Er soll eine "deutliche Positionierung und ein mächtiges Signal", sagte gestern Landrat Michael Busch (SPD) sein: der Brief, den Vertreter der Bildungsregion Coburg gestern unterzeichnet haben. Er geht unter anderem an den Landeskirchenrat, der im Herbst über den Standort der neuen Jugendbildungsstätte in Trägerschaft der evangelischen Landeskirche entscheiden wird. Einer von zwei Kandidaten, die da zur Wahl stehen, ist die derzeit in Trägerschaft des Dekanats Coburg befindliche Jugendbildungsstätte in Neukirchen.
Was passiert, wenn die Wahl nicht auf Neukirchen, sondern die Weihersmühle im Landkreis Kulmbach fallen sollte, wollte sich der Landrat gar nicht ausmalen: "Im schlimmsten Falle die Schließung unserer Jugendbildungsstätte." Verstehen, das machte Busch bei der Vorstellung des Briefes deutlich, könnte er eine Entscheidung gegen Neukirchen (die derzeit einzige anerkannte Jugendbildungsstätte in evangelischer Trägerschaft in Bayern) nicht. Alleine schon deshalb, weil das Jugendhaus (so sein ehemaliger Titel) ein "Wahnsinns-Netzwerk" zu bieten habe - als fester Bestandteil der Bildungsregion Coburg.

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Mit dem Schreiben belässt es die Initiative pro Neukirchen nicht. Mit dem Brief ergeht die Einladung an den Landeskirchenrat und die Landessynode samt Führungskräften, am 26. Juni zu einem Gespräch ins Landratsamt zu kommen. "Ziel der Einladung ist es, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen und zu ermitteln, was der Beitrag der Bildungsregion zum Erhalt dieser so wichtigen Einrichtung sein kann", heißt es im Brief.


8,5 Milionen Euro wohl nötig

Thomas Nowak (SPD), Stellvertreter von Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), konnte sich schon gut vorstellen, was man den Mitgliedern der wichtigen Gremien der Landeskirche vermitteln müsse: "Ich glaube, in München wissen sie gar nicht, was alles hinter diesem Netzwerk steht." In Neukirchen stehe schließlich "nicht nur ein Jugendübernachtungshaus", sondern "eine wichtige Einrichtung für die gesamte Bildungsregion". Da nickte Friedrich Herdan (Präsident der IHK zu Coburg) zustimmend und zählte sofort mehrere Projekte auf, die von der heimischen Wirtschaft im Jugendbildungshaus umgesetzt wurden: Seminare zur Berufsorientierung, Auszubildendenprojekte, Integrationskurse. Und das alles übrigens, das betonte Herdan mit Blick auf die gesellschaftliche Bedeutung, unter Vermittlung konfessionsübergreifender Werte. Das, sagte der IHK-Präsident, sei schon ein Alleinstellungsmerkmal.

Über ein interessantes Projekt, das in Neukirchen umgesetzt wurde, lesen sie hier.

Einer, der seit dem Grundsatzbeschluss der Landessynode für eine Jugendbildungsstätte in Oberfranken im April für Neukirchen kämpft, ist Martin Finzel, Bürgermeister von Ahorn und Mitglied der Landessynode. Der berichtete gestern, dass man im Coburger Dekanat, was die wirtschaftliche Sicht der Dinge angeht, seine Hausaufgaben schon gemacht habe. Rund 8,5 Millionen Euro werden wohl von Nöten sein, um die Jugendbildungsstätte baulich fit für die Zukunft zu machen. Aber wichtiger waren Finzel die inhaltlichen Werte: "Wir haben ein Erfolgsmodell, das man woanders erst aufbauen müsste."
Die Erkenntnis, dass das Coburger Land zuletzt die Arbeit und Erfolge in Neukirchen ein bisschen unter Wert verkauft haben könnte, wollte Andreas Kleefeld auf Tageblatt-Nachfrage pauschal so nicht stehenlassen. Aber klar, ergänzte der Dekan, "die Gefahr einer Gewöhnung" bestehe bei einer bewährten Einrichtung wie der Jugendbildungsstätte schon. Die Grundentscheidung, so etwas zentral für Bayern in Oberfranken anzusiedeln, sei ja positiv, ergänzte Andreas Kleefeld: "Die Landeskirche hat erkannt, was wichtig ist." Dass sie dabei bereit sei, richtig Geld in Hand zu nehmen, wäre wichtig für Neukirchen, ergänzte der Dekan: "Dann wäre die Jugendbildungsstätte auf einem Stand, um zuversichtlich in die nächsten 20, 25 Jahre gehen zu können."

Die Jugendbildungsstätte Neukirchen hat auch Probleme. Welche, lesen Sie hier.

Und was sagte eigentlich Anja Keyser, die Leiterin der Jugendbildungsstätte? Sie nutzte die öffentlichkeitswirksame Unterzeichnung des Briefs, um die Vorteile von Neukirchen zusammenzufassen: "Wir sind eine Einrichtung, die immer wieder mit ihren Netzwerkpartnern vor Ort aktuelle Themen aus der Jugendarbeit aufgreift, um diese in einem spannenden und interessanten Konzept umzusetzen."