Die Augsburger Kanuslalom-Spezialistin Melanie Pfeifer und den aus Hof stammenden Sportschützen Philipp Seidel eint ein Ziel: Beide wollen bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro an den Start gehen. Sollten sie sich auf dem Weg dahin eine Verletzung zuziehen, können sie auf medizinische Unterstützung des "Medical Park" hoffen. Die Bad Rodach Rehabilitationsklinik ist ab sofort des "Olympiastützpunkts Bayern".

Pfeifer, die schon mehrfach Spitzenplätze bei Weltcup-Läufen belegt hat, weiß nur zu gut, wie schnell man aus gesundheitlichen Gründen aus dem Rennen sein kann. "Ich habe gerade erst eine schwere Schulteroperation hinter mir", sagt die 27-Jährige, während sie sich von Therapieleiter Gunter Hölig die modernen Fitness-Geräte im "Medical Park" zeigen lässt. Vier Wochen war Pfeifer, Mitglied der Sport-Fördergruppe der Bundeswehr, nach der OP auf Reha in Bad Wiessee. Dort hat sie die Bedeutung der Rehabilitation erst richtig schätzen gelernt: "Es hat mir sehr gut getan, einmal dem Alltag zu entfliehen."

Schnelle Hilfe ist Pflicht

Klaus Pohlen ist Leiter des "Olympiastützpunkts Bayern". Er kennt den Bad Rodacher Klinik-Geschäftsführer Christian Grunow schon lange und weiß, dass Spitzenathleten - die nicht unbedingt nur aus Nordbayern kommen müssen - im Falle des (Un-)Falles in Bad Rodach gut aufgehoben sind. "Wenn wir Hilfe brauchen, dann brauchen wir sie schnell", definiert Pohle ein Qualitätsmerkmal, das der Olympiastützpunkt gesetzt hat. Christian Grunow sitzt daneben und nickt überzeugt ob der Qualität, die er in seiner Bad Rodacher Mannschaft sieht. "Wir haben hier einen Ausbildungsstand, der seinesgleichen sucht", sagt der Geschäftsführer.

Freilich wird der "Medical Park" erst einmal Anlaufpunkt für Athleten aus dem nordbayerischen Raum. Stützpunktleiter Pohle ermuntert beim Gespräch um vermeintlich fehlende Spitzen-Athleten die Nordbayern zu ein bisschen mehr Selbstbewusstsein auf. Der Kapitän der deutschen Hockey-Nationalmannschaft, die immerhin Olympiasieger ist, ist zum Beispiel waschechter Franke: Max Müller aus Nürnberg. Auch im Bereich der Sportschützen - die zum Leistungszentrum in Suhl trainieren - gibt Sportler, die sicherlich froh sind, dass ihnen jetzt in Bad Rodach eine Anlaufstelle zur Verfügung steht.

Der 19-jährige Hofer Philipp Seidel hätte zwar nichts dagegen, wenn er nicht in den "Medical Park" kommen müsste: "Wer will sich schon verletzen?" Aber er kann sich schon ganz gut vorstellen, vor oder nach längeren Trainingsphasen einmal bei der Fahrt von Suhl nach Hof bei Klaus Völkel (dem Leitenden Oberarzt der Orthopädie) und dessen Bad Rodacher Kollegen vorbeizuschauen. "Wurfscheiben-Schießen ist ein sehr statischer Sport. Da ist man schon mal schnell verspannt oder hat Rückenprobleme", weiß der 19-Jährige, der in Oberhof bei der Bundeswehr stationiert ist.

Gunter Hölig sieht der Tatsache, dass bald Leistungssportler im "Medical Park" medizinische Hilfe bekommen sollen, gelassen entgegen. Klar, so eine voll austrainierte Kanutin habe sicher ein ganz anderes Körpergefühl als klassischer Reha-Patient, weiß der Therapiechef. Aber eines, dass eine die Rehabilitation bei Sportverletzung und (beispielsweise) Schlaganfall: "Die Patienten kommen an ihre Grenzen." Beim Einen sei sie halt ein bisschen früher, beim Anderen ein bisschen später erreicht. Und der Ehrgeiz, wieder fit nach Hause zu kommen, sei hier wie da vorhanden. Und rein personell, da ist Hölig voll überzeugt, ist der Bad Rodacher "Medical Park" auf die Herausforderung durch Hochleistungssportler als Patienten sowie gerüstet: "Wir haben viele Diplom-Sportlehrer im Team." Oberarzt Völkel stimmt ihm da sofort zu: "Für uns wird die Partnerschaft Herausforderung und Motivation gleichermaßen. Und am Ende werden auch die normalen Patienten von unseren dabei gemachten Erfahrungen profitieren."

Damit darf man werben

Aber ein bisschen Stolz, dass sie vom "Olympiastützpunkt" als Partnerklinik auserkoren wurden, schimmert beim Bad Rodacher Klinik-Team trotz aller Gelassenheit dann doch durch. Spätestens bei der Antwort von Christian Grunow auf die Frage, ob der "Medical Park" denn eigentlich mit dem Titel des "Olympiastützpunkts" werben könne: "Wir können, wir dürfen - und wir werden!"