Wegen seines Fahrstils wird ein 77-jähriger Rentner aus dem Landkreis Hildburghausen nun zur Kasse gebeten. Weil der Mann im Oktober des vergangenen Jahres den Rettungsdienst durch seine Fahrweise massiv behindert hat, muss er 1400 Euro an die Stiftung für krebskranke Kinder zahlen. Gegen diese Geldauflage wurde das Verfahren eingestellt. Das Amtsgericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Krapf ging davon aus, dass der Rentner mit der Situation schlichtweg überfordert gewesen sei.


Den Vorfall zeigte ein Rettungssanitäter im Oktober des vergangenen Jahres bei der Polizei an. Und zwar deshalb, weil es sich nach Aussage des Sanitäters um einen besonderen Fall gehandelt habe. Behinderungen von Einsätzen oder Beleidigungen erleben demnach Rettungskräfte relativ häufig . "Der Mittelfinger und Beschimpfungen kommen öfters vor, aber dass wir so massiv blockiert werden, das ist relativ selten."

 


Er war nicht zu überholen

An dem besagten Oktobertag wurde demnach der Rettungsdienst zu einem Kindernotfall gerufen. Da die Bundesstraße 303 wegen einer Baustelle gesperrt war, führte die Fahrt durch die Gemeinde Ahorn. Mit Blaulicht und Martinshorn trafen die Sanitäter am Ahorner Berg auf den Opel des Thüringers. Anstelle ordnungsgemäß rechts ranzufahren, bremste der Rentner abrupt ab, so dass der Rettungswagen fast auf die Stoßstange aufgefahren wäre. Als die Sanitäter zum Überholen ansetzten, gab der Rentner plötzlich Vollgas. Da auch ein Fahrzeug entgegenkam, gelang es dem Rettungsdienst nicht, den Opel zu überholen.

 

 


Stattdessen verursachte die Fahrweise des Rentners fast einen Unfall. Der Mann wiederholte dieses Vorgehen noch zweimal, indem er abrupt bremste und bei einem Überholungsversuch des Rettungswagens unvermittelt auf das Gaspedal trat. Wie der Rettungssanitäter ausführte, brachten auch zusätzliches Hupen und Lichtsignale den Rentner nicht dazu, am Straßenrand zu halten. Erst als der 77-jährige bei Weichengereuth anhalten musste, konnte der Rettungsdienst den Opel endlich überholen.

 

 


Er wäre in Gefängnis gegangen

Wie Rechtsanwältin Julia Gremmelmaier im Namen ihres Mandaten erklärte, lag es dem Rentner absolut fern, Rettungskräfte in ihrer Arbeit zu behindern. "Es tut ihm wahnsinnig leid, er hat seiner Meinung nach das Nötigste getan." In einer schriftlichen Erklärung schilderte er Rentner den Vorfall allerdings anders. Aus seiner Sicht konnte er aufgrund der Witterung- und Wetterverhältnisse nicht anders handeln. Laut Anklage drohte dem Mann ein viermonatiges Fahrverbot und eine Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro. Richterin Melanie Krapf wollte das aber nicht "ganz so hart handhaben". "Ich denke, es war vielleicht aufregend für Sie und Sie waren überfordert", sagte sie zu dem Angeklagten. Der Rentner, der bisher im Straßenverkehr noch nicht aufgefallen war, fragte, ob er die Geldstrafe eventuell in eine Haftstrafe umwandeln könne. "Kann ich Strafe in der Kronach absitzen?” Schließlich wurde das Verfahren gegen die Geldauflage 1400 Euro vorläufig eingestellt. Die Summe kann der Rentner in Raten bezahlen. Ein Fahrverbot wurde nicht ausgesprochen.