Wer bislang noch nicht wahrhaben wollte, dass die ach so nette Internetspielerei Facebook auch richtig üble Schattenseiten hat, der sollte es spätestens jetzt wissen. Denn ein Vorfall, der ansonsten vielleicht einfach nur als Dummejungenstreich abgetan worden wäre, hat sich im Laufe des Donnerstags mit Hilfe der sogenannten "neuen Medien", die ein munteres Mitteilen und Diskutieren ermöglichen, böse aufgeschaukelt. So böse, dass nunmehr auch die seriösen Medien nicht mehr umhin kommen, das Thema aufzugreifen - auch auf die Gefahr hin, dass sich der Täter da rüber jetzt erst recht freut.

Was war geschehen? In der Nacht zum Donnerstag sind Unbekannte in die Schule in Wei dach eingedrungen. Das Gebäude wird derzeit von den fünf fünften Klassen der Realschule Coburg II genutzt, weil im Hauptgebäude in der Thüringer Straße in Coburg der Platz nicht mehr ausreicht. Das Gebäude in Weidach hat deshalb auch den Spitznamen "kleine CO II".

Besagte Einbrecher (vielleicht war es aber auch nur eine Einzelperson) waren zunächst auf das Flachdach der Turnhalle geklettert und von dort über ein Oberlicht in die Toiletten gestiegen. Dabei suchten sie Halt auf einem Waschbecken, was allerdings unter dem Gewicht zerbrach.

Hoher Sachschaden


Schließlich verschafften sie sich Zutritt in ein Klassenzimmer. Sie drehten den Wasserhahn auf und lösten das Abflussrohr, so dass sich das Wasser im Klassenzimmer verteilte. Der Sachschaden wird auf mindestens 3000 Euro geschätzt.

Noch viel schlimmer wog aber die Tatsache, dass die Täter in ein vorgefundenes Klassenbuch einiges hineinschmierten: unter anderem einen vor Fehlern strotzenden Satz, in dem angekündigt wird, dass am Freitag "Amogg" gelaufen wird.

Nun gehört es leider zur Geschichte der CO II, dass es im Jahre 2003 tatsächlich schon einmal einen Amoklauf mit einem Toten gab. Entsprechend groß war nun die Sorge bei vielen Eltern, als sie von der nächtlichen Droh-Schmiererei hörten - zumal die meisten davon nicht seriös aus erster Hand erfuhren, sondern über Facebook. Dort verbreitete es sich am Donnerstag wie ein Lauffeuer, dass es am Freitag einen Amoklauf an der Schule geben werde. Dass dabei oft die "kleine CO II" mit dem Hauptgebäude in Coburg verwechselt wurde, war noch das geringste Problem. Schulleitung und Polizei standen stets in engem Kontakt - doch es gestaltete sich äußerst schwierig, die Gemüter zu beruhigen. Längst hatten viele Eltern entschieden, ihre Kinder am Freitag nicht in die Schule zu schicken.

Am Donnerstagabend entschloss sich Rektor Klaus Reisenweber, auf der Homepage der CO II eine umfassende Erklärung abzugeben (siehe dazu Infokasten unten). "Facebook & Co. kann man nicht kontrollieren", erklärt Reisenweber sein Vorgehen, "man kann eigentlich nur gleiche Mittel dagegen setzen." Ziel der Mitteilung sei es gewesen, nicht noch mehr Menschen zu verängstigen. Der Rektor sagte am Freitag zum Tageblatt aber auch: "Ich kann die Eltern verstehen, die sich Sorgen gemacht haben." Zwar hätten Art und Weise der "Amogg"-Ankündigung eigentlich kaum Grund zur Beunruhigung gegeben: "Aber dann ist das eben auf Facebook hochgepuscht worden, und es sind unnötig viele Ängste geschürt worden."

Viele blieben dem Unterricht fern


In Absprache mit der Polizei sei dann am Freitag sowohl vor der "kleinen CO II" in Weidach als auch vor dem Hauptgebäude in der Thüringer Straße in Coburg ein Streifenwagen der Polizei postiert worden. Aber vor allem deshalb, um Eltern und Schülern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.

Nach Auskunft von Klaus Reisenweber hätten am Freitag von den rund 800 Schülern, die im Hauptgebäude unterrichtet werden, etwa 60 gefehlt - der normale Durchschnitt pro Tag liege bei 30. In vier der fünf fünften Klassen in der "kleinen CO II" hätten jeweils "zwei, drei Kinder" gefehlt; in einer Klasse, in der gleich zwölf Schüler nicht erschienen, ist die Facebook-Panikmache wohl auf besonders fruchtbaren Boden gefallen.

Die Internet-Mitteilung des Rektors

Klaus Reisenweber, Rektor der CO II, reagierte am Donnerstagabend auf die sich hoch schaukelnden Diskussionen und veröffentlichte Folgendes auf der Schul-Homepage:

"Zur Zeit laufen über Facebook intensive Gerüchte, dass an der kleinen/großen COII für Freitag eine Gefahrandrohung eingegangen wäre. Nachfolgend soll der Hintergrund dieses Gerüchts kurz erläutert werden: Von Mittwoch auf Donnerstag drangen nachts alkoholisierte Jugendliche in das Schulgebäude in Weidach ein. Sie randalierten in einem Klassenzimmer, drehten dort den Wasserhahn auf und leiteten über den abgebrochenen Ablauf das ganze Wasser ins Klassenzimmer, das dann am nächsten Morgen völlig unter Wasser stand.

Auch in den Umkleideräumen der Turnhalle richteten sie ihr Unwesen an. Durch eine verschlossene Gangtür kamen die Randalierer nicht weiter. Bevor sie die Schule wieder verließen, verunstalteten sie noch das am Pult liegende Klassentagebuch mit Schmierereien und Einträgen. Neben Naziparolen und sexistischen Äußerungen wurde auch das Wort "Amok" reingeschmiert, mit dem Ziel, am nächsten Tag einfach Schüler und Lehrer zu ängstigen.

Natürlich wurde am Donnerstagfrüh sofort die Polizei informiert, die den ganzen Sachverhalt auch entsprechend aufgenommen und bewertet hat. Wie sich herausstellte, haben die betrunkenen Jugendlichen auch noch bei anderen Einrichtungen in Weitramsdorf ihr Unwesen getrieben. Mit der Polizei Coburg wurde vereinbart, dass sie am Freitag entsprechend an der kleinen als auch den großen COII einfach präsent sein wird, gerade auch um die durch die hochgespielten Facebookgerüchte besorgten und verängstigten Schüler zu beruhigen.

Freitag wird ein normaler Schultag sein!!"