Dass dieser Fall keine gewöhnliche Schlägerei im Coburger Steinweg gewesen ist, stellte auch Strafrichter Bauer am Donnerstag fest. Die Angeklagten Christian M. und Toni M. gerieten am 24. Mai letzten Jahres kurz vor vier Uhr morgens in Höhe der Hypo-Vereinsbank gegenüber dem Stadtcafé in Streit mit einer anderen Personengruppe, bei dem Anton B. zu Boden ging. Er erlitt Schläge und Tritte gegen den Kopf und zog sich mehrere Schädelprellungen sowie eine Gehirnerschütterung zu.

"Ich dachte, ich werde jetzt richtig fertiggemacht, weil er sich das T-Shirt vom Körper riss und wie ein erfahrener Kämpfer vor mir in Stellung ging", sagte der 29 Jahre alte Geschädigte Anton B. aus. Zusammen mit ein paar Fußballkollegen und seiner Ehefrau war der Rödentaler nach einer Party auf dem Weg nach Hause, als er von einem Freund der Angeklagten nach einer Zigarette gefragt wurde.


Geschrei, Sturz und Rangelei

Als ihm diese verweigert wurde, kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung, bei der eine Freundin der Angeklagten Anton B. einen Döner aus der Hand schlug. Daraufhin versetzte dieser der gerade volljährigen Frau einen Schlag mitten ins Gesicht, in dessen Folge sie zu Boden ging. Der Freund der jungen Frau eilte zu Hilfe. Es kam zu einer Rangelei mit Anton B. und weiteren Mitgliedern der Gruppe. Das bekam der 27 Jahre alte Coburger Christian M. mit, der zu diesem Zeitpunkt etwas abseits saß und auch einen Döner aß.

"Wie ein Harakiri-Kämpfer in einer Ein-Mann-Show entledigte er sich seines Shirts und warf sich auf den Geschädigten, um seine Freunde zu schützen", räumte sein Anwalt bei der Hauptverhandlung ein. Ein späterer Alkoholtest ergab 1,72 Promille. Der Coburger soll mehrmals auf Anton B. eingeschlagen und ihn gegen den Kopf getreten haben, dieser war zwischenzeitlich bewusstlos und musste zur Behandlung ins Krankenhaus. Auch der 26 Jahre alte Neustadter Toni M. soll mitgemischt haben.

Wegen des enormen Alkohols, der an diesem Abend bei allen Beteiligten floss, konnte sich niemand richtig erinnern. "Als wir am nächsten Tag wieder nüchtern waren und erfahren haben, was wir angestellt haben sollen, tat uns das total leid", versicherte Christian M. Beide Beschuldigten schrieben Anton B. einen Brief, entschuldigten sich bei ihm und zahlten Schmerzensgeld. Für den Geschädigten sei "die Sache schon längst erledigt".
Ganz wollte Strafrichter Bauer den Vorfall nicht auf sich bewenden lassen. "Es ist ein bisschen Zufall, dass diese beiden jetzt auf der Anklagebank sitzen. Es hätte auch einen der anderen treffen können", erklärte er. Christian M. sei zwar der "Endschläger" gewesen, alle hätten sich aber falsch verhalten. Eine gefährliche Körperverletzung und gemeinschaftliche Misshandlung konnte der Richter aber nicht erkennen.


Zwei Geldstrafen

Weil beide Angeklagte vorher noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten waren, wurde das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldstrafe an eine gemeinnützige Organisation eingestellt. Toni M. muss 250 Euro zahlen, Christian M. kostete seine Showeinlage 1500 Euro, die er in fünf monatlichen Raten ableisten darf. Anton B., der eine Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat, wurde nicht belangt. Ein weiterer Verhandlungstermin für den 8. Februar wurde abgesagt.