Warum denn nicht gleich so? Heidrun Mücke war von den Ergebnissen der Schallnachmessungen zum Windpark nicht überrascht: Die Anlage verursacht mehr Lärm als ihr im Genehmigungsbescheid durch das Landratsamt Coburg zugebilligt wurde. Und trotz allem Ärger gab es von Mücke am Donnerstagabend bei der Bürgerinformation im Landratsamt auch ein Lob: Es sei gut, dass die Firma "Naturstrom" und das Landratsamt auf die Bürger rund um den Kraiberg zugegangen seien. "Denn unser Leben war kein Spaß mehr", sagt Heidrun Mücke mit Blick auf die Lärmbelastung durch den Windpark.
Nun soll alles besser werden. Weil die Messungen durch die Firma "Windtest" eine Überschreitung der Grenzwerte zeigten, hat das Landratsamt sofort eingegriffen: Per Bescheid hat "Naturstrom" mitgeteilt bekommen, dass sich die Windräder nicht mehr schneller als mit 9,7 Umdrehungen pro Minute drehen dürfen. Das ist deutlich weniger als technisch möglich und auch die höchste Leistung bringen würde.
Landrat Michael Busch (SPD) nutzte die ersten Minuten der Bürgerinformation, um den rund 30 Besuchern gegenüber Klartext zu reden. Dass ihm und den Mitarbeitern des Landratsamtes im Umgang mit den Beschwerden unterschwellig Klüngelei unterstellt wurde, wollte Busch nicht unkommentiert lassen: "Wir haben die Ängste, Sorgen und Empfindungen ernst genommen."


"Naturstrom" hat ein Problem

Dass "Naturstrom", wie der Landrat verriet, "nicht erfreut" über die Festlegungen durch das Landratsamt war, konnte man Christoph Ströer durchaus anmerken. "Der finanzielle Schaden ist nicht unerheblich", sagte der Geschäftsbereichsleiter für Energieinfrastruktur bei "Naturstrom" angesichts der reduzierten Drehzahlen, die bereits seit dem 7. Dezember eingehalten werden. Für den Beginn nächster Woche hat "Naturstrom" eine weitere Messreihe in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse will der Windparkbetreiber dann Anfang des Jahres öffentlich vorstellen will.
Für die anstehenden Messungen, das zeigte der Info-Abend im Landratsamt deutlich, haben die Bieberbacher, Ober- und Mittelwasunger noch jede Menge Ideen. So waren akustische Effekte in Dreiseit-Höfen genau so ein Thema wie Lärm, der innerhalb geschlossener Räume deutlich lauter als außerhalb wahrgenommen wird. Als sich die Zahl der Wünsche, Anregungen und potenziellen Messpunkte dann fast überschlagen wollte, sah sich Christoph Ströer dazu veranlasst, ein bisschen auf die Bremse zu treten, "Wir sind ziemlich weit gegangen", ließ der Geschäftsbereichsleiter wissen und bat die Anwohner um Geduld. "Naturstrom" wisse, dass es am Kraiberg ein Problem habe. Man müsse dem Unternehmen aber auch die Möglichkeit geben, nach Lösungen zu suchen. Ironie am Rande: Angesichts der derzeitigen Witterung stehen die Windräder seit Tagen still. "Ein Traum" sei das, sagte Yvonne Engel dazu.


Windpark Kraiberg: eine Chronik

Oktober 2014: Bei einer Bürgerversammlung wird das Projekt vorgestellt.

Sommer 2016: Die Bauarbeiten beginnen, Bürgermeister Michael Keilich berichtet erfreut vom problemlosen Verlauf des Projektes.

September 2016: Nachdem die fünf Anlagen allmählich ihren Betrieb aufnehmen, kommen erste kritische Stimmen; Strömungsgeräusche an den Rotoren und ein konstantes Brummen werden von den Anwohnern beklagt.

15. Oktober:
"Naturstrom" gibt bekannt, dass es gemeinsam mit dem Landratsamt Messungen durchführen wird. Termin: 19./ 20. Oktober.

21, November: Nach Meinung der Anwohner der lautrste Tag seit Inbetriebnahme. Messprotokolle zeigen, dass die Rotoren bei über zwölf Umdrehungen in der Minute Maximalleistung erbrachten.

2. Dezember: Das Landratsamt erlässt einen Bescheid mit einer maximalen Zahl von 9,7 Umdrehungen pro Minute.