispiel müssten vorgehalten werden, erklärt Philipp Köster und fügt hinzu: "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, aber uns fehlt die Manpower. Immer weniger Schultern stemmen all die Sanitätsdienste und insgesamt die Aufgaben, die eine Bereitschaft im Stadtgebiet Coburg übernehmen muss. Wenn man allein die Gesamtstunden, die auf dem Coburger Vogelschießen erbracht werden, addiert, sprechen wir immerhin von etwas mehr als 700 Stunden, die unsere Kameraden insgesamt an den zehn Tagen im Sanitätsdienst und im Glückshafen verbringen. Es geht nicht mehr!"

Es seien sich alle einig gewesen, in diesem Jahr einen letzten Versuch zu starten - aber das Bereitschaftsteam stoße deutlich an seine Grenzen, stellt Philipp Köster heraus. Auch wenn die Bereitschaft seit einigen Jahren Unterstützung durch die Jungmitglieder erhalte, so seien es doch insgesamt zu wenig. Die Kinder dürften lediglich zusätzlich helfen. Es gebe Gesetze, an die sich das BRK halten müsse. Köster: "Nach einer bestimmten Zeit müssen die Kinder die Losbude wieder verlassen."


Dieses Jahr noch mal vorbeischauen!

Bereits im vergangenen Jahr habe sich der Abschied abgezeichnet, sagte Köster. Dritter Bürgermeister Thomas Nowak unterstützte seine Coburger Bereitschaft am Kindernachmittag persönlich, aber auch ihm war bewusst, dass am letzten Sonntag dieses Schützenfestes zum letzten Mal in die Lostrommel gegriffen werden kann. Die Bereitschaft wirbt bei den Coburgern mit Plakaten, in diesem Jahr noch einmal vorbeizuschauen im Glückshafen und das Bayerische Rote Kreuz Coburg zu unterstützen. Philipp Köster bittet weiter um Verständnis: "Sollten Sie uns auf dem Coburger Vogelschießen antreffen, jedoch vor verschlossener Losbude stehen, seien Sie nicht verwundert. In erster Linie ist es die Aufgabe der BRK-Bereitschaft, die sanitätsdienstliche Absicherung der Veranstaltung zu übernehmen." Daher müsse er die Mitarbeiter primär da einsetzen, wo sie zwingend gebraucht würden. Im Notfall dürfe keine Zeit verloren gehen. Beide Tätigkeiten könnten bei dem zur Verfügung stehenden Personal nicht gleichzeitig erledigt werden.