Das Amtsgericht sieht keine Fehler des Anwalts.
Auch im zweiten Verfahren ist der Mann aus dem Landkreis Coburg vor dem Amtsgericht unterlegen. Mit seiner Schadensersatzklage und Argumentation gegen seinen Anwalt aus einem vorangegangenen Verfahren konnte er sich nicht durchsetzen.

Der Verkündungstermin am Freitag war so kurz wie knapp: Die Klage wurde abgewiesen, die Kosten des Verfahrens hat der Kläger zu tragen, eine Begründung gibt es schriftlich.
Der Kläger hatte sich in dem ersten Verfahren - dabei stand immerhin eine Summe von rund 370.000 Euro zur Diskussion - von dem Juristen falsch beraten gesehen. Nun forderte der Mann, der Anwalt solle doch die Prozesskosten aus diesem Verfahren tragen. Dies sind 3654 Euro. Jedoch kam die Amtsrichterin zu einem anderen Schluss, zum völligen Unverständnis des Klägers.

Im August vergangenen Jahres hatte der Rentner von einem Schuldner das Geld zurückgefordert, welches er im Laufe vieler Jahre verliehen hatte. Dabei wurden jeweils Darlehensverträge geschlossen. 1987 gewährte der Landkreis-Bürger zum ersten Mal ein Darlehen von 20.000 D-Mark, Anfang 1991 dann 208.000 D-Mark und schließlich bekam der immer selbe Empfänger nochmals 14.000 Euro geliehen. Die verliehene Summe addierte sich mit Zinsen auf rund 370.000 Euro.


Freigiebig und gutgläubig

Aber der so freigiebige wie gutgläubige Darlehensgeber erhielt nie etwas zurück, selbst dann nicht, als er 2010 schriftlich und persönlich die Rückzahlung forderte. Sogar mit "Moskau-Inkasso" drohte er. Soll heißen, er würde dem Schuldner zwielichtige und gewaltbereite Menschen auf den Hals hetzen. In einem der Briefe vom November 2011 an den Schuldner tauchte der Satz auf, "ich habe den Vertrag mit Dir gekündigt".

Damit begann aber auch die dreijährige Verjährungsfrist, stellte das Amtsgericht in einem Verfahren im Sommer vergangenen Jahres fest. 7500 Euro statt der geforderten 370.000 Euro erhielt der Kläger damals zugesprochen.
Der beklagte Anwalt hatte bereits erklärt, 2014 mit der Angelegenheit beauftragt worden zu sein und nach der Durchsicht der Unterlagen auf das "Problem der schon eingetretenen Verjährung" hingewiesen zu haben. Die Erfolgsaussichten schätzte der Jurist nach eigenen Worten schon damals "als gering" ein. Denn nach Ansicht des Anwaltes beinhaltete ein Schreiben von 2010 schon die Kündigung der Darlehensverträge und damit habe die Verjährungsfrist begonnen. Diese habe der Kläger verstreichen lassen und habe sich zu spät um rechtlichen Beistand gekümmert und zu spät ein Zivilgerichtsverfahren angestrengt.