Ein warmer Empfang wird es nicht, der Peter Altmaier (CDU) am Freitag beim Zwischenstopp im Rahmen seiner Netzausbaureise im Coburger Landratsamt erwartet. Die Botschaft, die der Bundeswirtschaftsminister von der versammelten und geschlossenen Kommunalpolitik übermittelt bekommen wird, fasste Christian Gunsenheimer (FW; Klimaschutzbeauftragter des Landkreises) gestern bei einem Pressegespräch im Vorfeld des Ministerbesuches zusammen: "Wir haben ein Problem mit der Art und Weise, wie Infrastrukturmaßnahmen durch das Coburger Land gepflügt werden sollen."

Lesen Sie hier, wie das Coburger Land schon einmal ein Zeichen setzte

Weil die Politiker des Coburger Land gerade mal eine dreiviertel Stunde Zeit haben werden, um mit dem Minister zu reden, müssen schnell verständliche Symbole her. 1200 kleine und 40 große Holzkreuze hat eine Arbeitsgruppe rund um Christian Gunsenheimer sowie den Bürgermeistern Tobias Ehrlicher (Bad Rodach; SPD) und Sebastian Straubel (Lautertal; CSU) in den vergangenen Tagen fertigen lassen. Geholfen haben dabei viele Ehrenamtliche. Die Kreuze werden bis Freitag in allen Kommunen des Landkreises stehen. Und weil ein Vor-Ort-Besuch offensichtlich nicht in den dichten Terminkalender Altmaiers passt, werden am Eingang und im Sitzungssaal des Landratsamtes große Fotos der Infrastrukturballung mit ICE, Autobahn und Stromtrasse bei Dörfles-Esbach hängen. "Der Minister wird die Situation immer vor Auge haben", versicherte Christian Gunsenheimer.

Aber damit nicht genug. "Wir müssen alles tun, um möglichst viel Protest kundzutun", sagte Rainer Mattern (CSU). Der stellvertretende Landrat setzt dabei auf die Bevölkerung des Coburger Landes, die dazu eingeladen ist, am Freitag in möglichst großer Zahl vor dem Landratsamt ihrem Unmut Luft zu machen. Denn aus seinen vielen Terminen, die Christian Gunsenheimer im Kampf gegen den Bau einer weiteren Stromtrasse durchs Coburger Land wahrgenommen hat, weiß der Klimaschutzbeauftragte: "Je höher der Raumwiderstand desto geringer ist die Chance, dass eine Leitung gebaut wird." Und "Raumwiderstand" heißt hier nichts anderes als: "Protest". Der Minister müsse und werde erkennen, dass hier "eine Region zusammensteht", sagte Sebastian Straubel.

Sie machen, was sie wollen

Die Argumente, mit denen die Politiker aus der Stadt und dem Landkreis Coburg den Minister von den Trassenplänen abbringen wollen, sind nicht neu. Aber sie sind auch immer noch aktuell. Bis heute ist es weder den Netzbetreibern noch dem Wirtschaftsministerium gelungen, eine wissenschaftliche Begründung für den Bau einer weiteren Stromleitung durchs Coburger Land zu liefern. Tobias Ehrlicher hat inzwischen einen ganz anderen Eindruck vom Vorgehen der Netzbetreiber wie Tennet gewonnen: "Die bauen jede Trasse, die sie kriegen können." Das alles sei eine "Farce", schimpfte der Bad Rodacher Bürgermeister, weil am Ende der Stromkunde - also die gesamte Gesellschaft - die Kosten über den Strompreis tragen müsse.

Hier lesen Sie, was die Landkreisbürgermeister von einer weiteren Trasse halten

In Coburg wird Peter Altmaier auf gut vorbereitete Kommunalpolitiker treffen. "Wir haben unseren Widerstand über Jahre hinweg aufgebaut", zeigte sich Coburgs stellvertretende Bürgermeisterin, Birgit Weber (CSU), gelassen und angriffslustig gleichermaßen. Die Tatsache, dass die Netzbetreiber bei der Suche nach Alternativen für die Monstertrassen bislang alles schuldig blieben, werde das Coburger Land nicht müde werden lassen, versicherte Weber: "Wir machen weiter. Die Aktion am Freitag wird nicht die letzte gewesen sein." Termin: Werden die Pläne des Ministers nicht zum dann mittlerweile fünften Mal geändert, dann wird Peter Altmaier am Freitag um 9 Uhr die Vertreter der Coburger Kommunalpolitik zu einer nichtöffentlichen Beratung im Landratsamt treffen.

Demo: Für Besucher des Landratsamtes stehen am Freitag kaum Parkplätze zur Verfügung. Insbesondere deshalb, weil viele Landwirte aus der Region mit Traktoren demonstrieren wollen. Wer seinem Protest Ausdruck verleihen will, sollte am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß ans Landratsamt kommen. Um 9 Uhr rechnet man dort mit der Ankunft des Ministers.