Das Landestheater Coburg hat Betsy Horne schon vor einigen Jahren verlassen, um ihre Karriere an größeren Opernhäusern zielstrebig fortzusetzen. Und doch ist das Haus am Schlossplatz eine Art künstlerische Heimat geblieben für die amerikanische Sängerin.


Schließlich ist Coburg und sein Landestheater jener Ort, an dem aus der Mezzosopranistin Betsy Horne die erfolgreiche Sopranistin Betsy Horne geworden ist. Unter der Ägide von Intendant Bodo Busse hat sie sich Schritt für Schritt, Rolle für Rolle ihr Repertoire erarbeitet.


Opern- und Operetten-Diva

Hier hat sie Partien wie die Elsa von Brabant in Richard Wagners "Lohengrin" erprobt. Hier hat sie aber auch als Operetten-Diva das Publikum in Bann gezogen und zudem auch auf dem Konzertpodium beeindruckt. Coburg-Gastspiele sind deshalb für Betsy Horne noch immer künstlerische Heimspiele - umjubelte Heimspiele, wie ihr Auftritt in der Titelpartie von Antonin Dvoráks "Rusalka" bewies.


Die Neuinszenierung von Gastregisseur Tobias Heyder hatte vor gut einem Monat zunächst mehr durch fast dramatisch anmutende äußere Umstände, als durch ihre künstlerische Qualität Aufmerksamkeit erregt. Schließlich musste die Premiere wegen der akuten Erkrankung des Tenors Milen Boshkovs in der Pause abgebrochen werden und wurde eine Woche später mit einem Gast-Tenor nachgeholt.


Geheimnisvolle Meerjungfrau

Inzwischen aber hat die Produktion innerlich reifen können - mit dem wiedergenesenen Milen Boshkov in der Partie des Prinzen, der sich in die geheimnisvolle Meerjungfrau Rusalka verliebt, die in Menschengestalt freilich zum Verstummen verdammt ist und deren Liebe an dieser Bürde, aber auch an der Missgunst der Umgebung zerbricht.zt


Stimmlicher Wohlklang

Die Partie der unglücklich liebenden Rusalka - für Betsy Horne wird sie zur Paraderolle im slawischen Fach, in dem sie vor Jahren am Landestheater bereits nachhaltige Akzente gesetzt hatte, im Januar 2012 in der Titelrolle von Leos Janáceks "Katja Kabanowa". Als Rusalka beeindruckt Betsy Horne ebenso mit stimmlichem Wohlklang wie mit gestalterischer Intensität und Farbenreichtum in der Tongebung.

Die Stimme besitzt scheinbar mühelose Durchsetzungsfähigkeit in der Höhe und fundierte Tiefe, zugleich aber hat sie ihr lyrisches Potenzial bewahrt. Betsy Horne gelingt mit gestalterischer Intelligenz ein überaus eindringliches Portrait einer verlassenen, verratenen Frau.


Intensiver Wohlklang

Milen Bozhkov als Prinz präsentiert sich in dieser Vorstellung stimmlich in bester Verfassung und beeindruckt darstellerisch wie gesanglich gleichermaßen in einem rundum homogen besetzten Ensemble. Unter Roland Kluttigs souverän gestaltender Leitung entfaltet das Philharmonische Orchester dunkel gefärbten, intensiven Wohlklang.


Dass große Oper am Landestheater Anziehungskraft weit über die Region hinaus besitzt, beweist der Besuch dieser "Rusalka"-Aufführung mit Betsy Horne - mit Musiktheaterfans beispielsweise aus Würzburg und Chemnitz, aus Nürnberg, Bayreuth und München. Ausdauernder Beifall für Orchester, Dirigent und Sänger, Jubel für Betsy Horne.





Künstlerin zu Gast am Landestheater Coburg

Termine Antonin Dvorák "Rusalka" - 10. Juni, 15 Uhr, 27. Juni, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg

Betsy Horne, geboren im kalifornischen El Centro, gehört seit der Spielzeit 2010/2011 zum Ensemble des Landestheaters Coburg. Als jugendlich-dramatischer Sopran überzeugte sie die Jury des mit 5000 Euro dotierten Bayerischen Kunstförderpreises "durch große darstellerische Intensität, expressive Unmittelbarkeit und differenziertes Ausdrucksvermögen."

Ausbildung Ihre künstlerische Ausbildung absolvierte Betsy Horne am Cottey College und an der University of Kansas. 2001 setzte sie ihr Aufbaustudium als Stipendiatin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz fort.

Bühnenkarriere Von 2006 bis 2010 gehörte sie zum Ensemble des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Seit Herbst 2010 war sie Ensemble-Mitglied des Landestheaters, Seit Herbst 2014 ist die Sopranistin freischaffend tätig, gastierte aber seitdem wiederholt am Landestheter, zuletzt im Juli letzten Jahres bei der Abschieds-Gala für den scheidenden Intendanten Bodo Busse.

Rollen In der Spielzeit 2014/2015 debütierte sie als Eva in ""Die Meistersinger von Nürnberg" in Chemnitz und sang ihre erste Mimì in "La Boheme" in Coburg. Sie gab ihr Debüt als Emma in Mussorgskijs "Chowanschtschina" in Basel im Oktober 2015. Sie sang die Marschallin in einer "Rosenkavalier"-Neuproduktion im März 2016 am Landestheater Coburg sowie an der Deutschen Oper Berlin unter Ulf Schirmer, mit dem sie ihr Debüt als "Arabella" an der Oper Leipzig im Juni 2016 gegeben hat.