Wer war dieser Johann Casimir? War dieser Coburger Herzog, in streitbaren Zeiten unter Vormundschaft aufgewachsen, wirklich jener fanatische Hexenverfolger, zu dem er in den Augen der Nachwelt wurde? War seine Jagdleidenschaft tatsächlich so maßlos, wie die Überlieferung erzählt? 450 Jahre nach seiner Geburt ist der einstige Regent, der Coburg zur Residenzstadt formte, noch immer eine Figur, die viele Fragen aufwirft.
Als "Fürst in Zeiten der Krise" zeigt ihn eine umfangreiche Ausstellung im Staatsarchiv Coburg. Historische Dokumente und Archivalien aus den eigenen Beständen liefern das Material für eine ebenso faktenreiche wie erhellende Schau, die helfen kann, manches Casimir-Klischee zu korrigieren. Dokumente und Archivalien in ihrem historischen Kontext zum Sprechen zu bringen - das ist das Ziel dieser Schau, die als doppelte Kooperation entstanden ist.

Bittbriefe der Ehebrecherin

Die "Historische Gesellschaft" hat geholfen, die Handschriften in ihrer Bedeutung und ihrem Inhalt zu verstehen, der Verein "WirGestalten" hat die Exponate geschickt in Szene gesetzt, um sie möglichst anschaulich werden zu lassen. Das Ziel ist ehrgeizig. "Wir wollen mit dieser Ausstellung den aktuellen Wissensstand der Casimir-Forschung zusammen fassen", sagt Johannes Haslauer, der Leiter des Staatsarchivs Coburg.


Diesem Zweck dient eine prägnante Gliederung, die einige Schwerpunkte der Regentschaft Casimirs deutlich hervortreten lässt. Zugleich aber unternimmt die Schau den Versuch, die Person Casimirs auch in ihren privaten Aspekten zumindest in Umrissen zu erahnen ist. Den Ausgangspunkt bildet die schwierige Kindheit Casimirs, der mit seinem jüngeren Bruder Johann Ernst unter Vormundschaft stand, weil Vater Johann Friedrich II. von Sachsen drei Jahre nach Johann Casimirs Geburt Herrschaft und Freiheit verlor.


Ein dickes Aktenbündel aus dem Jahr 1583 dokumentiert den Ehebruch von Casimirs erster Ehefrau Anna, der Tochter des August von Sachsen, und die juristische Aufarbeitung - Bittbriefe Annas aus der Gefangenschaft inklusive. Eine Schriftprobe des achtjährigen Knaben Johann Casimir gehört ebenso zu den Exponaten wie die von Casimir erlassene Hexenordnung.


In dieser Hexenordnung freilich sieht Johannes Haslauer nicht vorrangig ein Dokument von Casimirs Hexenwahn, sondern eher einen Beleg für dessen Ordnungswahn, der viele Bereiche des öffentlichen Lebens erfasste. Schließlich sei in der Hexenordnung Punkt für Punkt ganz genau geregelt worden, welche Fragen in welche Reihenfolge der vermeintlichen Hexe zu stellen sei - eine Ordnung, die dazu dienen sollte, jeden äußeren Anschein von Willkür zu vermeiden.


Eine Schülerliste aus dem ersten Jahrgang des Casimirianums von 1606 zeigt den Einzugskreis der Bildungsanstalt, der schon damals deutlich über die Stadt Coburg hinaus reichte. Die finanziellen Nöte von Casimirs Regentschaft werden an einem ganz konkreten Beispiel sichtbar - am Sparzwang, der auch vor dem Hof des Herzogs nicht Halt machte und dazu führte, dass die Hofgesellschaft von 213 Personen im Jahr 1587 auf 75 Mitglieder 1607 reduziert wurde.


Als Bauherr hat Herzog Johann Casimir das Gesicht der Residenzstadt Coburg nachhaltig geprägt. Viele Gebäude erinnern noch heute an ihn - nicht nur das nach ihm benannte Casimirianum, sondern auch das Kanzleigebäude errichtete heutige Stadthaus und nicht zuletzt das ehemalige Zeughaus. Denn dieses Zeughaus, dessen Bau 1616 begann, dient in der Gegenwart dem Staatsarchiv als Domizil.


Leben und Nachleben eines Coburger Herzogs



Ausstellungs-Tipp "Fürst in Zeiten der Krise. Johann Casimir von Sachsen-Coburg (1564 bis 1633), Staatsarchiv Coburg (bis 17. Oktober; Eintritt frei)

Johann Casimir von Sachsen-Coburg wurde am 12. Juni 1564 in Gotha geboren. Casimir stammte aus der Familie der ernestinischen Wettiner. Er förderte Wissenschaft und Künste, das Schützenwesen und die Wehrhaftigkeit, reorganisierte die Verwaltung und verankerte die Reformation in seinem Staatswesen. Aber auch die Hexenverfolgung gehörte in seine Regierungszeit. Durch seine Bautätigkeit prägte er das Stadtbild. Er starb am 16. Juli 1633 in Coburg.
Weitere Ausstellungen "Mit Herzog Johann Casimir durch die Veste Coburg - Objekte in der Dauerausstellung der Kunstsammlungen" (bis 2. November, Veste Coburg); "Der Enkel des Glaubenshelden - Herzog Johann Casimir und die politischen Folgen der Reformation" (bis 31. Oktober, Landesbibliothek; Eintritt frei)