Selbstgebastelte Puppenstuben und Kaufläden, original nachgebaut und komplett eingerichtet: Im Neustadter Museum der Deutschen Spielzeugindustrie wurden diese Kinderträume bei der Miniaturbörse "Im Kleinen ganz groß" wieder lebendig. Zahlreiche Aussteller von überallher waren nach Neustadt gereist und brachten die Kinderwelt von früher im Maßstab 1:12 mit. Dort war alles zu bekommen, was man unbedingt für seine Puppenstube brauchte.


Kein Detail fehlte

Glänzende Augen hatte am Sonntag auch Brigitte Schmidt. Die Coburgerin schwelgte in Kindheitserinnerungen und war entzückt. Stundenlang bewunderte sie die faszinierende Welt der naturgetreu nachgebauten Puppenzimmer. Möbel, Küchen mit Omas nostalgischem Kochherd, gedeckte Tischchen mit Geschirr und köstlichen Speisen darauf, Zimmerpflanzen, verspielte Gardinen, sämtliche Wohn-Accessoires schmückten die Miniaturstuben bis ins kleinste Detail. "Da steckt so viel Liebe drin, sogar mit passenden Tapeten. Ich habe mich richtig in meine Kindheit versetzt gefühlt", schwärmte Brigitte Schmidt. Sie hatte früher eine Puppenstube, die der Vater einst für sie gebastelt hat. "Aber wo diese abgeblieben ist, weiß niemand", sagte Schmidt. Aber die Erinnerungen daran seien geblieben. "Damals war es noch üblich, dass man nur an Weihnachten damit spielte. Es hatte keine Kinderzimmer gegeben, in denen das Spielzeug das ganze Jahr über bereitstand", erzählte Schmidt. Nach Weihnachten verschwand die Puppenstube wieder. Neu eingerichtet und mit neuen Kleidern für die Püppchen, wurde sie dann an Weihnachten wieder aufgestellt. "Wir Kinder erfreuten uns wieder ein paar Winterwochen lang, bis die Puppenstube wieder fort war. So war das damals."


Grünes für den Puppenbalkon

Bei dem vielfältigen Angebot der Börse fiel die Entscheidung nicht leicht, und überall wurden wieder Sachen von früher entdeckt, zum Beispiel die kleine Schneiderei mit den winzigen Zwirnrollen oder die Mini-Floristik mit Blümchen für den Puppenbalkon.

Aus Münster brachte Puppenkünstlerin Gisela Scheper ihre Schätze mit: Kleine Ballerinas erwachten in ihren Händen zum Leben und wurden mit romantischem Tutu und Ballettschühchen angekleidet. Die Münsteranerin erzählte, sie habe ihr Hobby von ihren Eltern geerbt. "Das war immer meine Welt", sagte sie am Sonntag. Sie stellt Künstlerpuppen her, Miniaturen eher nebenbei.

Ein Heimspiel im Museum hatte "Caco", die Neustadter Firma Fritz Canzler. Seit 110 Jahren fertigt das Familienunternehmen handgearbeitete Puppen und Spielzeug in Deutschland.
Unikate bot Gerda Brändler aus Würzburg an. Sie ist keine gelernte Modistin und trotzdem zaubern ihre Hände die schicksten Hutkreationen im Miniformat.
Liselotte Konopka aus Nürnberg breitete gleich einen ganzen Bauernmarkt mit Miniobst und -gemüse aus.


Große Bastelkunst

Sabine Gerst war mit ihrer Tochter Angelika aus der Nähe von Pforzheim erstmals nach Neustadt gekommen und vom Museum begeistert. "Ich hatte schon als Kind eine Puppenstube und habe schon immer etwas gebastelt", erzählte sie. Sie habe Kurse belegt und sich das Know-how der Bastelkunst angeeignet. Im Wohnzimmer der Familie Gerst stehen, wie zu erfahren ist, sechs Puppenstuben, und der Ehemann frönt seinem Eisenbahn-Hobby. Ursula Lempelius aus Halle/Westfalen reist öfters ins Neustadter Museum zu Ausstellungen. Textile Miniaturen und Stickereien sind ihre Leidenschaft. Die filigransten Sachen gelingen ihr, wie ihre Dekoration des kleinen weihnachtlichen Wohnzimmers. Lempelius hat eine Erklärung dafür, warum ihre Kunst so bewundert wird: "Man kann die Besucher nicht dazu bewegen, das alles auszuprobieren, was sie hier sehen. Die jungen Leute lernen nicht mehr dieses Werkeln und Handarbeiten wie wir früher in der Schule. Sie sind heute anders kreativ."


Winziges aus Metall

Aus Neckarsulm kam Hans-Jürgen Seitz mit seiner Frau erstmals als Aussteller nach Neustadt. Metall-Miniaturen wie Herde, Öfen, Beschläge, Christbaumständer und Puppenstubeneinrichtungen waren bei Familie Seitz zu bekommen.
Ferner wurden auf der Börse Scherenschnitte, geflochtene Mini-Körbchen, Plüschtiere, winzige Bücher, Kleidung und vieles mehr für die zauberhafte Puppenstubenwelt geboten. Die Resonanz war jedoch nicht so groß, wie erwartet worden war.