Die Welle der Hilfsbereitschaft für Asylsuchende und Kriegsflüchtlinge ist kein Coburger Phänomen. "Das ist bayernweit so", betonte CSU-Landtagsabgeordneter Jürgen W. Heike beim Regionentalk "Auf den Punkt" am Donnerstagabend.

Beeindruckend zeigte sich an diesem Abend dennoch, was in Coburg Stadt und Land bewegt wird, um Hilfe direkt am Mitmenschen zu leisten. Barbara Kammerscheid schilderte beispielsweise die Arbeit im Sozialkaufhaus "Hartz & Herzlich". Sie verschweigt nicht, dass es dafür auch Anfeindungen gab, von rechtspolitisch geprägten Zeitgenossen.

"Da gab es Szenen, mit denen wir nicht an die Öffentlichkeit gegangen sind", erzählt sie und: "Wir haben körperliche Gewalt kennen gelernt." Doch ebenso betont sie: "Diese Zeiten sind vorbei." Jeder, der bedürftig ist, könne jetzt dort in Ruhe einkaufen.

Pfarrer Detlef Juranek ist mit der Gemeinde Katharina von Bora nahe dem Kaufhaus angesiedelt und im Arbeitskreis Asyl aktiv. Er ist begeistert vom ehrenamtlichen Engagement in Coburg. Er mahnt aber auch: "Auf Dauer kommen wir mit Ehrenamtlichen nicht aus. Es braucht Hauptamtliche für die Koordination und Geld für materielle Ausstattung."

Genau da greift Adrian Liebermann mit der von ihm initiierten Aktion "Coburg hilft" an. Er hat eine Internetplattform geschaffen und nutzt das Medium und die sozialen Netzwerke, um zu beschaffen, was gebraucht wird. "Wir organisieren Spenden, die Sachen, die gerade dringend gebraucht werden, und das sehr schnell", erklärt er den Sinn der Aktion. Ein Beispiel? "Wir haben einmal in vier Stunden 500 Babyfläschchen organisiert und geliefert." Das meint er, wenn er "schnell" sagt.


Viele bürokratische Hindernisse

Friedrike Werobél von der Coburger Tafel schildert, dass es Zeiten gab, wo sie nicht mehr sicher sein konnte, genug Lebensmittel beschaffen zu können. Doch: "Wir sind auch gute Netzwerker und es hat immer wieder geklappt."

Dabei musste auch die Tafel reagieren, was ihr Sortiment angeht. Die Wünsche sind von Herkunftsland zu Herkunftsland sehr verschieden. "Ich bin über diese neue Vielfalt sehr glücklich", betont sie und strahlt. Wenn es um das Erlernen der Sprache geht, ist Saskia Gareis da. Zusammen mit vielen anderen Ehrenamtlichen gibt sie Deutschkurse für die Neuankömmlinge. Sie lobt den Lerneifer ihrer "Schüler" und räumt bei der Gelegenheit gleich mit einem Vorurteil auf: "Ich muss mich gar nicht durchsetzen. Alle sind sehr höflich und respektvoll", betont sie.

Ganz mit Blick auf die Praxis betrachtet der stellvertretende Kreishandwerksmeister Frank Brückner die Zuwanderung. Vor allem im Handwerk sieht er viele Beschäftigungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge. Er sieht aber auch eine Menge bürokratischer Hindernisse. "Die sollen kommen und sehen, ob ihnen der Job Spaß macht", sagt er. Doch ein kostenloses Praktikum ist nicht möglich. Es wäre Schwarzarbeit.

Trotzdem sieht er die Arbeit in einem kleineren Handwerksbetrieb als optimale Chance auf Integration. "Das ist wie in einer Familie. Die Sprache lernt sich dabei ganz automatisch", sagt er. Er fordert vom Gesetzgeber aber auch Planungssicherheit für die Handwerksbetriebe: "Die Betriebe müssen wissen, dass die jungen Leute nach der Ausbildung auch bleiben können", nennt er eine Voraussetzung für die Einstellung.

Mit Hingabe engagiert sich auch Susanne Kleiner in der Flüchtlingsarbeit. Sie hilft unter anderem bei der Suche nach Wohnungen und ist überzeugt, damit den Grundstein für ein späteres gutes Miteinander zu legen: "Was wir jetzt gut machen, davon profitieren wir später sehr."

Am Ende ist es Barbara Kammerscheid, die allen einen wichtigen Gedanken mit auf den Weg gibt: "Bitte vergesst die bedürftigen Menschen in Coburg und dem Landkreis nicht. Die brauchen unsere Hilfe genauso wie die Flüchtlinge und Asylbewerber!"


Ängste reduzieren

Pfarrer Detlef Juranek erinnert an die Ängste unter einem Teil der Bevölkerung angesichts der Zuwanderung. Er rät dazu, einfach den Kontakt zu suchen: "Im Kontakt unter den Menschen werden Ängste rasch reduziert, das ist unsere Erfahrung aus der täglichen Arbeit."