Die Zahlen, die Staatsminister Marcel Huber (CSU) der Landtagsabgeordneten Ulrike Gote (Bündnis 90/Die Grünen) auf Anfrage zukommen lässt, sind alarmierend: Die Nitrat- und Pestizidbelastung des Grundwassers nimmt auch in Oberfranken bedenkliche Ausmaße an. Coburg gehört zu den Gebieten, in denen die Nitratkonzentration im Grundwasser höher liegt, als die europäische Wasserrahmenrichtlinie zulässt - der Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter. Und einer Untersuchung des Landesamts für Umwelt zufolge wird es der Coburger Raum im Bewirtschaftungszeitraum von 2016 bis 2021 auch nicht schaffen, die EU-Zielvorgabe zu erreichen.

Konkret wurde die Nitratbelastung an 54 Messstellen im sogenannten Bruchschollenland Coburg untersucht. An drei Stellen lag die Konzentration bei über 50 Milligramm pro Liter an vier zwischen 37,5 und 50 Milligramm pro Liter. Die gute Nachricht: Bei der Mehrzahl der Messstellen blieben die Werte unter 25 Milligramm pro Liter. Dennoch liegt das Coburger Land bei der Risikoanalyse des Landesamts für Umwelt im roten Bereich - was Alarm bedeutet. "Wir nehmen das sehr ernst", sagt Jürgen Zimmerlein, Abteilungsleiter Gas/Wasser bei den Städtischen Werken - Überlandwerken - Coburg (SÜC). Trotzdem ist er von der guten Qualität des Trinkwassers in der Stadt und im Umland überzeugt. Und auf der Homepage der SÜC werden für das Trinkwasser geradezu traumhafte Nitratwerte zwischen 8,2 und 12,9 Milligramm pro Liter in den Städten und Gemeinden präsentiert. Wie ist diese Diskrepanz zu den Untersuchungen des Landesamts möglich?

Landankauf in Schutzgebieten

"Dass die Nitratwerte im Grundwasser steigen, ist uns schon lange bekannt. Deshalb haben wir beizeiten gegengesteuert", erläutert Jürgen Zimmerlein. Gegensteuern heißt in diesem Fall, dass die SÜC in ihren Trinkwasserschutzgebieten Land aufgekauft haben. Zum Beispiel im Froschgrund bei Fischbach/Mittelberg. "Dort sind die SÜC schon seit 120 Jahren aktiv. Wir haben immer wieder Flächen zugekauft. Jetzt gehören uns dort fast 80 Hektar Land." Teilweise seien das Waldflächen, vorwiegend aber Wiesen, die Bauern kostenlos zur Nutzung überlassen werden. "Wir haben mit den Landwirten die Vereinbarung getroffen, dass sie auf den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln verzichten. Drei bis vier Mal im Jahr mähen sie. Das Mähgut wird abgefahren." Es gebe in diesem Bereich mit seinen sechs Tiefbrunnen keine Probleme.

Acht Tiefbrunnen der SÜC gibt es zwischen Mönchröden und Neustadt. "Dort haben wir mit 95 Prozent der Bauern eine Vereinbarung getroffen." Der Nitratgehalt des Grundwassers wird in diesem Bereich regelmäßig gemessen. Ist er niedrig, bekommen die Landwirte eine Entschädigung. "Damit haben wir es geschafft, dass die Nitratbelastung nicht weiter steigt." Trotzdem wünscht sich Jürgen Zimmerlein, dass auch die restlichen fünf Prozent der Bauern die Vereinbarung zum Schutz des Grundwassers noch unterschreiben.

Eine dritte Bezugsquelle für Trinkwasser ist das Netz der Fernwasserversorgung Oberfranken. Alles zusammen kommt ins Wasserwerk Cortendorf. Das dort einfließende Mischwasser wird einmal wöchentlich geprüft. "Die Werte für die Nitratbelastung schwanken natürlich. Aber sie liegen nicht höher als 12 bis 19 Milligramm pro Liter."

Momentan werde bei den SÜC die Größe der Schutzgebiete kontrolliert. Eventuell müssten sie erweitert werden, stellt Jürgen Zimmerlein fest. Wo noch Lücken seien, werde weiter Land angekauft. "Das bedeutet, dass wir weiter investieren werden." Doch trotz der hohen Investitionen, die es auch in der Vergangenheit schon gab, gehöre der Wasserpreis bei den SÜC in Bayern zu den günstigsten.

Bauern nicht allein verantwortlich

Immer wieder geraten die Landw irte im Zusammenhang mit der hohen Nitratbelastung des Grundwassers in die Kritik. Hans Rebelein, der Geschäftsführer des Bauernverbandes im Landkreis Coburg, kann es nicht mehr hören. "Es ist einfach, sich auf die Landwirtschaft einzuschießen", sagt er und fragt, wie es um den Einfluss zum Beispiel von Klärschlamm und undichter Kanalisation auf das Grundwasser steht. Oder der des ICE-Baus. "Wer untersucht, was da alles in den Boden kommt?"
Freilich, die Landwirtschaft leiste ihren Beitrag, wenn es um die Nitratbelastung gehe. Darüber seien sich die Bauern auch im Klaren. Aber: "Man muss doch die Gesamtheit der Einflüsse beachten." Der Tierbestand sei im Landkreis zurückgegangen und damit auch die Menge der Gülle, die ausgebracht werden müsse. Was den Einsatz von Dünger betreffe, so müsse jeder landwirtschaftliche Betrieb eine Bilanz erstellen, die kontrolliert werde. Die Landwirte besuchten immer wieder Kurse in Pflanzenkunde und müssten Sachkundenachweise erbringen. Die 20 Biogasanlagen im Landkreis seien gut verteilt und damit auch die Gärreste, die auf die Felder kommen.

Derzeit wird an einer neuen Düngeverordnung gearbeitet. Die sieht Hans Rebelein skeptisch. "Werden die Ausbringungszeiten eingeschränkt, dann muss in kürzerer Zeit mehr auf die Felder gefahren werden. Ob das etwas bringt?"