Dass in der Fußgängerzone musiziert wird, ist zunächst nicht ungewöhnlich. Neben Gitarren und Handtrommeln kamen am Montagnachmittag allerdings auch eine Coladose, eine Besenschaufel und Plastikrohre bei der Inszenierung "Künstliche Intelligenz durchbricht den Coburger Alltag" zum Einsatz, die im Rahmen der Themenwoche "Künstliche Intelligenz - Coburg wechselt die Blackbox" stattfand.

"Durch unseren Auftritt suchen wir den Dialog mit den Bürgern", berichtet Ralf Probst Dozent für musische Bildung im Fach Soziale Arbeit an der Hochschule Coburg. Das Ziel ist es, den Passanten vor Augen zu führen, dass das Leben rhythmisiert ist. "Unser Alltag ist von Rhythmen durchzogen - schon alleine durch Körperfunktionen wie den Herzschlag", erklärt Probst. Alltägliche Handlungen können auch von einem gleichbleibenden Rhythmus geprägt sein, wie die Zeit zwischen dem Aufstehen und dem Frühstück.

Rhythmen und Digitalisierung

Um den Zusammenhang zwischen Rhythmen und Alltag zu verdeutlichen, wurden Alltagsgegenstände zu Instrumenten umfunktioniert: "Die Coladose ist beispielsweise mit Reis gefüllt", sagt Probst. Boom Whackers kommen bereits bei der musikalischen Früherziehung zum Einsatz: "Je länger das Plastikrohr ist, desto tiefer ist der Ton", erklärt der Dozent.

Die Inszenierung hat Probst gemeinsam mit acht Studenten, die Musik als Schwerpunkt belegen, geplant: "Die Verbindung mit der Digitalisierung wurde durch die Verwendung von alltagstauglichen Rhythmen aus dem Bereich Hip Hop symbolisiert." Im Hip Hop werden laut Probst viele technische Elemente eingesetzt.

Aus technischer Sicht seien Künstliche Intelligenz und Rhythmus zwei "völlig unterschiedliche Schuhe". Probst sieht dennoch einen Zusammenhang. Deshalb ist es sein Ziel, die Passanten für die Wahrnehmung von künstlicher Intelligenz im Alltag zu sensibilisieren: "Mein Smartphone schlägt mir früh automatisch den schnellsten Weg zur Hochschule vor, unabhängig davon, ob ich dorthin möchte", erzählt Probst. Durch die künstliche Intelligenz werden wir seiner Meinung nach im Alltag unterstützt und auch manipuliert. "Die Menschen sollten sich über die künstliche Intelligenz mit allen Vor- und Nachteilen bewusst werden", sagt er.

Passanten einbeziehen

Zu diesem Zweck wurden zwischen den Musikstücken auch Passanten von den Studenten zu den Themen Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Lebensrhythmus befragt.