Für Monika Dresely ist dieser Abschied vom Albertsplatz nicht leicht. Ihre Großvater Karl Weschenfelder hatte das Haus mit der Nummer 2 im Jahr 1909 erworben. Im Zuge der Sanierung der Ketschenvorstadt ist für das Gebäude eine andere Nutzung vorgesehen. "Der Name Weschenfelder wird verschwinden", sagt Monika Dresely. Zwar hatte der Laden schon seit 1974 einen anderen Pächter, aber der Schriftzug auf der Fassade war geblieben und damit für die Familie der Anspruch an Qualität.

"Mein Großvater war von Lauscha nach Coburg gekommen und hatte 1891 sein erstes Geschäft in der Heilig-Kreuz-Straße 29 eröffnet." Dann kaufte er das Haus am Albertsplatz. "Wo heute der Laden ist, war früher eine Gastwirtschaft und daneben der Laden" erinnert sich Monika Dresely. Die Schaufenster dazu existieren noch. Nachdem immer mehr Kunden in die Metzgerei kamen, wurde der Verkauf in den größeren Raum verlegt.

Im Jahr des Hauskaufs, also 1909, kam auch der Sohn Ernst zur Welt, der beim Vater in die Lehre ging, seinen Meister machte und schließlich das Geschäft übernahm. "Mein Vater war eigentlich eher ein Künstler", erzählt Monika Dresely. Sie erinnert sich, dass er oft noch nachts an seinen außergewöhnlichen Kreationen gearbeitet hat: Sülze, die aussah wie feinste Torte, und kunstvoll gestaltete Pasteten. "Sein Ruf ging über die Landkreisgrenzen hinaus bis nach Bamberg. Die Konkurrenz kam und sah sich unsere Schaufenster an." Eine Meisterleistung seien die Hirsche aus Rindertalg mit einem Innenleben aus Metall gewesen. "In der Weihnachtszeit hat er Tag und Nacht gearbeitet und in schlechten Zeiten aus Grieß und Aroma sogar Marzipan hergestellt."

Drei Töchter hatte Ernst Weschenfelder. Davon hat nur Monika im Geschäft gelernt. Doch sie orientierte sich irgendwann beruflich anders und so verpachtete ihr Vater das Geschäft 1974 an Joachim Fischer. Zwei Jahre darauf starb Ernst Weschenfelder.

1994 schließlich übernahmen Ute und Rainer Herr das Geschäft. Sie fühlten sich der Tradition der Familie Weschenfelder verpflichtet und führten die Metzgerei in ihrem Sinn weiter, wie Ute Herr versichert. 2008 hat Monika Dresely das Haus an die Stadt verkauft - die Sanierung der Ketschenvorstadt stand inzwischen auf dem Plan und die Nummer 2 ist ein Baustein des Konzepts. "Eine Metzgerei war hier nicht mehr vorgesehen", erzählt Ute Herr. Deshalb wurde dem Ehepaar gekündigt. Allerdings sei ihr Mietvertrag immer wieder um ein halbes Jahr verlängert worden, weil das Bauvorhaben noch nicht so weit fortgeschritten war, dass sie zwingend ausziehen mussten.

Umzug in die Ketschengasse 10

"Eigentlich wollten wir unser Geschäft hier in Coburg ganz aufgeben und nur noch unsere Metzgerei in Weitramsdorf behalten. Doch dann wurde kurzfristig der Laden der Metzgerei Spielmann in der Ketschengasse 10 frei." Ute und Rainer Herr haben nicht lange überlegt und sind dort gleich eingestiegen. "Wir mussten nichts machen, das ist ja ein schöner Laden." Im neuen Jahr wird dann auch ihr eigener Schriftzug angebracht.

Und wie geht es weiter mit dem Haus Nummer 2? Warum war dort keine Metzgerei mehr vorgesehen? Ganz so sei das nicht gewesen, sagt Willibald Fehn, Geschäftsführer der städtischen Wohnbau GmbH. "Wir haben mit den Herrs verhandelt, aber sie wollten nicht zwei Jahre heimatlos sein." Darum habe man ihnen die Häuser Ketschengasse 30 bis 32 angeboten. "Wir hatten schon einen schicken Plan für ein neues Geschäft, das sich über beide Häuser erstreckt hätte." Vor zwei Jahren habe die Wohnbau Rainer Herr diesen Plan vorgestellt. "Weil er aber dort nicht einsteigen und sich lieber auf sein Hauptgeschäft in Weitramsdorf konzentrieren wollte, haben wir das Ganze auf Eis gelegt", erläutert Willibald Fehn.

Nahversorger ab 2015?

Im Haus Albertsplatz 2 soll laut Sanierungsplan ein Nahversorger untergebracht werden. Das Angebot, dort die Fleischabteilung zu übernehmen, habe Rainer Herr aber nicht annehmen wollen. Auch das hätte zu lange gedauert. Dann bot sich der Laden in der Ketschengasse 10 an - auch für Willibald Fehn die beste Lösung. So bleibt die Metzgerei in der Ketschenvorstadt erhalten.

Im Frühjahr nächsten Jahres könnte mit der Sanierung des Hauses am Albertsplatz begonnen werden. Willibald Fehn rechnet damit, dass es 2015 in der vorgesehenen Weise genutzt werden kann. Dass der Familie Herr schon frühzeitig gekündigt wurde, habe einen praktischen Grund: "Die Gewerbetreibenden können sich besser auf die neue Situation einstellen", sagt der Wohnbaugeschäftsführer.

Ein bisschen bange ist Monika Dresely vor dem Umbau des Hauses. "Was wird aus der Fassade aus echtem Marmor und was aus den zwei Wohnungen, die sich in einem sehr guten Zustand befinden?" Willibald Fehn kann dazu noch nichts Konkretes sagen. Aber: "Wenn möglich, erhalten wir die historischen Fassaden."