Mini-Panzer, Mini- Türme, Mini-Felsen, Mini-Raketenwerfer... Der riesige Tisch in der CoJe ist übersäht von haufenweise kleinen Figuren und Modellen. Genügend Miniatur-Gegenstände, um damit ein kleines Museum zu füllen. Die Modelle sind Teil des in England entstandenen Strategiespiels namens "Table Top" (zu Deutsch: Tischplatte). Außergewöhnlich dabei: Die Spieler bauen ihre Figuren, Modelle und Landschaften selbst.
"Man kann das mit Modellbau vergleichen. Für Figuren und Maschinen kaufen wir uns Modellbausätze, die wir zusammenbauen und anmalen", erläutert "Table-Top"-Spieler Holger Wurst beim "Apocalypticon" am Samstag in der CoJe. Auch das Gelände, die Felsen, werden von den Spielen selbst angefertigt. "Man kann sie zwar auch kaufen, aber die meisten Leute machen sie aus Styropor einfach selbst", sagt Wurst. In erster Linie baue man sie aus optischen Gründen für das Spielfeld. Allerdings seien sie auch als Versteck und zum Schutz vor gegnerischen Angriffen von Vorteil.

"Die Spieler haben so viele Figuren zu Hause, die sie bei gewöhnlichen Spielen gar nicht alle nutzen könne", erläutert Christian Röblitz, Vorsitzender des Förderkreises innovatives Spiel (FiS). "Darum organisieren wir seit 2009 einmal im Jahr den Apocalypticon ,Warhammer 40K‘ in der CoJe. Hier können die Spieler alle ihre Figuren und Modelle mitbringen und über die Regeln hinweg spielen."

Beim "Warhammer 40K" geht es hauptsächlich um das Strategiespiel "Table Top" und um das Rollenspiel "Papers and Pen" (zu Deutsch: Papier und Stift). "Die Regeln für ,Table Top‘ zu erklären, ist nicht einfach, denn vieles beruht auf Absprachen zwischen den Spielern und variiert damit in jedem Spiel", erklärt der FiS-Pressbeauftragte Constantin Hirsch.

Weniger ist manchmal mehr

Bei der klassischen Version treten zwei Spieler oder zwei Teams gegeneinander an. Jedem Modell, das die Spieler besitzen, sei vom Hersteller ein bestimmter Punktewert vorgeschrieben. Hier gilt: Je mehr Schaden das Modell beim Gegenüber anrichten kann, desto mehr Punkte bekommt es. Also entscheidet der Spieler, ob er lieber viele, aber schwächere Modelle oder weniger, dafür starke Modelle benutzen will. Etwa 1750 Punkte darf jeder der Spieler oder jedes Team aufstellen.

Auch das Ziel von "Table Top" sei nicht so einfach zu erläutern. "Generell sprechen die Teilnehmer vor Beginn des Spiels ab, was das Ziel sein wird", erläutert Christian Röblitz. "Das ist dann eine bestimmte Aufgabe, die man zu lösen versucht wie beispielsweise ein gegnerisches Gebiet einzunehmen." Ist das geklärt, kann mit dem Spielen begonnen werden. Wenn ein Spieler etwa auf eine Figur des Gegenübers schießen möchte, wirft er erstmal einen Blick in die Tabelle. Geschossen wird hier nämlich nicht, sondern gewürfelt. In der Tabelle können die Spieler nachlesen, wie hoch sie würfeln müssen, um ihr Zielobjekt zu erreichen. "Je nach Augenzahl hat man das Objekt erreicht oder nicht."

Für "Table Tops" gebe es viele verschiedene Spiel-Welten, sagt Röblitz. Auf der Apocalypticon wird an diesem Wochenende in einer Science-Fiction-Welt gespielt. Beliebt seien aber vor allem Kriegsthemen. "Es gibt, denke ich, keinen Krieg, zu dem es nicht auch ein ‚Table Top‘ gibt", sagt Hirsch.

Neben dem Strategiespiel gibt es das Rollenspiel "Papers and Pen", das - wie der Name schon sagt - hauptsächlich mit Papier und Stift gespielt wird. "Hier erleben die Spieler ein Abenteuer in Form einer Geschichte", erläutert Röblitz. Es gibt einen Erzähler und drei bis sechs Mitspieler, die alle einen bestimmten Charakter einnehmen. "Die Spieler werden in eine Geschichte eingeführt. Diese kann sich vor einem historisch korrekten Hintergrund abspielen oder komplett erfunden sein", sagt der Vorsitzende.

Missionen und Diskussionen

Der Erzähler gibt den Spielern also eine Mission, die sie zu erfüllen haben. Zum Beispiel diese: Jemand ist verschwunden und die Mitspieler müssen ihn durch Entscheidungen, die sie als Gruppe treffen, wieder finden. Die Gruppe hört etwa ein Geräusch im Wald und muss entscheiden, ob sie dem nachgeht oder es ignoriert. Dabei könne es in der Gruppe auch mal zu etwas heftigeren Diskussionen kommen, verrät Hirsch. "Ein schöner Nebeneffekt des Spieles ist es aber, dass man soziale Kompetenz übt und lernt, sich durchzusetzen. Das ist gerade für die jüngeren Mitglieder von Bedeutung", sagt Röblitz.
Das Ganze kann sich aber schon mal in die Länge ziehen. "Das längste ‚Papers and Pen‘, das ich bisher gespielt habe, hat etwa 48 Stunden gedauert - mit nur ganz kurzen Schlafpausen", erinnert sich Röblitz. "Gewonnen haben wir aber vor allem dann, wenn wir Spaß hatten."