Im Seßlacher Stadtteil trifft Markus Rinderspacher, Vorsitzender der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, auf einen Mann klarer Worte: Tobias Knötig. Der ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde spart bei der Besichtigung des sanierungsbedürftigen Schlosses nicht mit Kritik an der Stadt: "Es gibt seit 40 Jahren keinen politischen Willen, hier etwas zu machen." So schlecht wie heute, schickt der Geistliche hinterher, sei das Gebäude in seiner langen Geschichte noch nie dagestanden.

Carsten Höllein, SPD-Kreisvorsitzender und Stadtrat in Seßlach, nickt bei Knötigs Worten zwar, er bremst aber auch: "Die Stadt war halt finanziell auch nie auf Rosen gebettet." Immerhin sei man sich nun auf kommunaler Ebene einig, ein Nutzungskonzept für das aus denkmalschützerischer Sicht wertvolle Gebäude auf den Weg zu bringen. Dass dabei am Ende sogar der Verkauf an einen Privatinvestor herauskommen könnte, ahnt auch der Pfarrer. "Dann müssen wir aber auch die Frage klären, wo die Vereine künftig eine Heimat haben", fordert er deshalb. Schützen, Gesangverein, Feuerwehr - alle brauche brauchen ihre Räume im Schloss dringend.

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Markus Rinderspacher ist sichtlich überrascht von der Ziellosigkeit, die es offensichtlich in der Stadt bei der Frage nach der Zukunft des Heilgersdorfer Schlosses gegeben hat. Dann müsse man es halt noch einmal mit einem runden Tisch und allen Beteiligten probieren, sagt der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag mit fast flehendlicher Stimme. Carsten Höllein rechnet mit vier Millionen Euro, die die Stadt zur Verfügung stellen müsste, um das Schloss wieder auf Vordermann zu bringen. So viel Geld könne man höchstens auf lange Sicht - "so über 10 bis 15 Jahre" - im Haushalt unterbringen. Aber in einem Punkt, da schließt sich Höllein den forschen Pfarrer Knötig an: "Einfach immer nur so lassen wie es ist, können wir dieses Schloss nicht."