Wenn Hunde sich jetzt weigern, nach draußen zu gehen oder immer wieder die schmerzenden Pfoten heben, dann wissen ihre Besitzer: Es liegt zu viel Salz auf dem Gehweg. Wenn Bäume im Sommer braune Blätter haben und irgendwie krank aussehen, dann ahnen Naturschützer, dass im Winter zu großzügig gesalzen wurde. "Seit den 70er Jahren sprechen wir uns schon gegen den Streusalz-Einsatz auf den Straßen, vor allem aber auf den Gehwegen, aus. Es gab Landtagsdebatten darüber und wir haben im Regal drei volle Aktenordner stehen", sagt Tom Konopka, Regionalreferent für Oberfranken beim Bund Naturschutz. Dabei gebe es in vielen Städten, auch in Coburg, inzwischen Verordnungen, die das Ausbringen von Streusalz auf Gehwegen untersagt. "Es reicht doch vollkommen aus, den Schnee von den Bürgersteigen zu räumen und im Notfall etwas Splitt zu streuen."

Aber halten sich Bürger, Hausmeisterdienste und der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) auch an die städtische Vorschrift? Immer wieder gibt es Beschwerden, dass sie es eben nicht tun. Philipp Herr vom Hausmeisterservice Herr, versichert: "Wir streuen hauptsächlich Splitt, nur an Steigungen Salz, wie es verlangt wird." Das bedeute in der Praxis, dass in die Fahrzeuge nur Splitt komme, Salz werde in geringen Mengen per Hand gestreut. "Wir stehen nachts auf und schauen nach, wie der Zustand der Gehwege ist und entscheiden dann, was wir machen", erläutert Phil ipp Herr. Es werde auch nicht vorsorglich mal Streusalz aufgebracht, um sich die Arbeit zu erleichtern. Im Gegenteil: "Splitt kostet uns nur ein Viertel von dem, was wir für Salz zahlen müssen." Deshalb werde Letzteres eher sparsam eingesetzt.


Klagen drohen



Norbert Scholz ist beim CEB für den Handwinterdienst zuständig. Auch er legt morgens fest, was zum Schutz der Fußgänger gestreut wird. "Im Regelfall ist es natürlich Splitt", sagt er. Fällt der Weg steil ab oder auf Treppen nütze aber nur Streusalz etwas. Und bei Eisglätte. Die hatten die CEB-Leute erst gestern wieder. "Wenn ich dann falsch streue und es passiert etwas, spricht mich jeder Richter schuldig", stellt Norbert Scholz fest. In Nürnberg habe es einen solchen Fall gegeben.

Pures Salz kommt aber beim Winterdienst des CEB nicht auf die Gehwege. "Wir mischen es mit Splitt. Bei Eisregen erhöhen wir den Anteil an Salz." Taue das Eis dann weg, werde das Streugut sichtbar und es entstehe der Eindruck, dass ohne Not gesalzen worden sei. Aber das könnten sich seine Mitarbeiter gar nicht erlauben, betont Norbert Scholz. "Wir führen Streubücher und kontrollieren regelmäßig."

Um Kontrolle geht es auch im Ordnungsamt, selbst wenn Stichproben aus Personalgründen nicht möglich sind, wie Sachgebietsleiter Volker Backert einräumt. "Aber wir bekommen in jedem Winter Hinweise, wo gegen die Verordnung für den Winterdienst verstoßen wird." Solche Vergehen werden auch mit einem Bußgeld geahndet. "Unser Problem ist dabei nur, dass wir Augenzeugen brauchen. Oft bleibt uns nichts anderes übrig, als die Anlieger ausfindig zu machen und sie auf das Verbot hinzuweisen." Kürzlich aber sei ein Hausmeisterservice ermittelt worden, der ohne zwingenden Grund Salz gestreut habe. "Da verhängen wir jetzt ein Bußgeld."