Leises Gemurmel dringt vom Weihnachtsmarkt hinauf ins Caféchen der Buchhandlung Riemann. Schauplatz Coburg. Heimspiel für die Schriftstellerin Sabine Friedrich gleich in mehrfacher Hinsicht, Heimspiel für die Lese-Premiere ihres dickleibigen neuen Romans: "Epilog mit Enten".


Noch ein letzter Griff an die Brille, dann kann sie beginnen - die Erinnerungsreise zwischen Fakten und Fiktion. Sabine Friedrich lächelt ins Publikum, in dem viele Bekannte sitzen. Auch Friedrichs Lektorin hat den Weg zur Buchpremiere in die Vestestadt gefunden. Und in der ersten Reihe: Friedrichs Tochter, die im neuen Roman ihrer Mutter unübersehbar Spuren hinterlassen hat: Von ihrer Tochter stammt die Silhouette einer Ente, die immer wieder über die Seiten fliegt.


Sylvie aus Coburg

Die Geschichte einer unmöglichen, einer gescheiterten Liebe. Eine Geschichte, die mit einem Epilog beginnt. Die Geschichte einer 18-Jährigen aus Coburg, die sich in einen 25-jährigen kleinen Dealer verliebt, den sie 1976 in einem Club in Berlin kennen lernt. Friedrich erzählt diese Geschichte auf mehreren ineinander verschränkten Zeitebenen. Zwischen den 70er Jahren und der Gegenwart pendelt sie schreibend, zwischen Coburg und Berlin, zwischen der einstigen kleinen Residenzstadt an der Itz und der pulsierenden Metropole an der Spree, zwischen Venedig und Kabul.


Reichlich Coburger Lokalkolorit


Wer Lokalkolorit liebt, kommt als Coburger in Friedrichs neuem Wälzer durchaus auf seine Kosten, kann in Erinnerungen an Geschäfte schwelgen, die es schon längst nicht mehr gibt, auch wenn sie einst nur 20, 30 Meter von der Buchhandlung Riemann entfernt waren: Elektro Trommer mit einer übersichtlich sortierten Schallplatten-Abteilung.


Zwischen Fakten und Fiktion


Das kleine Coburg und die große weite Welt - sie verschränken sich in Sabine Friedrichs Leben wie in ihrem jüngsten Roman. Doch das weite Feld zwischen Fakten und Fiktion darf jeder Leser selbst ausmessen, wenn er den Spuren von Sylvie und Gabriel nach Indien, Pakistan und Afghanistan folgt - immer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.


"Der Weg zu uns selbst"

Zwischen den geschickt ausgewählten Abschnitten, die sie vorliest, sinniert die Autorin plaudernd über die wechselnden Sehnsuchtsziele der Generationen. Was aber werde, im Rückblick betrachtet, dermaleinst als Sehnsuchtsziel der heute lebenden Menschen gelten?

"Der Weg zu uns selbst", meint Friedrich. Darüber werde man in 20, 30 Jahren erzählen. Und darüber, wie Menschen über das Mittelmeer gekommen sind und versucht haben, hier ein neues Leben aufzubauen. "Was ist Heimat", fragt Friedrich und liefert gleich die Antwort mit: "Die Sehnsucht nach Geborgenheit."



Aus dem Leben einer Autorin



Sabine Friedrich, 1958 in Coburg geboren, studierte Germanistik und Anglistik und promovierte 1989 in München. Seit 1996 lebt sie mit ihrer Familie wieder in Coburg.

Veröffentlichungen Sabine Friedrichs erster Roman "Das Puppenhaus" wurde 1997 veröffentlicht. Weitere Romane folgten, darunter "Familiensilber" (2005) und "Immerwahr" (2007). Im Jahr 2012 erschienen Sabine Friedrichs umfangreicher Roman über den Deutschen Widerstand "Wer wir sind" sowie ihr "Werkstattbericht" über die Entstehung dieses Romans.

Buch-Tipp "Epilog mit Enten", Roman, 592 Seiten, gebunden, 24 Euro,, dtv Verlag, München, 2016