"Der Gesetzgeber hat bei Ärzten und Therapeuten die Sexualfreiheit eingeschränkt", sagte Vorsitzender Richter Christoph Gillot in der Urteilsverkündung. Der § 174c des Strafgesetzbuchs regelt, dass es sexueller Missbrauch ist, wenn ein Arzt oder Therapeut das Behandlungsverhältnis ausnutzt, um eine sexuelle Beziehung anzubahnen - selbst, wenn die Sexualkontakte einvernehmlich sind.

Aus diesem Grund sei der Coburger Arzt zu verurteilen. Von den ihm zur Last gelegten Fällen blieben aber nur drei übrig; betroffen war jedesmal die gleiche Frau. Die Anklage hatte ihm noch bei einer zweiten früheren Patientin sexuellen Missbrauch vorgeworfen, aber dieses Verfahren wurde eingestellt.

Darüber hinaus war der angeklagte Arzt wegen Abrechnungsbetrugs angeklagt. Von diesem Vorwurf wurde er freigesprochen. Denn "Betrug braucht Vorsatz", wie Richter Gillot sagte. Doch Vorsatz sei dem Angeklagten nicht nachzuweisen, bestenfalls "das größtmögliche Maß an Fahrlässigkeit". Der Arzt hatte "Konsultationspauschalen" abgerechnet, ohne dass die Patienten - wie erforderlich - an ihn überwiesen worden waren. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern hatte deshalb ein Verfahren gegen den Arzt geführt und das Geld zurückgefordert.

Die Große Strafkammer am Landgericht Coburg verurteilte den Arzt zu einem Jahr Haft. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Arzt eine Geldauflage von 10.000 Euro an zwei gemeinnützige Organisationen zahlen. Ein Berufsverbot erließ die Kammer nicht.

Weitere Hintergründe finden Sie hier(Angebot von infrankenPLUS, für Abonnenten kostenlos).

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.