Die Moschee in der Viktoriastraße ist voll. Den gesamten hinteren Gebentsraum füllen Besucher aus. Sie alle haben, wie es hier eben üblich ist, bei Betreten der Moschee ihre Schule ausgezogen, sitzen nun in Socken auf dem Fußboden und blicken gespannt nach vorne. Der Gebetsruf ertönt. Er ist auf arabisch und für die meisten Besucher wohl nicht zu verstehen. Dennoch lauscht das Publikum aufmerksam.

Zehn muslimische Männer stehen in einer Reihe vor der Gebetsnische und beginnen mit dem Abendgebet. Sie lassen sich auf die Knie fallen, küssen den Boden vor sich, richten sich wieder auf und wiederholen den Prozess. Im Hintergrund laufen arabische Gebete.

"Das hat mich wirklich bewegt", sagt Marianne Vogt aus Coburg. "Zu sehen, wie sie sich ihrem Gott zu Füßen werfen und sich ihm hingeben, war beeindurckend." Die Moschee sei die erste Station des heutigen Abends für Marianna Vogt und ihren Ehemann Gerd. "Wir finden den Abend sehr interessant, besonders weil wir selbst viel in asiatische und musilimische Länder reisen", erläutert sie.

In der Moschee steht als nächstes der Derwisch-Tanz auf dem Programm. Eine Tanzgruppe aus Kulmbach, die aus vier Jungs besteht, betritt den Raum und stellt sich in Pose. Sie tragen lange, weiße Gewänder. Die Musik beginnt, die Jungen heben ihren rechten Arm angewinkelt nach oben und fangen an, sich um sich selbst zu drehen. Sie hören erst auf als nach etwa drei Minuten die Musik erlischt. "Der Tanz bedeutet eine vollständige Hingabe zu Allah", erläutert Ilhan Birinci, zweiter Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde Coburg.
"Man schaltet ab. Körper und Geist werden vollständig zu Gott gegeben." Es sei eine besondere Form des Betens, die auch nicht häufig betrieben werde, jedoch speziell für den heutigen Abend aufgeführt wurde. "Die Tanzenden kreisen um Gott, sie meditieren", weiß Karl Heinz Lipper, evangelischer Pfarrer im Ruhestand. Er ist begeistert vom Abend. "Die Nacht der Religionen ist eine tolle Idee, um bei den Menschen Interesse an anderen Religionen zu wecken." "Es ist faszinierend, dass man das ‚Feeling‘ so mitbekommt beim Beten", findet die Coburgerin Marie Ruettinger. "Auch wenn ich nicht viel verstanden habe, weil ja einiges in arabisch war, fühlt man sich aus Außenstehender hinein."

Bei der Nacht der Religionen stellen sich zehn Religionsgemeinschaften in 18 verschiedenen Gotteshäusern vor. Auch in der Kohray-Gruft der St. Augustin Kirche können sich Besucher am heutigen Abend umsehen und von Hans Peter durch die Räume führen lassen. "Etwa 60 Leute waren schon hier, die sich fragen, wer hier eigentlich begraben liegt und sich für die Verwandtschaft der verstorbenen interessieren.

Einen Einblick in den Buddhismus erhalten Besucher im Awo-Mehrgenerationenhaus. Auch hier sind alle Plätze besetzt. Neben dem Laienbuddhismus von Peggy Hoffman, führt Khenpo Toudu Tharchin, ein buddhistischer Mönch aus Nepal, mit Hilfe seiner Übersetzerin Cornelia Rossberg aus Coburg die Zuschauer in die ersten Schritte der Meditation ein. "Durch Meditation wird man friedvoll und glücklich im Geist", übersetzt Cornelia Rossberg den Mönch. Sie selbst sei ebenfalls Buddhistin und koenne aus eigener Erfahrung sagen, dass ein paar Minuten der Meditation im Alltag für Entspannung sorgen und Wutanfaelle verhindern.

Tharchin gibt Anweisungen, wie man beim Meditieren richtig sitzt und atmet, und fordert das Publikum zu einer kurzen Übung auf. Für zweieinhalb Minuten wird es komplett still im Raum, alle Besucher konzentrieren sich auf ein Objekt vor ihnen oder auf ihre Atmung.

Ob wohl jemand dabei ist, der nun zum Buddhismus übertritt? "Wegen eines fünf minütigen Einblicks wechselt man nicht seine Religion", findet die evangelische Religionslehrerin Jasmin Müller-Alefeld. Allerdings sei es sehr wichtig, offen für andere Religionen zu sein.

Einen besonders schönen Anblick liefert die Moritzkirche bei der "Nacht der Lichter". Der gesamte Kirchenraum ist abgedunkelt und leer, nur die Nische vor dem Hochalter ist beleuchtet, wo die Besucher mit Kerzen sitzen und gemeinsam Lieder singen. Der Anblick vermittelt eine friedvolle Atmosphäre, die den Zweck des Abends unterstreicht: Sich gegenseitig mehr Toleranz entgegenbringen und respektieren. "Egal woher die Leute kommen, jetzt wohnen sie in Coburg und gestaltet Coburg mit", sagt Jasmin Müller-Alefeld. Das Zauberwort dazu lautet Begegnung." Die Nacht der Religionen sei eine gute Sache, die gegenseitige Akzeptanz fördert und weitergeführt werde.