Wer im Internet nach einer Jugendherberge in Coburg sucht, darf mit Überraschungen rechnen:
1. Kein Treffer.

2. Das Portal meinestadt.de/Coburg wirbt - wenn Platz frei ist - für das ziemlich coole Hostel in Suhl. Und schreibt dazu: "Ob günstiger Familienurlaub, individueller Städtetrip oder auch nur auf der Durchreise - die Jugendherbergen in Coburg und Umgebung sind eine günstige Übernachtungsalternative zu klassischen Unterkünften wie Pensionen und Hotel und schon längst nicht mehr nur für Klassenfahrten geeignet."

3. Auf der offiziellen Tourismus-Seite der Stadt Coburg werden die Jugendhäuser Neukirchen und Am Weinberg in Mönchröden genannt, außerdem die Übernachtungsmöglichkeiten der Pfadfinder in Callenberg und Rödental.

Tatsache ist: Es gibt keine Jugendherberge in der Stadt Coburg!  Die ehemalige Jugendherberge am Ketschendorfer Schloss ist seit Dezember 2010 geschlossen und wird mittlerweile zum Aus- und Weiterbildungszentrum einer Coburger Firma umgebaut. Damals hätten die Betreiber der Jugendherberge viele Millionen investieren müssen, um das Gebäude zu sanieren, aber sie konnten diese hohe Summe nicht beschaffen. Der Anteil in Höhe von drei Millionen Euro, den das Jugendherbergswerk zu einer Sanierung des Ketschendorfer Schlosses dazu gegeben hätte, wäre aber auch weiterhin - also für eine neue Jugendherberge - zur Verfügung gestanden, hieß es damals. Der Präsident des Landesverbandes Bayern im Deutschen Jugendherbergswerkes äußerte sich 2013 eindeutig: "Coburg ist für uns ein interessanter Standort, den wir neu beleben wollen, auch um Familien und jungen Leuten die Stadt und ihre Kulturschätze näherzubringen." Fünf Jahre sind seither vergangen. Nichts hat sich getan.

Eine Nachfrage beim Jugendherbergswerk frustriert. Die Antwort von Yvonne Wild aus der Geschäftsstelle des Deutschen Jugendherbergswerkes ist deutlich: "Leider ist uns ein Bau einer Jugendherberge in und um Coburg bis auf Weiteres aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich. Zum Einen haben wir momentan sehr viele laufende Projekte, an denen wir arbeiten, und zum Anderen arbeiten wir kontinuierlich an unserem bestehenden Netz - dies zu modernisieren oder zu sanieren, was bei uns absolute Priorität hat." Kapitel abgeschlossen, wie es scheint.

Doch es ist Bewegung in die Diskussion gekommen. Bei den diesjährigen Designtagen war es Professor Auwi Stübbe vom Designforum Oberfranken, der sagte, sich eine Jugendherberge am Güterbahnhof gut vorstellen zu können.

Neben Globe, Co-Creapolis (Schlachthof) und Pakethalle enthält Stübbes Modell eine Jugendherberge im Gebäude des Zollamts mit einem Strand an der Itz dahinter und dem ehemaligen Stellwerkshäuschen als zusätzlichem Unterkunftsgebäude gegenüber. Er nennt es sein "Lieblingsprojekt" und unterstreicht damit noch mal die Bedeutung.

Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) sucht seit Jahren nach einem geeigneten Standort für eine neue Jugendherberge. Sie würde die Jugendlichen aber lieber in Stadtnähe sehen und favorisiert daher das ehemalige Gasthaus "Weißes Ross" in der Judengasse 36, wie sie jüngst erklärte. Eigentümer des geschichtsträchtigen Hauses ist die städtische Wohnbau.

Im Oktober 1922 war das Gasthaus Gründungsort der Coburger NSDAP-Ortsgruppe. Ab 1968 gab es mehrere Pächterwechsel, zuletzt im Jahr 2004. Seit 2007 ist die Gaststätte geschlossen.

Ob das "Weiße Ross" jedoch tatsächlich seine Pforten wieder öffnen wird, um Jugendlichen eine Herberge zu sein, bezweifelt Birgit Weber zum momentanen Zeitpunkt. Mehrere Vorstöße in diese Richtung seien bereits gescheitert. "Ich kann zur Wohnbau nicht durchdringen!", gibt sie zu. Ihr ist klar, dass sich mit einer Jugendherberge keine Gewinne einfahren lassen, bei der gemeinnützigen Wohnbau gehe es aber um "schwarze Zahlen", wie sie sagt. Ein privater Investor könnte mit Mietwohnungen sicherlich auch mehr Geld erwirtschaften. "Das muss schon die Stadt machen", ist sich die Zweite Bürgermeisterin sicher, glaubt jedoch auch im Stadtrat keine Mehrheiten dafür zu gewinnen.

Dabei hat sie Recht! Eine Stadt wie Coburg, mit bedeutendem historischen Stadtkern, Veste und Hochschule braucht eine Jugendherberge. Alles andere ist peinlich. Dem Studienanwärter und den Klassenfahrt-Besuchern, der kinderreichen Familie auf Kurzurlaub oder dem Interrail-Tourist, Schlafmützen und Exzentrikern - allen sollten wir einen Platz zum Schlafen anbieten können. Das kleine Königsberg, einstige Exklave des Herzogtums Coburg, schafft das schließlich auch: "Das Fachwerkstädtchen ist die Krone fränkischer Idylle. Nur fünf Minuten vom Ortskern entfernt, wartet unsere Jugendherberge mit seinen 80 Betten in 18 Zimmern", heißt es da im Internet .