In der Republik Guinea leben 85 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft. Das Land ist zwar fruchtbar, aber in weiten Teilen nicht bewirtschaftet. Das soll sich nun ändern, denn in dem westafrikanischen Land, das an der Atlantikküste liegt, sollen landwirtschaftliche Betriebe aufgebaut werden, die das Ernährungsproblem helfen zu lösen. Als Vorbild dient der Hessenhof zwischen Großwalbur und Ottowind in der Gemeinde Meeder.
Die Botschafterin Fatoumata Balde Touré besuchte am Samstagvormittag das landwirtschaftliche Anwesen und informierte sich aus erster Hand über das Konzept. Durch die Nürnberger Initiative für Afrika kam Landwirt Detlef Heß in Kontakt mit der guineischen Botschaft in Berlin. Um das Ernährungsproblems in den Griff zu bekommen soll in dem Land eine nachhaltige Landschaft schrittweise aufgebaut werden. "Wir möchten dieses Projekt mit unserem Know-how betreuen," erklärt der Meederer Landwirt.
Das Besondere an seinem Hof sei die nachhaltige Landwirtschaft mit Schwerpunkt auf regionale Produkte, deren Herstellung und auch Verarbeitung vor Ort. Im kleinen Laden im Hof verkauft Heß Eier, selbst gefertigte Nudelsorten, Öle sowie Fleisch-und Wurstwaren. 24 000 Legehennen leben dort in Freiland-und Bodenhaltung, 200 Mutterschafe, 40 Angusrinder und 1200 Mastschweine, wobei die Schweinehaltung für das muslimische afrikanische Land nicht von Interesse ist.
Heß erklärte seinen Gästen, dass er sehr viel Wert auf eine artgerechte Haltung lege, so seien sämtliche Ställe mit besonderen Richtlinien und in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband für Tierschutz ausgelegt. "Diese Konzeption gilt seitdem deutschlandweit als Vorführstall für artgerechte Legehennenhaltung."
Ein besonderes Projekt ist die Haltung der Mutterschafe, die der Landschaftspflege dienen. Damit sich der Kreislauf schließt, gelangen die Abfallstoffe aus der Tierhaltung bei Heß in die Biogasanlage, wo Strom und Wärme für den Betrieb erzeugt und in das örtliche Stromnetz eingespeist werden. Genau dieses Gesamtkonzept, weiß der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen W. Heike, eigne sich für Guinea. Neben Heike war auch Meeders Bürgermeister Bernd Höfer (CSU) bei der Hofbesichtigung vor Ort. "Ich möchte damit auch signalisieren, welch hohen Stellenwert dieser Betrieb in unserer Gemeinde hat", sagte er. Dr. Abdoulaye Diallo ist Sprecher der Nürnberger Initiative für Afrika und war am Samstag Begleiter und Dolmetscher der Botschafterin. Da Diallo ausgebildeter Diplom-Agraringenieur ist, schlägt sein Herz für die Landwirtschaft. Das Konzept des Hessenhofs, sagte er, passe in die kleinbäuerlichen Strukturen von Guinea, wo die Menschen notgedrungen von Ackerbau und Viehzucht leben. "Wir sind sehr interessiert an der Kooperation und ich hoffe auf eine interessante Partnerschaft." Diallo kann sich vorstellen, dass das Pilotprojekt zunächst mit einem Musterhof an den Start geht und in der Folge ausgebaut wird. Es soll längerfristig der lokale Markt aber auch der internationale Markt bedient werden. Damit werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Ernährung im Land wird verbessert und neue landwirtschaftlichen Einnahmequellen werden erschlossen. "Wir planen das Konzept von Grund auf in unserem Land aufzubauen", sagte die Botschafterin. Detlef Heß kündigte an, nach Guinea zu reisen, um das Projekt vor Ort zu betreuen.