"Wenn wir eine richtige Sanierung anstreben, wird die über die Stadt nicht schulterbar sein." So begründete Bürgermeister Martin Mittag (CSU) bei der Heilgersdorfer Bürgerversammlung am Mittwochabend, dass die Stadt sich nun auf die Suche nach einem Investor für das Heilgersdorfer Schloss machen möchte. "Wir suchen ein Gesamtkonzept für 15 bis 20 Jahre", so der Bürgermeister.
Laut Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) gebe es gerade in der Region zwischen Coburg und Bamberg Interessenten für derartige Immobilien. "Und ein Interessent, der auf die Wünsche vor Ort eingeht, reicht mir", sagte Mittag. Selbst bei einer Förderquote von 90 Prozent, über die seit dem Sommerfest der Freien Wähler im Schlosshof spekuliert wurde, kämen mindestens 500 000 Euro auf die Stadt zu, rechnete das Stadtoberhaupt vor. Zudem sei, wie Mittag aus dem Brief von Dr. Brandl (BLfD) zitierte, "eine derart hohe Förderquote mit Mitteln des Denkmalschutzes nicht darstellbar" und auch nicht darüber hinaus.
Jürgen Schramm regte, an verschiedene Fördertöpfe zu kombinieren und etwa Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen. Eine solche Einzelraumsanierung reiche keinesfalls, um die Gebäudesubstanz zu retten, entgegnete Mittag: "Da geht es nicht um das, was richtig Geld kostet, wie Dach oder Fassade." Das Sommerfest habe gezeigt, wie sehr die Heilgersdorfer an "ihrem" Schloss hingen, meinte Pfarrer Tobias Knötig. Er fragte, ob eine Baubegehung mit Feststellung der Gesamtschäden erfolgt sei. Die Schäden sind laut Mittag 30 Jahre lang nicht dokumentiert worden.
Mit einem Verkauf soll die "Flickschusterei" laut Mittag ein Ende haben. Oliver Kunz plädierte, den Instandsetzungsaufwand vor Verkauf zu prüfen. Ein Gutachter des BLfD werde den Wert der Immobilie schätzen, sagte der Bürgermeister zu. Sollte ein Investor gefunden werde, so versprach er, werde eine Versammlung einberufen, um dessen Konzept mit den Bürgern zu besprechen. "Ein Riesen-Vereinshaus ist nicht bezahlbar", warnte Mittag vor zu großen Erwartungen. Eventuell könnten mit dem Verkaufserlös Ersatzlösungen für die Schützen und Mieter gefunden werden. Letztlich regte sich aus der Versammlung kein Widerstand gegen den von Mittag als "ganghaft" bezeichneten Weg.


Warten auf Zusage

Dass in die Praxis in der Altstadt am 7. Januar 2017 eine neue Hausärztin einzieht, wie es am Eingang des Hauses derzeit zu lesen ist, konnte der Rathauschef noch nicht bestätigen. Am kommenden Montag werden laut Mittag weitere Gespräche mit der Interessentin stattfinden. Auch die Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) stehe noch aus. Selbst mit zwei Ärzten anstelle von vieren sei in Seßlach "nur eine Notversorgung" gewährleistet. Mittag: "Der Arzt, der immer und überall greifbar ist, stellt ein Modell von früher dar."
Im noch nicht beschlossenen Kreishaushalt sind sowohl die Sanierung der Heilgersdorfer Ortsdurchfahrt als auch der Brücke bei Schloss Wiesen vorgesehen. "Dass beides gemacht werden muss, weiß der Kreis", so Mittag. Aus Gründen der Verkehrssicherheit sieht der Rathauschef die Tendenz der Brücke Vorrang einzuräumen. Während Schramm anregte die gesamte Ortsdurchfahrt attraktiver zu gestalten und bei einer möglichen Begrünung die Anlieger einzubeziehen, wiesen die Verantwortlichen auf beschränkten Spielraum hin: "Vom Sportheim Richtung Kirche wird sich nichts tun, eher Richtung Rothenberg", sagte Geschäftsleiter Bernd Vogt. Stadtrat Ralf Würstlein (FW) plädierte für die Neugestaltung des Vorplatzes der Brauerei Scharpf. Alle Außenbereiche würden nicht unter die Kreisbaumaßnahme fallen, dämpfte Mittag zu teure Vorstellungen: "Eine Riesen-Dorferneuerung wird es nicht!"
Das Heilgersdorfer Backhaus wird derzeit saniert. Unklar blieb bisher, ob auch die Dorflinde entfernt werden muss. Hier wartete der Bürgermeister noch auf Rückmeldung von der Dorfjugend. Bis Ende Februar 2017 müsse der Baum gefällt werden, betonte er. Anschließend könne eine Ersatzpflanzung erfolgen.
Wenn das eingeschränkte Halteverbot in der Seßlacher Altstadt stärker kontrolliert werden soll, bleiben die Gottesdienstzeiten davon unberührt, trat das Stadtoberhaupt Bedenken von Pfarrer Tobias Knötig entgegen. Derzeit überlege die Verwaltung die zweistündige Parkscheiben-Regelung auf 24 Stunden auszudehnen. Obwohl gestern die Baustelleneinrichtung für den Ausbau der Breitbandversorgung erfolgte, glaubt Mittag nicht mehr an einen fristgerechten Abschluss der Arbeiten bis Jahresende. Nach und nach sollen in Heilgersdorf die derzeit 20 fehlenden Straßenlampen ersetzt werden, versprach er.


Diskussion um Hundehaufen

"Heilgersdorf ist mal wieder Vorreiter gewesen", lobte Mittag das örtliche Engagement für das neue Urnenfeld, das am 19. August eingeweiht wurde. Eine "solch tolle Eigenleistung" mache es der Stadt leichter, Maßnahmen zu beschließen. Obwohl es in Heilgersdorf derzeit keine Bauplätze im Neubaugebiet mehr gibt, werde der Heiliggrund "nicht aufs Blaue hinaus erweitert", stellte Mittag klar. Vogt wies auf den Bebauungsplan auf der Internetseite der Stadt hin.
Bei der anschließenden Diskussion ging es im Sportheim lang um das Thema Hundehaufen. "Jetzt, wo wir mehr Hundesteuer zahlen, ist vielleicht Geld da, um Behälter für Hundekot-Tüten anzuschaffen", meinte Knötig. "Die ihn brauchen würden, nutzen ihn nicht", zeigte sich Mittag skeptisch.