Leiter Knut Gramß hatte auch heuer wieder ein interessantes, reichhaltiges Programm von der Gregorianik bis zur Gegenwart zusammengestellt, das von seiner vierzehnköpfigen Sänger- und Instrumentalistenschar durchwegs sauber, präzise und ausdrucksvoll dargeboten wurde.

Der sorgfältig gestaltende und anfeuernde Dirigent bediente dabei auch noch gelegentlich das Tambourin und trug passend ausgesuchte Texte vor. Die wie immer drangvolle Enge in der Kapelle gehörte gleichfalls zu der stimmungsvollen Atmosphäre, die sich bereits bei den ersten Darbietungen einstellte.

"Christum wir wollen loben schon" mit schlichtem gregorianischen Beginn und sauberem Flötensatz erklang eingangs, gefolgt von zwei Kompositionen des 14. Jahrhunderts in herber früher Mehrstimmigkeit. "Sei willekommen, Herre Christ", das Motto dieser Abendmusik, wurde dreistimmig von Sängern und Instrumenten intoniert, ein zweistimmiger Kanon von Josquin des Pres von den Dulzianen.

Wie stets wurde neben der siebenköpfigen Sängerschar ein reichhaltiges Instrumentarium mit Gambe, Zink, Laute, Dulzian, Gemshorn, Krummhorn, Blockflöte, Glockenspiel und verschiedenen Schlaginstrumenten eingesetzt, das für einen abwechslungsreichen, farbigen Klang sorgte.

Üppige Wiederaufführung

Natürlich war der Namensgeber des Melchor-Franck-Kreises mit etlichen Kompositionen vertreten, die immer wieder zeigen, dass er zu den ganz Großen seiner Zeit gehört. Nach dem soliden Choralsatz "Gott Vater uns sein Sohn" beeindruckte das klangprächtige doppelchörige "Ein Kind ist uns geboren", das fünfstimmige "Puer natus" und besonders das abschließende, erst kürzlich in Krakau entdeckte zehnstimmige "Das alte Jahr vergangen ist", das an diesem Abend eine klanglich üppige erstmalige Wiederaufführung erlebte.

Natürlich waren noch andere Großmeister wie Schein, Palestrina, Sweelinck, Byrd und Finck mit exquisiten Werken vertreten. Besonders gefielen aber auch die zwei Orff-Kompositionen "Mater et filia" und "Ist gar ein schöner Garten". Es gab verdienten, lang anhaltenden Beifall und noch drei Zugaben: "Vom Himmel hoch" in Sätzen von Eccard und Franck sowie zwei Reprisen aus dem Programm.