Kurz vor Weihnachten letzten Jahres hat die Seßlacher Stadtverwaltung die Vorsitzenden der Ortsvereine angeschrieben, um ihnen mitzuteilen, dass die Firma Treiber (Autenhausen) "Notsicherungsmaßnahmen an der Dacheindeckung" vornehmen musste. "Da der Zustand der Dacheindeckung mehr als katastrophal ist, empfiehlt die Firma Treiber bei zukünftigen Festen den Bereich um die Dachflächen weiträumig abzusperren", schreibt Geschäftsleiter Bernd Vogt.


Vogt: Absperrungen besprechen

Die Notsicherungsmaßnahmen waren in der Sitzung des Grundstücks- und Bauausschusses am 22. November 2016 bekannt geworden. Der Brief schließt mit der Bitte Vogts, die Heilgersdorfer Ortsvereine möchten sich vor Festlichkeiten mit ihm in Verbindung setzen, um die notwendigen Absperrungen zu besprechen. Am vergangenen Freitagabend trafen sich im Schloss Vorstände und Vertreter aller betroffenen Vereine sowie Pfarrer Tobias Knötig, um über eine Reaktion auf diesen Brief zu beraten. Der Schützenverein nutzt Räumlichkeiten des Schlosses zum Üben, Treffen und Feiern, der Gesangverein zum Proben und die Feuerwehr hält dort Schulungen ab. Dies sieht eine entsprechende Nutzungsvereinbarung vor.


"Das ist Aufgabe der Stadt"

"Aus unserer Sicht ist die Sicherung und Instandhaltung des Gebäudes Aufgabe der Stadt als Eigentümerin des Schlosses", meinte Volker Hahn. Der Vorsitzende der Feuerwehr sieht die Stadt als Eigentümer in der Pflicht. Laut Gesetz (§ 535 BGB) habe der Vermieter dem Mieter die Mietsache in einem "zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten Zustand zu überlassen und sie während der Mietzeit in diesem Zustand zu erhalten".
"Das ist ein Problem der Stadt, nicht unseres", darin waren sich alle Anwesenden einig. Das gelte auch für die Absperrung, schließlich stelle sich im Schadensfall auch die Frage der Haftung. Und noch eines verwundert die Heilgersdorfer: Weder die Familie, die ständig eine Wohnung im Schloss bewohnt, noch das Ehepaar, das dort dauerhaft Räumlichkeiten angemietet hat, wurden über die potenzielle Gefahr informiert. "Im Innenhof passiert nichts", diese Auskunft habe er auf Nachfrage von der Stadt erhalten, berichtete Pfarrer Knötig. Doch was geschehe, wenn die Kinder der Mieter rund ums Schloss rennen? Oder Besucher das öffentliche Gelände ohne Zaun betreten, fragte Carola Vetter (Schützenverein). Schließlich befänden sich im Schloss auch ein öffentliches WC und der von allen Vereinen finanzierte Defibrillator, dessen Nutzung und Anbringung an diesem Ort von der Stadt ausdrücklich genehmigt und gewünscht wurde. Ferner wird das Schloss als Wahllokal genutzt. Peter Öckler (Posaunenchor) möchte erfahren, ob sich der gefährdete Bereich nicht besser eingrenzen lässt.

Da sich alle Vereinsvertreter dazu bekennen, das Schloss erhalten und weiter nutzen zu wollen, bitten sie die Verwaltung in einem gemeinsamen Antwortschreiben um ein Gespräch und weitere Informationen, insbesondere über Art, Quantität und Qualität der baulichen Mängel. Ferner möchten die Heilgersdorfer Kirchengemeinde und die Vereine wissen, was zur Bebung der Schäden oder Absicherung unternommen wird und wie sich die Mieter und Nutzer zukünftig verhalten sollen.


SPD-Fraktion beantragt Gutachten

Stadtrat Ralf Würstlein (FW) nahm den Brief Vogts zum Anlass, einen Antrag auf Aufnahme von Finanzmitteln für die Generalsanierung des Schlosses in den Maßnahmenkatalog 2017 zu stellen. Über diesen Antrag wird der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag (Beginn 19 Uhr) beraten. Aus Sicht der Heilgersdorfer ist die Sache klar: Beim Schloss besteht dringender Handlungs- und Gesprächsbedarf! Auch die SPD-Fraktion nimmt sich nun des Themas an: Sie beantragt ein Gutachten, "das Aufschluss über den baulichen Zustand des historischen Gebäudes" gibt. Die Kosten sollten in den Haushalt 2017 eingestellt werden. Laut Antrag soll das Gutachten "Fakten liefern, welche Maßnahmen kurz-, mittel- und langfristig zu ergreifen sind, um den baulichen Zustand zu erhalten" und welcher Aufwand mit ihnen verbunden wäre. "Ohne belastbare Zahlen ist es aus unserer Sicht schwierig Entscheidungen zu treffen", begründete Fraktionssprecher Carsten Höllein am Montag den Antrag. Mögliche Nutzungskonzepte und deren bauliche Umsetzung "wären dann die weiteren Schritte".