Normalerweise ist die Grube hinter dem alten Feuerwehrhaus in Dörfles-Esbach dafür gedacht, bei heftigem Niederschlag das Wasser aufzufangen und so eine Überschwemmung zu verhindern. Doch einmal im Jahr wird sie absichtlich mit Wasser befüllt, wenn die Gemeinde zur Ortsmeisterschaft im Eisstockschießen einlädt. Fast wie beim Curling gilt es, den Turnierstock treffsicher über die Eisfläche in eine aufgezeichnete Zielscheibe schlittern zu lassen.

In etwa 60 Teilnehmer versuchten sich am Sonntag an der vor allem im Alpenraum verbreiteten Sportart. Unter ihnen waren auch Monika Hackert und ihre Enkelin Mia. "Im Sommer haben wir das schon auf Asphalt gespielt, deshalb wollten wir das jetzt auch mal auf einer Eisfläche ausprobieren", erzählte Monika Hackert. Zudem sei Mias Opa ohnehin als freiwilliger Helfer eingeplant. "Er schreibt die Ergebnisse auf und hilft dann bei der Auswertung", erklärte sie.


"Ich war sogar besser als die Oma"

Die siebenjährige Mia sagte, sie habe sehr viel Spaß gehabt. "Mir gefällt einfach alles hier", erklärte sie. Sie sei sehr stolz auf ihre Leistung im Eisstockschießen. "Ich war sogar besser als Oma", erzählte sie strahlend.
Felix, zwölf Jahre alt, ist mit der ganzen Familie bei der Ortsmeisterschaft vertreten. "Wir haben von Freunden den Tipp bekommen, dass das richtig viel Spaß macht und wir es auch mal ausprobieren sollten", sagte er. Vorher habe er so etwas noch nie gespielt. "Aber ich habe das mal im Fernsehen gesehen", erzählte er. In seiner Freizeit mache er gerne Sport. "Ich bin im Schwimmverein und überlege, ob ich im Frühling noch Leichtathletik oder Tischtennis dazunehmen möchte." Das Eisstockschießen gefalle ihm sehr gut. "Am Anfang war es etwas schwierig, den Schwung richtig einzuschätzen, aber bei den letzten Würfen hat das bei mir gut geklappt", sagte er.

"Man muss Richtung und Schwung richtig abmessen, doch es gehört auch ein bisschen Glück dazu", weiß Erich Körger. Er war schon zum zweiten Mal mit dabei. In der Zeitung habe er von der Meisterschaft gelesen und sich sofort entschlossen, auch teilzunehmen. "Ich bin gerne an der frischen Luft, da nehme ich solche Aktionen gerne mit", sagte er. Doch nicht nur der Sport an sich mache ihm Spaß. "Ich finde es auch schön, dass man zusammen mit den Nachbarn etwas erleben kann", erzählte er.


"Einfach mal ein bisschen herumprobiert"

Michael Roschlau hat über die Feuerwehr vom Eisstockschießen erfahren. "Meine Kollegen helfen mit, da dachte ich, ich könnte es auch mal versuchen", sagte er. Da er den Sport zum ersten Mal mache, habe er keine bestimmte Taktik verfolgt. Roschlau: "Ich habe einfach ein bisschen herumprobiert, bis es dann gepasst hat. Ich finde die Idee einfach super."

Vor etwa 25 Jahren habe man im Ort das erste Mal ein Stockschießen veranstaltet, erklärte Bürgermeister Udo Döhler (UBV). Der Österreicher Otto Deutsch habe den Sport aus der Heimat mitgebracht und in Dörfles mit etabliert. "Er hatte Turnierstöcke, die unten mit Kunststoff beschichtet waren. So kann man sie auf Asphalt und Eis benutzen", so Udo Döhler. Die Grube hinter dem alten Feuerwehrhaus sei nicht immer schon Austragungsort gewesen. Döhler: "Früher konnten wir es in der Tongrube austragen, doch da die Winter nun immer wärmer werden, ist das leider nicht mehr möglich."


Spontane Aktion

Die diesjährige Ortsmeisterschaft habe man recht spontan auf die Beine gestellt. "Am Donnerstag war die Eisfläche noch zu wellig, da mussten wir fünf Zentimeter Wasser auffüllen und abwarten, ob das dann noch richtig gefriert", erzählte Döhler.

Erst am Freitag stand dann fest, dass das Eisstockschießen stattfinden kann. "Wir haben es dann sofort in unser Gemeindeblatt gedruckt und ich habe versucht, noch viele Leute über Facebook zu mobilisieren", sagte Döhler. Am meisten freue er sich darüber, dass die freiwillige Feuerwehr sich spontan zum Helfen bereiterklärt habe.