Nicht nur die kleinen, schwarzen Schoko-Zapfen, die Gäste aus Politik, Wirtschaft und vor allem Sport reichlich naschten, waren eine süße Überraschung. Eine viel größere war der emotionale Besuch von Martin Zillig. Ein langjähriger Weggefährte aus Erich Bileks freiberuflicher Vergangenheit war gekommen. Er war Gast beim runden Geburtstag des "Handball-Papstes" am Mittwoch in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Scheuerfeld.

Diese Überraschung ist dem 64-jährigen, ehemaligen Sportchef des Coburger Tageblatts sichtlich geglückt! Als sich der Vollblutjournalist, der in den vergangenen Jahren mehrere Schlaganfälle wegstecken musste, und der Jubilar (90) in die Arme fielen, wurde dieses unverhoffte Wiedersehen hochemotional. Er hatte mit vielen Gästen gerechnet und es waren auch nahezu alle gekommen, doch "den Martin hatte ich nicht auf der Rechnung".

Drei Jahrzehnte arbeiteten die beiden nahezu jeden Sonntag an einem Schreibtisch in der Sportredaktion und fertigten Handball-Seiten am Fließband. Und gestern dann das erste Treffen nach mehr als drei Jahren.

Mit 90 ein schlechtes Gewissen...

"Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, weil ich Dich bisher noch nicht besucht habe", entschuldigte sich der Neunzigjährige mit Freudentränen im Gesicht. Doch Zillig wischte mit einem kurzen "Wir sind und bleiben doch immer die Alten" schnell alle Zweifel weg. So wie er es immer mit der letzten Handball-Seite kurz vor dem Andruck der Montagsausgabe machte: "Wisch und weg!"

Dabei drückte aber auch Zillig ein Tränchen zur Seite. Und noch immer ist das Verhältnis der beiden Mitstreiter von einst von großem gegenseitigen Respekt geprägt: "Erich hat sich kaum verändert. Wahnsinn, dass er mit 90 immer noch Berichte für uns schreibt und sogar noch fotografiert", schwärmte der ehemalige Sport-Chef vom Tageblatt, der seinen Ruhestand jetzt in seinem Geburtsort Bad Staffelstein verbringt.

Und Bilek, der seinen Ehrentag inmitten geballter regionaler und überregionaler Handball-Prominenz mit einem zünftigen Weißwurst-Brunch sichtlich genoss, meinte: "Martin hat in den letzten Jahren sicher noch mehr mitmachen müssen als ich. Trotzdem ist er heute da. Das ist eine große Ehre für mich."

"Stressig war's - aber schön"

Die beiden alten Haudegen waren gerührt. Sie nahmen sich Zeit und wechselten einige Worte, schwelgten in Erinnerungen. "Stressig war's!" - "Ja, aber auch schön". Die alten Zeiten kommen nicht mehr. Als Bilek dann mit einer Dankesrede den kurzen offiziellen Teil der großen Fete eröffnete und sich dabei als erstes ganz besonders über den Besuch von Zillig und Ex-Nationaltorwart Siggi Roch freute, fuhr ihn der Ex-Zeitungsmann noch einmal überraschend in die Parade: "Erich, schön dass wir alle hier bei Dir sein dürfen. Bleib gesund. Und Du weißt ja: Wir sind und bleiben doch immer die Alten."