Für Beate Kastner aus Breitenau, die nun schon zum dritten Mal mitgewandert ist, bleibt der 3. Oktober ein besonderer Tag. "So eine grenzübergreifende Wanderung verbindet, man spricht miteinander und teilt die Erinnerungen daran, wie es war, als hier die Welt zu Ende war. Für uns und für die Thüringer." Über 200 Wanderfreunde aus Thüringen und Franken trafen sich am Montag in Heldburg zum 20. Fränkisch-thüringischen Wandertag anlässlich des Tages der deutschen Einheit. Organisiert wurde der grenzenlose Wandertag diesmal von der Initiative Rodachtal in Kooperation mit der Therme Natur sowie den zur Initiative gehörenden Kommunen.


Der Todesstreifen

Rund zwölf Kilometer führte die Wanderung von Thüringen nach Franken, ein gutes Stück auch entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Am Hohen Stein, erzählt Wanderführer Thomas Kirchner vom SV Eintracht Heldburg, Abteilung Wandern, wurde Halt gemacht und an den einstigen Todesstreifen erinnert.


Gäste aus nah und fern

Unter den Wanderern waren auch zwei US-Amerikaner. Terrince Durbin und Ira Essoe sind nicht nur leidenschaftliche Wanderer, sie genießen auch die herrliche Natur in der Region und das Flair inmitten der Wanderfreunde aus Thüringen und Bayern. Ganz neu sind ihnen diese grenzenlosen Wanderungen nicht. In den vergangenen Jahren waren sie von Neustadt nach Sonneberg unterwegs, von Heldburg nach Gauerstadt und von Streufdorf nach Bad Rodach. Ein Stück Geschichte sei das, sagt Terrince und hat in Rainer Möbus aus Bad Rodach einen Gesprächspartner gefunden, der viel zu erzählen hat.

Uwe Brückner aus Ahorn verbindet noch ganz andere Erinnerungen mit der Zeit der Teilung. Er war hier an der einstigen Grenze als Grenzpolizist stationiert gewesen und hat hautnah erlebt, was diese Grenze bedeutete. Gleich nach der Wende, erzählt er, habe er hier in der Nähe auf der Wiese ein Gompertshäuser Ehepaar angetroffen, die mit dem Trabbi unterwegs waren und sich nicht mehr zurechtfanden. Bis heute hat sich diese Bekanntschaft erhalten.


Tiefsinnige Tradition

Mit der Organisation dieses Fränkisch-thüringischen Wandertags tritt die Initiative Rodachtal in die Fußstapfen von Jutta Schmidt und dem Tourismusverein. Sowohl Martin Finzel, Vorsitzender der Iniative Rodachtal, als auch Gabi Arnold, die neue Geschäftsführerin, zeigten sich am Tag der deutschen Einheit beeindruckt von der großen Resonanz. Mit 100 Teilnehmern hatte man schon gerechnet, aber dass sich schließlich über doppelt so viele angemeldet hatten und noch ein Bus nachgechartert werden musste, war eine positive Überraschung.
Am Einheitstag gemeinsam zu wandern, so Finzel, der auch Bürgermeister von Ahorn ist, sei eine schöne und tiefsinnige Tradition geworden. Im nächsten Jahr, verspricht er, werde es auch wieder den Marathon geben.
Coburgs Landrat Michael Busch (SPD), neben seinem Pendant aus Hildburghausen, Thomas Müller, einer der Schirmherren, nannte es ein Symbol der Einheit, sich zu treffen und einen Weg zu wandern, der früher durch Stacheldraht getrennt war und sozusagen im Niemandsland lag. Bei Musik, Bratwürsten und Bier - natürlich Zweiländersud - wurde noch viel erzählt an diesem Tag. Auch Jutta Enders und Regine Blechschmidt aus Hildburghausen hatten an einem der Tische Platz genommen. "Menschenverbindend", sagt Regina Blechschmidt, "ist so eine Wanderung. Wir sind unterwegs mit vielen Menschen ,von hüben und drüben‘ ins Gespräch gekommen. Schön, dass wir das erleben durften." Bärbel und Michael Altmann sind aus Eishausen hergeradelt und freuen sich wie in jedem Jahr über diesen für sie besonderen Feiertag. Und gemeinsam wurden dann das Rennsteiglied und das Frankenlied geschmettert.