Zweihundert Kinder, zweihundert Erwachsene, knapp 20 Fahrzeuge und viele Zuschauer verwandelten den Neustadter Stadtteil Wildenheid am Sonntagnachmittag wieder einmal in die Faschingshochburg des Kreises.
"Leider, leider ist das mein letzter Umzug an dem ich als Schulleiter teilnehme", bedauerte einer der Organisatoren des 22. Faschingsumzuges, Reiner Brückner, der zum Schuljahresende in den Ruhestand wechseln wird. Einer der weiteren Organisatoren, Harald Hammerschmidt, Rektor der Grundschule "An der Heubischer Straße", darf noch etwas unternehmen: "Ich bin mir sicher, dass wir auch im nächsten Jahr wieder Interessantes präsentieren können. Die langen Arbeiten an den Themenwagen sind schnell vergessen, wenn man die zahlreichen Leute sind, die extra zum Umzug hierher gekommen sind."
Freilich, die Themenwagen hatten es wieder in sich. Vor allem die lokale Politik und ihre Matadoren wurden anvisiert. Und ganz vorne dabei die Kandidaten zur kürzlich gelaufenen Wahl des Oberbürgermeisters. Als "Die drei tapferen Muske(l)tiere" konnten die OB-Herausforderer bewundert werden. Als "Die Weihnachtsbaamschmuck-Lösung" wurden alle vier Kandidaten am "Parteienbaam mit ölla OB-Engel" aufgehängt und der alte und zugleich neue Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) wurde mit einem "G'schafft! - Do Rathaus-König" begrüßt, mit der netten Unterschrift: "Hoffentlich bricht na ke-i Zack'n aus do Krouna!"
Für das Problem einer möglichen Schließung des Bahnüberganges an der Coburger Straße hatten die Wildenheider Narren eine ganz interessante Lösung gefunden, die so biseher weder im Stadtrat noch im Wahlkampf in Erwägung gezogen wurde: "Mir hams: Ölla Bahnübogäng bleib'n - a Rettungshubschaubo muss haa!"
Und damit das Stadtoberhaupt im Rahmen der allgemein ausgerufenen Energiewende "a weng unter Strom" stehen kann, lautet das Motto: "Mir sen für Windrädo auf'n Muppbarch: mehr frischo Wind im Rathaus." Wenn es um das neue, alte Autokennzeichen NEC für Neustadt bei Coburg geht, dann ist abzusehen, dass die Wildenheider einen eigenen Weg gehen werden. Statt NEC soll auf ihren Fahrzeugen dann, welch Wunder, WILD stehen, weil "Wir sen wild und wölln WILD - als Nummernschild."
Stadtsanierung ist durchaus sinnvoll, aber sie darf nicht stehenbleiben, und schon gar nicht 99 Meter vor der Schule "An der Heubischer Straße." Denn: "Do Sanierungsrahmenplan macht 99 Meter vor uns halt - im Winto ist's uns mit 13 Grad zu kalt!", klagten die Schüler und forderten: "Mir woll'n neua Fansto un Türn - net erfrier'n!" Damit sie wenigstens beim Faschingsumzug auf ihrem Wagen nicht erfrieren, hatte sie sich dick in Decken eingewickelt.
Nicht nur nebenbei hatten sich etliche Gruppen wieder spitzenmäßige Kostüme ausgedacht. So marschierten Mitglieder des Mutter-Kind-Kreises des Marienvereins beispielsweise als Schlümpfe durch die Straßen des Stadtteils, der Fischereiverein angelte "im Trüben" und das Prinzenpaar trat mit seinem Hofstaat an. Die Kinder, die am Ende des Umzuges noch nicht genug vom närrischen Treiben "hatten, trafen sich anschließend in der Gaststätte "Waldfriedensee" zur Kinderdisco. mgi