Das Programm liest sich wie ein Angebot für anspruchsvolle Touristen mit Sinn für kulturell interessante Metropolen: Bagdad und Paris, Wien und Florenz. Und ganz zum Schluss wartet noch ein Besuch in der Unterwelt auf den Spuren von Jacques Offenbach und seiner Sicht auf den Orpheus-Mythos. Für sein Neujahrskonzert hat sich der "Musizierkreis gehobener Unterhaltungsmusik Volksmusik Neustadt" eine abwechslungs- und melodienreiche Vortragsfolge ausgewählt.


Neujahrskoonzert am 14. Januar in der Mehrzweckhalle


Beim Probenbesuch im Kulturhaus am Schützenplatz zeigt sich der Musizierkreis schon gut vorbereitet auf seinen Auftritt am 14. Januar in der Mehrzweckhalle Heubischer Straße. Zum Auftakt liegt der "Kalif von Bagdad" von Francois-Adrien Boieldieu auf den Notenpulten. Die Oper selbst ist in Deutschland zwar längst von den Spielplänen verschwunden, die Ouvertüre jedoch zeigt das Gespür des Komponisten für gesangliche Melodien und lebendigen Rhythmus. Am Dirigentenpult achtet Norbert Luche darauf, dass sich der Charme und der Schwung dieser Musik entfalten können. "Ab Buchstabe Q ziehen war das Tempo noch mal richtig an", sagt Luche und gibt klare Impulse: "Wir müssen darauf achten, dass es immer vorwärts geht bis zum Schluss."


"Servus Wien"

Von Emile Waldteufels Walzer "Tous Paris" bis zum "Florentiner Marsch" von Julius Fucik, von der charmanten musikalischen Plauderei namens "Babillage" von Érnest Gillet bis zum Hit-Cocktail "Servus Wien" im Arrangement von Nico Dostal spannt sich der Bogen. Die bunte Auswahl an Noten, die auf den Pulten liegt, stammt komplett aus dem vereinseigenen Musikalien-Archiv. "Das ist ein richtiger Fundus", sagt Christine Luche, die nicht nur bei den Konzerten des Musizierkreises seit vielen Jahren die Moderation übernimmt, sondern zudem als Notenwart agiert.


Mindestens 1200 Werke lagern in diesem Archiv, schätzt sie und blättert durch die Bestandsliste. Hier finden sich viele Hits bekannter Komponisten neben Werken von Tonsetzern, die längst in Vergessenheit geraten sind. Märsche und Walzer, Potpourris und Intermezzi, dazu Operetten-Arien und kleine instrumentale Solostücke bieten ein fast unerschöpfliches Reservoire für immer neue Programme.

"Wir haben einige Bestände kleinerer Kapellen aufgekauft, aber auch viele Noten geerbt", erklärt Christine Luche die Entstehung des Musizierkreis-Archivs, das immer wieder Material liefert für interessante Programme.


Diese abwechslungsreichen Programme mit ihrer Mischung aus bekannten und weniger bekannten Komponistennamen sind sicher auch ein Grund, warum der Musizierkreis längst nicht nur in Neustadt Mitstreiter findet. Rund ein Drittel der Musizierkreis-Mitglieder lebt in Neustadt, die anderen Instrumentalisten kommen aus Coburg und Kronach. Aber nicht nur geografisch ist der Musizierkreis breit aufgestellt.


Profis musizieren mit Laien

Schließlich sitzen bei der Probe erfahrene Laienmusiker neben echten Profis wie Andreas Rohse, der im Philharmonischen Orchester des Landestheaters Coburg bei den 1. Geigen spielt, oder Dietmar Engels, Solo-Kontrabassist des Landestheaters. Sie alle verbindet die Freude an einer Art von Musik, wie sie sich inzwischen nur noch selten auf Konzertprogrammen findet.


Denn wo sonst kann man heute noch einen Walzer wie Carl Michael Ziehrer "Nachtschwärmer" oder Ludwig Siedes Marsch "Fortuna" hören?


Die Geschichte eines besonderen Kammerorchesters



Konzert-Tipp Neujahrskonzert "Musizierkreis Neustadt", Leitung : Norbert luch, Moderation: Christine Luche - Samstag, 14. Januar 2017, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Heubischer Straße

Karten-Vorverkauf Buchhandlung Riemann in Coburg, Schuh-Fachgeschäft Mechtold in Neustadt (Vorverkauf: 12,50 Euro, Abendkasse: 14 Euro)

Musizierkreis Hinter dem Namen "Musizierkreis gehobener Unterhaltungsmusik - Volksmusik Neustadt" (seit 2001) steht die Geschichte eines Klangkörpers, der schon viele Veränderungen erlebt hat seit der Gründung im Jahr 1882. Damit zählt der "Musizierkreis" zu den traditionsreichsten Kulturträgern in der Puppenstadt. Die Keimzelle des heutigen Ensembles war der "Zitherclub Neustadt", aus dem 1912 der "Zitherverein Neustadt" hervorging. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein in "Volksmusik Neustadt" umbenannt. Die musikalische Leitung des Ensembles liegt seit dem Jahr 1982 in den Händen von Norbert Luche.