Der Flusskiesel, der am Mittwoch mit dem Bagger unter dem Freundschaftsbaum am Markt in Eisfeld abgelegt wurde, wiegt rund eine Tonne. Ein ähnlicher Stein wurde kurze Zeit später vor das Ahorner Rathaus gesetzt. Ein Flusskiesel, erklärte Ahorns Bürgermeister Martin Finzel (parteilos), sei besonders hart und durch den Lauf des Wassers auch über Jahrzehnte geformt worden. "Insofern sind die beiden Steine Symbol für unsere Partnerschaft, die auch von der Zeit geformt wird", sagte Finzel.

Sven Gregor (Freie Wähler), Eisfeld Bürgermeister, erinnert sich noch an die Einheitsfeier vor 25 Jahren. Am 3. Oktober, erzählt er, sei am Markt zum Zeichen der Partnerschaft ein Ahorn gepflanzt worden: "Es gibt da noch einen Film, der zeigt, wie rappelvoll der Marktplatz damals war."

Rainer Scholz, Bauamtsleiter in Ahorn, hat die kommunale Partnerschaft von Anfang an mit begleitet. Eines der ersten gemeinsamen Projekte war die Schulküche, die von Ahorn nach Eisfeld kam und hier aufgebaut wurde. Scholz war dabei. "Ich weiß noch, dass wir an dem Tag, als die Grenzen sich öffneten, einen Termin in Eicha hatten und ich mich wunderte, wieso so viele Leute am Rathaus in Ahorn standen."


Euphorische TageI

n diesen ersten euphorischen Tagen hatte auch die Verbindung zwischen den beiden Kommunen ihren Ursprung. Der damalige Bürgermeister Gerd Braun nämlich hatte auch am Rathaus in Ahorn das Begrüßungsgeld abgeholt, und Verwaltungsleiter Martin Kollmann war auf den Rathauschef aus der Nachbarschaft aufmerksam geworden. Ein paar Tage später hatte Ahorns Bürgermeister Wolfgang Dultz den Kontakt gesucht.
Am 11. Dezember 1990 fand der erste offizielle "Staatsbesuch" in Ahorn statt, den Braun und Dultz mit ihrer Unterschrift am Tag der Einheit vor 25 Jahren besiegelten. In einem gemeinsamen Mitteilungsblatt veröffentlichten die beiden Kommunen ihr Freundschaftsabkommen.


Bewegend und bewegt

Es war eine bewegende und bewegte Zeit der Dynamik und des Umbruchs. Stadt- und Gemeinderäte sowie die Verwaltungen fanden sich Schritt für Schritt. Verwaltungshilfe war im Osten gefragt, und manch schwere Schlacht wurde gemeinsam geschlagen. Aber die Partnerschaft blieb nicht in den oberen Rängen. Auch die Vereine kamen zusammen wie beispielsweise die Feuerwehren Schorkendorf/Eicha und Eisfeld. Aus den vielen gegenseitigen Besuchen formten sich auch persönliche Kontakte und Freundschaften wie die von Egon Schmit aus Ahorn und Egon Eichhorn aus Eisfeld oder die von Lothar Lipfert und Hermann Rempel. Die beiden haben über Jahre den Partnerschaftsarbeitskreis geprägt, den Lipfert noch heute für Eisfeld leitet.

Als die Partnerschaft vor rund zehn Jahren zu ermüden drohte, gingen die Eisfelder und die Ahorner im Frühjahr 2006 gemeinsam in Klausur. "Sekt oder Selters", sagt Martin Finzel, "war da die Frage gewesen. Und wir haben uns für Sekt entschieden." Zweifellos, bestätigen sowohl Finzel als auch Sven Gregor, sei es eine Herausforderung, eine solche kommunale Partnerschaft über 25 Jahre am Leben zu halten und immer wieder mit neuen Inhalten auszufüllen.

"Es ist gut zu wissen, dass man sich anrufen und auf kurzem Weg verständigen kann, um sich über Probleme und Herangehensweisen auszutauschen", sagt Sven Gregor. 20 Jahre hat Gregor vor seinem Amtsantritt in Coburg gearbeitet und die Erfahrung gemacht, dass Vorurteile zwischen Ossis und Wessis nur im persönlichen Kontakt ausgeräumt werden können. "Wir waren zwar in zwei Welten und durch Stacheldraht geteilt, aber im Grund waren und sind die Lebensverhältnisse doch ähnlich."


Helfen, reden, feiern

Zwei Bundesländer, Ost und West, zwei verschiedene kommunale Strukturen, und doch werden immer wieder gemeinsame Nenner gefunden und zum Wohle von Stadt und Gemeinde genutzt. "Man muss nicht immer einer Meinung sein", meint Finzel, "aber man muss miteinander reden können." Die Eisfelder und die Ahorner reden viel miteinander - und feiern auch zusammen: Beim Kuhschwanzfest oder bei den Thüringisch-Fränkischen Abenden.

Ohne die Einheit wäre die Erfolgsgeschichte dieser Partnerschaft, die sich längst in eine größere Region einfügt und diese bereichert, nicht möglich gewesen. Die Aufgaben werden nicht weniger, und den beiden Bürgermeistern ist sehr wohl bewusst, dass es nun auch darum geht, die jüngere Generation, die weder Grenze noch das geteilte Deutschland kennt, auf die Pfade der Partnerschaft zu führen und mitzunehmen.

Die Freundschaftsfeier: Mit einem Freundschaftsabend feiern die Stadt Eisfeld und die Gemeinde Ahorn am Freitag, 2. Oktober, das 25-jährige Bestehen ihrer kommunalen Partnerschaft. Beginn ist um 19 Uhr in der Vereinshalle der SpVg Ahorn in der Schulstraße.