Gute Nachricht für die Einwohner des Itzgründer Gemeindeteils: Sie haben, was die Belastung durch Lkw-Verkehr betrifft, die schlimmste Phase beim Bau des "Bürgerwald"-Windparks überstanden. "Der Bau der Fundamente ist abgeschlossen", informiert Projektleiter Martin Demmeler, während er mit Bürgermeister Werner Thomas (SPD) und Gemeindegeschäftsleiter Dieter Scherbel einen seiner regelmäßigen Rundgänge über die Windpark-Baustelle macht. "Irgendwas zwischen 700 und 800 Lkw-Transporte", fasst Demmeler überschlägig zusammen, "dürften für die Fundamente notwendig gewesen sein".
Und was kommt jetzt? Jetzt werden die vier Windkraftanlagen gebaut. Jeweils bis zur Nabe 139 Meter hoch, mit großen dreiflügeligen Rotoren (117 Meter Durchmesser). Sehr speziell und sehr spektakulär werden die dafür notwendigen Transporte der Bauteile werden, weiß Demmeler, der für "Green City Energy", den von der Gemeinde ausgesuchten Betreiber der Anlage, arbeitet. Bis zu 70 Meter lang sind zum Beispiel die Gespanne, auf denen die großen Rotorblätter angeliefert werden. Etwa 120 Sondertransporte dürften noch kommen, der Termin für die erste Sonder-Tour hoch zum "Bürgerwald"-Windpark steht sogar schon fest: Montag, 17. Oktober.
Mit dem Bau der Fundamente hat der Windpark nach Aussage Demmelers "eine kritische Phase" überstanden. Denn gerade, wenn die 20 Meter im Durchmesser und 3 Meter in die Tiefe reichenden Fundamente gegossen werden, darf es keine Unterbrechungen geben. Diese Information erklärt für Dieter Scherbel einiges, denn der Gemeindegeschäftsleiter hat schon mitbekommen, dass manchmal nachts um 4 Uhr die ersten Betonmischer aus Untersiemau (von der Firma Angermüller) kommend durch Welsberg gerollt sind. Beschwerden, wirft Werner Thomas aber gleich ein, hat es deshalb aber nicht gegeben. "Ja, da müssen wir uns wirklich bei den Welsbergern bedanken", sagt Demmeler zufrieden. Seinem Arbeitgeber attestieren Werner Thomas und Dieter Scherbel, in diesem Punkt sein Wort gehalten zu haben. Die Zusammenarbeit sei super gelaufen, das Team der Fundamentbauer habe die Erwartungen der Gemeinde "zu 100 Prozent" erfüllt, sagt der Bürgermeister.
Zum rechtlichen Konflikt mit der Welsberger Bürgerinitiative hat der Projektleiter keine neuen Informationen. Martin Demmeler verweist nüchtern darauf, dass "Green City Energy" auf Grundlage deutschen Rechtes baue - und das sei ein "sehr solides Fundament". Lärm, Schatten, Naturschutzbelange machen Demmeler ohnehin keine Sorgen: "Da sind wir meilenweit weg von sämtlichen Grenzwerten." Sogar für die Stadt Seßlach, die mit ihrer offensiv ablehnenden Haltung zum Windpark einen reichlich verschnupften Itzgründer Gemeinderat hinterließ, hat der Projektleiter von "Green City Energy" wortwörtlich "höchstes Lob". Über eine knapp sieben Kilometer lange armdicke Stromleitung ist der Welsberger Windpark direkt an das Umspannwerk neben dem im Bau befindlichen Photovoltaikpark bei Rothenberg angeschlossen. Da brauchte es einige Genehmigungen und Kooperationsbereitschaft der Stadt Seßlach.
Die große Photovoltaik-Anlage und den Welsberger Windpark sieht Martin Demmeler, im Gegensatz zu manch Kommunalpolitiker, übrigens ganz und gar nicht als Konkurrenten an. Denn gerade dann, wenn Windparks eher im Produktionstief liegen (Hochsommer/Frühherbst), brummt es bei der Photovoltaik richtig. "Und wenn dann die Landwirte über Biogas noch den Rest liefern, sind wir hier fast schon energieautark", rechnet Demmeler vor.


Ziel-Termin: Februar

Zur Halbzeit der Baustellen-Tour kommt noch Friedhelm Gerke, Bauüberwacher beim Windkraftanlagen-Hersteller "Nordex" dazu. Probleme sieht Gerke beim "Bürgerwald" keine: "Hier wurde sauber gearbeitet, die Baustelle ist einfach schön." Wer mit offenen Augen durch den Itzgrund fährt, kann schon jetzt erkennen, dass die Großtransporte der Anlagenteile bald anrollen: An der Staatsstraße bei Büdenhof wurde die Kreuzung provisorisch erweitert, oben auf der Höhe bleibt die Einfahrt zum Windpark dauerhaft verbreitert. Dort wird "Nordex" Teile der Windkraftanlagen zwischenlagern, danach wird auch die Gemeinde das gepachtete Gelände mit nutzen können. Dieter Scherbel freut"s: "Da können wir übergangsweise auch mal Holz lagern. So eine Fläche fehlt uns ."
Wenn auch Martin Demmeler und Friedhelm Gerke derzeit Gelassenheit pur ausstrahlen - einen engen Zeitplan haben sie schon beim "Bürgerwald"-Windpark: Spätestens im Dezember/Januar müssen die stählernen Aufbauten und über 70 Tonnen schweren Getriebehäuser auf die Windräder gesetzt werden, damit im Februar die Stromproduktion anlaufen kann. Der Termin hat zwei Gründe: Einerseits ist der Hoch-Winter eine windstarke Zeit, andererseits wird vermutlich im Frühjahr die Einspeisungsvergütung für neu gebaute Windparks reduziert. Da will "Green City Energy" natürlich auf keinen Fall hineinfallen.


Windpark-Zahlen

Leistung: Jede Anlage kann 2,4 Megawatt elektrische Leistung produzieren - insgesamt 9,6 Megawatt. Damit können voraussichtlich bis zu 23,8 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert werden.

Kosten: "Green City Energy" rechnet mit Baukosten von 19,3 Millionen Euro.

Umwelt: Im Vergleich zu fossilen Energieträgern kann der Windpark bis zu 13 700 Tonnen Kohlendioxid einsparen.