Diese Frage drängt sich einfach auf: Wie bekannt wäre Joachim Ringelnatz, wenn er heute erneut versuchen würde, Karriere zu machen? Wäre er mit seiner Kunst vielleicht gar einer der Stars der Kabarett- und Comedy-Szene?


Denkbar zumindest wäre es. Denn Ringelnatz, der eigentlich Hans Gustav Bötticher hieß, besaß das unnachahmliche Talent, Unsinn und Tiefsinn zu kombinieren. Banales und Poetisches flirten bei ihm auf dem glatten Parkett der Pointen und finden immer wieder dort zur Harmonie, wo man es am wenigsten vermuten würde.
"Schöne Nixen knicksen" hat Jan Burdinski sein Programm genannt, mit dem er Ringelnatz huldigt.

Diese Hommage, bereits seit einigen Spielzeiten im Angebot des "Fränkischen Theatersommers", hat nichts von ihrem frechen Witz verloren, wie das Gastspiel in der Reihe "Elsa47" im ehemaligen Landgasthof beweist. Der Andrang ist beträchtlich, der Saal praktisch ausverkauft.


Der Traum eines rostigen Nagels

Jan Burdinski, Intendant des "Fränkischen Theatersommers", ist in jeder Szene, in jedem Gedicht, ein tadellos stilsicherer Ringelnatz-Interpret. Mit seinem Programm, in dem zudem noch ein wenig Platz bleibt für Otto Reutter, erzählt Burdinski auch, wie aus Bötticher schließlich Ringelnatz wurde, wie sich ein Sachse in einen waschechten Seemann verwandelt.

Der Traum eines rostigen Nagels von seiner großen Liebe zu eine Schraube hat darin ebenso seinen Platz wie die doch ein wenig vom Original abweichende Ringelnatz-Fassung des Märchens von Rotkäppchen und dem bösen Wolf.


Burdinski braucht nur sein Akkordeon, um die Bühne mit pointenreichem Leben zu füllen - keine Kulissen, keine Kostüme, kein Lichterzauber. Vom ersten Ton an hat Ringelnatz sein Publikum in der Hand, mühelos bringt er die Zuhörer zum Mitsingen.


"Ich habe einen Wunsch - ich möchte einen Ohrwurm in Elsa lassen", sagt Burdinski, greift zu seinem Akkordeon und stimmt einen Shanty an: "Zwölf Tonnen wiegt die Hochseekuh".


Einen Ohrwurm in Elsa lassen - das gelingt Burdinski an diesem Abend mühelos. Zurück bleibt freilich nicht nur ein Ohrwurm, zurück bleiben auch begeisterte Zuhörer.



So geht's weiter bei "Elsa47"

Samstag, 2. April "Confesiones" - Gitarrenduo Dirks und Wirtz (Beginn: 19.30 Uhr, Elsa 47, Tel.: 09564/4761; Infos online: www.elsa47.de)