Stockholm, Berlin, Mainz, Gießen, Bamberg - und jetzt auch Coburg: Die "Fridays for future"-Bewegung erreicht die Vestestadt. Eine Gruppe von gut zehn Schülern von allen vier Gymnasien bereitet derzeit eine Veranstaltung vor, bei der am kommenden Freitag, 8. Februar, für mehr Umwelt- und Klimaschutz demonstriert werden soll. Rein inhaltlich werden das die meisten zunächst einmal gut finden. Das Heikle an der Sache ist aber - wie in den anderen Städten auch - der Zeitpunkt des geplanten Protests: ab 11.30 Uhr. Sprich: Schüler, die teilnehmen möchten, müssten dem Unterricht fernbleiben.

"Wir haben überlegt, ob wir es vielleicht lieber am Freitagnachmittag oder am Samstag machen", räumt Katharina Trapp vom Organisationsteam ein. "Aber dann haben wir uns doch dazu entschlossen, noch während des Unterrichts zu beginnen." Denn: "Das erzeugt einfach mehr Aufmerksamkeit!" Und Katharina Trapp, die in diesem Jahr am Albertinum ihr Abitur macht, nennt noch eine weitere Begründung: "Es kann nicht sein, dass der Unterricht wichtiger ist als die Welt, für die wir zu leben lernen!"

Katharina Trapp ruft alle Eltern auf, ihre Kinder zu ermutigen, an der Veranstaltung teilzunehmen. "Also ich wäre stolz, wenn sich mein Kind bei so etwas engagiert!" Im Gespräch mit dem Tageblatt äußert die 19-Jährige am Montag aber auch eine Sorge: Es gebe Gerüchte um eine Anweisung des Kultusministeriums, wonach Schüler, die zugunsten der Umwelt-Aktion dem Unterricht fernbleiben, mit einem verschärften Verweis zu bestrafen sind. "Das schreckt natürlich ab", sagt Katharina Trapp - doch zumindest was die Gymnasien in Coburg betrifft, konnte noch im Laufe des Montags Entwarnung gegeben werden: Die Schulleiter der vier Gymnasien haben sich nämlich auf eine einheitliche Regelung geeinigt. Demnach erlauben sie ihren Schülern die Teilnahme - vorausgesetzt, es liegt bis Donnerstag, 8 Uhr, ein von den Eltern schriftlich begründeter Antrag auf Unterrichtsbefreiung vor. Die Schulleiter betonen allerdings auch, dass es sich um ein "einmaliges Entgegenkommen" handele.

Mehr zur einheitlichen Regelung der vier Gymnasien gibt es hier

Die Organisatoren rechnen am Freitag mit mehreren hundert Teilnehmern. Die Werbung läuft vor allem über die sozialen Medien. Es gibt WhatsApp-Gruppen, über die Informationen ausgetauscht werden, und bei Instagram hat der Account "fridaysforfuture_coburg" bereits gut 400 Follower. Im Aufruf heißt es: "Auch wir möchten uns den bundesweiten Protesten anschließen und fordern echten und konsequenten Klima- und Umweltschutz. Konkrete Forderungen sind vor allem die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft und eine konsequente Energiewende mit einem schnellen Kohleausstieg vor 2030." Luca Schenk aus dem Orga-Team ergänzt: "Wir müssen endlich weg vom ,man müsste mal was tun' hin zu echten Lösungsansätzen. Deshalb demonstrieren wir gemeinsam mit anderen jungen Menschen auf der ganzen Welt, bis die Öffentlichkeit handelt."

Was ist genau geplant?

Start der ersten "Fridays for future"-Aktion in Coburg ist am Freitag, 8. Februar, um 11.30 Uhr am Gymnasium Alexandrinum. Von dort aus wollen sich die Schüler auf den Weg in Richtung Innenstadt machen - und die Organisatoren hoffen, dass unterwegs von den anderen Gymnasien noch weitere Teilnehmer dazu stoßen. Gemeinsames Ziel ist der Marktplatz; für dort wurde beim Ordnungsamt auch ganz offiziell eine Kundgebung angemeldet. Bis 15 Uhr soll jeder an einem "offenen Mikrofon" seine Meinung sagen können.