Martha Remmert? Selbst kulturbeflissene Coburger kennen den Namen nicht. Auch Stadtheimatpfleger Hubertus Habel hat noch nie von ihr gehört. Dabei war sie zu Lebzeiten eine berühmte Frau, eine Schülerin von Franz Liszt und eine gefragte Pianistin, nicht nur in Europa, sondern auch in der Türkei und in Ägypten. Martha Remmert verbrachte ihre fünf letzten Lebensjahre in Coburg, genauer gesagt, in Neuses. Dort starb sie 1941 im Alter von 87 Jahren und wurde auf dem Friedhof von St. Matthäus beigesetzt. Allein, ihr Grab ist nicht mehr auffindbar. Und sicher hätte niemand wieder nach ihr gefragt, wäre nicht Dieter Nolden aus Bielefeld im Rahmen seiner Familienforschungen auf sie gestoßen.
Seit Jahren arbeitet er an der Biografie von Martha Remmert und hat eine Menge Material über sie zusammengetragen. Was ihm fehlt, ist die letzte Ruhestätte der Liszt-Schülerin. "Es ist so, als wenn sie in Neuses nach der Trauerfeier für immer verschwunden wäre", sagt er. Seine Anfragen bei der Gemeinde St. Matthäus in Neuses brachten ihn nicht weiter. "Im Kirchenbuch ist zwar verzeichnet, dass Martha Remmert am 28. Januar 1941 auf dem Friedhof Neuses begraben wurde, eine genaue Grabbezeichnung ist aber nicht eingetragen."

Grabstelle eingeebnet


Dieter Nolden vermutet, dass sie neben ihrer Schwester, Margarethe Benda, beigesetzt wurde. "Das wäre die heute eingeebnete, aber leicht lokalisierbare Benda-Grabstätte Reihe 11, Nummer 14. Diese Grabstätte gab es noch 1964, wurde aber später eingeebnet und ist heute eine freie Rasenfläche", erläutert Dieter Nolden. Er sucht nun nach Zeitzeugen, Historikern, einem Bestatter oder Steinmetz, die ihm weiterhelfen könnten. Seine Forschungen bei verschiedenen Coburger Ämtern und im Landeskirchenamt in Nürnberg ergaben nur, was er schon wusste: Martha Remmert wurde in Neuses beigesetzt. Im Tageblatt aus dem Jahr 1941 fand er zwei Texte als eine Art Nachruf auf "eine der letzten persönlichen Schülerinnen des großen Klaviermeisters Franz Liszt". Im Text vom 30. Januar 1941 heißt es unter anderem: "Riesige Kränze der Franz-Liszt-Gesellschaft und des ausgedehnten Schülerkreises unserer in allen europäischen Musikzentren durch ihre überragenden Leistungen bekannten und nicht zum wenigsten durch ihre hervorragenden menschlichen Eigenschaften geliebten Meisterin zierten die letzte Ruhestätte der uneigennützigen Wohltäterin vieler junger deutscher Musikbeflissener."
Am 4. August 2013 jährt sich Martha Remmerts Geburtstag zum 160. Mal. Bis dahin möchte Dieter Nolden seine Biografie veröffentlichen. Doch nicht nur für ihn dürfte dieses Datum bedeutsam sein. Möglicherweise schauen dann auch Liszt-Liebhaber und -Kenner nach Coburg. Wie gut wäre es, wenn dann ihre Grabstätte bekannt und auch sichtbar gemacht wäre, findet der Autor.

Liszt-Gesellschaft gegründet


Was hat er über diese bemerkenswerte Frau ansonsten herausgefunden? Auf einem königlichen Gut in Schlesien geboren, brachte ihr die Mutter das Klavierspielen in den Grundzügen bei. Die Großeltern, die in Berlin lebten, finanzierten ihr eine professionelle Klavierausbildung. Bei einem Vorspiel lernte sie Franz Liszt kennen, der sie einlud, ihn in Weimar zu besuchen. Martha wurde seine Schülerin. Ihre Familie lebte ab 1971 in Weimar.
Im Alter von 21 Jahren gab die junge Pianistin schon Konzerte in London, Helsinki, Stockholm, Oslo, Kopenhagen, St. Petersburg, Riga, Warschau , Lausanne, Genf, Wien, Prag, Budapest, Bukarest, Istanbul und Kairo. Nach dem Tod von Franz Liszt (1886) wechselte Martha Remmert von Weimar zurück nach Berlin, gründete 1900 eine Franz-Liszt-Akademie für modernen Musikunterricht und 1905 die weltweit erste Franz-Liszt-Gesellschaft.
1936 flüchtete sie vor den Nationalsozialisten aus Berlin und kam zu ihrer Schwester Margarethe nach Neuses. Sie war Sängerin und Bühnengestalterin und mit dem Intendanten der Theater Coburg und Gotha, Oskar Benda, verheiratet, der 1915 bereits verstorben war. Die Schwestern lebten in der Benda-Villa in der Glender Straße 2. Das Haus steht heute noch. 1940 verstarb Marthas Schwester Margarethe und wurde neben ihrem Mann beigesetzt.
Während ihrer Zeit in Neuses war Martha Remmert, obwohl schon über 80 Jahre alt, nicht untätig. Sie schrieb ihre Erinnerungen an Konzertreisen und das Leben mit Franz Liszt auf und bearbeitete ein Drehbuch für einen Film über den Meister. In der Chronik "700 Jahre Coburg-Neuses" ist eine Seite der Pianistin gewidmet.

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