Michael Busch (SPD) ist angesichts der erneut aufgeflammten Spekulationen über eine weitere Zufahrt zur A 73 hörbar amüsiert. "Ja, das ist eine Diskussion, die doch immer wieder überraschend aufflammt", sagt der Landrat zur Mitteilung von Bundestagsmitglied Hans Michelbach (CSU), dass sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) "offen für eine weitere Anschlussstelle" gezeigt haben soll.
Da war doch mal was? Genau! 2015 brachte die Firma Kaeser den Vorschlag, die Staatsstraße 2205 oberhalb von Beuerfeld an die Autobahn anzubinden. Damals verpuffte der Vorstoß - weil einerseits das Planfeststellungsverfahren für die inzwischen genehmigte Trasse der 2205 in der Endphase war und sich andererseits die Verkehrsbehörden nicht gerade begeistert von der Idee für eine weitere Anschlussstelle zeigten. Es sei schon jetzt - mit den Abfahrten Rödental, Neustadt und Coburg - eng genug auf diesem Abschnitt, hieß es.
Deshalb nimmt Busch auf Tageblatt-Nachfrage die Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium mit Gelassenheit zur Kenntnis: "Wenn die Sache machbar ist - okay! Alles, was den Verkehr verteilt, kann helfen." Nur ob die Sache machbar, da hat der Landrat seine Zweifel. Busch erinnert an 2015, als man von übergeordneten Dienststellen "x-mal" erklärt bekommen habe, dass es mit einer weiteren Ausfahrt im Coburger Land schwierig sei. Warum sich dies - Busch verweist auf die im Oktober anstehende Landtagswahl - jetzt anders darstelle, könne er nicht beurteilen.
Eine Sache ist Michael Busch aber besonders wichtig: "Die Pläne für die Autobahnausfahrt dürfen den Bau der neuen Trasse für die Staatsstraße 2205 in keinen Fall tangieren." Denn dieser genieße für das Coburger Land "höchste Priorität" und müsse wie geplant spätestens im kommenden Jahr beginnen.


Autobahndirektion plant nichts

Auch für Bernd Höfer (CSU) sind die Informationen aus Berlin noch zu dürftig, um jetzt mit Forderungen der Gemeinde Meeder daher zu kommen. "Ob eine eigene Abfahrt für Meeder, unmittelbar über die A 73 wichtig ist, müsste man auch einmal anhand von Planstudien bewerten", sagt der Bürgermeister auf Anfrage. Auch bei Höfers Statement wird deutlich, dass er den Ausbau der Staatsstraße 2205 an erster Stelle sieht: "Unsere Forderung ist, dass wir im nordwestlichen Landkreis Coburg, sprich die Achse Meeder/Bad Rodach, an das leistungsstarke überörtliche Verkehrsnetz angebunden werden müssen."
Sollte eine weitere Ausfahrt kommen, müsste die Initiative vom Freistaat Bayern ausgehen. Das bestätigt Edith Kolarik, die Pressesprecherin der Autobahndirektion Nordbayern (ABDN). Würde aus München ein Planungsauftrag kommen, dürfte die ABDN die Untersuchungen zur Notwendigkeit und den Bedarf der Anschlussstelle durchführen. So weit ist man bei der in Nürnberg angesiedelten Dienststelle aber noch lange nicht. Auf Nachfrage, ob sich denn die ABDN mit Plänen für eine Ausfahrt in/um/bei Meeder beschäftigt, teilt Kolarik kurz und bündig mit: Nein!
Am westlichen Ende der Staatsstraße 2205 befindet sich Bad Rodach. Dort könnte sich Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) mit "einer möglichst direkten Anbindung" an die Autobahn freilich anfreunden, schließlich sei der westliche Landkreis eine starke Wirtschafts- und Tourismusregion. Seinem Meederer Amtskollegen würde Ehrlicher einen schnelleren Zugang zur Autobahn auch gönnen: "Dort geht die A 73 mittendurch, aber die Gemeinde hat keine eigene Abfahrt." Und weil ein Bürgermeister auch mal Fantasie haben darf, schildert Ehrlicher auch noch seine persönliche Idealvorstellung für einen Bad Rodacher Autobahnanschluss: "Über die CO 23, mit Ortsumfahrungen." Wobei Ehrlicher auch ehrlich sagt: "Realistisch ist das freilich nicht."
Wer das Planfeststellungsverfahren für die neue Trasse der Staatsstraße 2205 zwischen Coburg und Wiesenfeld verfolgt hat, weiß: Die Landwirte mit ihren besten Ackerlagen rund um Meeder waren nicht begeistert. Das wäre bei einem weiteren Straßenbauprojekt nicht anders, prophezeit Hans Rebelein, der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Coburg. Deshalb ist das Signal aus der Landwirtschaft an Deutlichkeit nicht zu übertreffen: "Wir brauchen dort keine weiteren Straßen."