Doch Georg Kallweit und die Mitglieder des Philharmonischen Orchester lassen sich beim Barockkonzert des Landestheaters keinen Moment irritieren. Die kraftvoll akzentuierte Allegro-Einleitung von Antonio Vivaldis Ouvertüre zur Oper "Dorilla in Tempe" vertreibt die bruchstückhaft herauf klingenden Anti-CC-Parolen.
"Italien und Bach" - unter diesem Motto wird diese pfingstliche Soirée zum lebendigen Dialog zwischen Musik und Architektur, zwischen Vivaldi, Marcello, Corelli, Platti und Bach und dem reichen Barock-Dekor des Riesensaals.

Eineinhalb Probentage am Donnerstag und Freitag, dazu die Generalprobe am Vormittag - in dieser kurzen Zeit ist es dem Geiger Georg Kallweit als musikalischem Leiter gelungen, aus den 15 Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters gleichsam die "Akademie für Alte Musik Coburg" zu formen. Kallweit, Konzertmeister und Solist der international renommierten "Akademie für Alte Musik Berlin", demonstriert auf scheinbar ganz selbstverständliche Weise, wie sich Erkenntnisse der sogenannten historischen Aufführungspraxis auch auf modernen Instrumenten überzeugend umsetzen lassen.

Gänzliche ohne dogmatischen Eifer, stattdessen mit großer Musizierfreude und feinem Gespür für spannungsvoll entfaltete Kontraste bringt Kallweit die ausgewählten Concerti zum Klingen. Konzentriert und reaktionsschnell nehmen die Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Kallweits gestalterischen Impulse auf. Dabei beweisen sie sensibles Einfühlungsvermögen in die barocke Stilistik und demonstrieren, wie schattierungsreich in Klang und Gestus diese Musik auch auf modernen Instrumenten gespielt werden kann.

Weit gespannt ist die dynamische Bandbreite vom zarten Piano bis zum kraftvollen Forte. Reich differenziert ist aber auch die Palette des Ausdruck vom freudigen Allegro bis zum lamentoartigen Adagio.

"Italien und Bach" - im Oboenkonzert von Alessandro Marcello gewinnt das Motto dieses Abends klingende Gestalt. Denn Marcellos Konzert erklingt in einer Fassung, die Veränderungen und Ergänzungen, die einst Bach diesem Werk in einer Cembalofassung angedeihen ließ, zurück überträgt auf das Original. Bernhard Forster, Solo-Oboist des Philharmonischen Orchesters und Herausgeber dieser besonderen Fassung des Marcellos-Konzerts, beeindruckt als Solist mit sorgsam abgestufter Tongebung, schlanker Virtuosität und großer Gestaltungskraft.

Als souveräner Solist ist später auch Georg Kallweit zu hören - in dem rekonstruierten Violinkonzert g-Moll von Johann Sebastian Bach. Hier beeindruckt nicht zuletzt das ausdrucksintensiv gesungene Largo.
Das populäre Concerto d-Moll aus der Sammlung "L'estro armonico" von Vivaldi, das Bach einst für die Orgel adaptierte, bildet dann den fulminanten Abschluss des Programms - frisch im Klang, präzis im Zusammenspiel dargeboten. Begeistert ausdauernder Applaus der zahlreichen Zuhörer und eine kurze Zugabe - das Andante aus Vivaldi eingangs gespielter Ouvertüre.