Eine wahrlich ohrenbetäubende Schützentradition ist es, das Böllern. Wenn die Schützen die Zündschnur an den Kanonen ziehen, empfehlen sich Ohrenstöpsel, und auch die können die Böller nur mäßigen.
Bei der Böllergruppe im Heilgersdorfer Schützenverein, der dem Schützengau Schweinfurt angehört, hat eine Frau das Kommando: Carola Vetter, ihres Zeichens 1. Vorstand. 2007 war die Gruppe aus der Taufe gehoben worden. Harald Lehnert hatte die Idee dazu, und seit Kurzem haben die Böllerschützen ihre eigene Kanone. Gebaut wurde sie von einem Schützenkollegen von Lehnert, von Günther Jakob aus Lichtenfels. Eine historische Vorlage hat auch der Mörser der befreundeten Schützengesellschaft aus Zeil.

Der berühmte Mörser von Belgrad

Gaureferent Udo Nass erklärt: "Der Mörser hat im berühmten Mörser von Belgrad seinen historischen Bruder. Dieser war 1714 von Leopold Halil in Wien gegossen worden. Er besteht aus Bronze, hat ein Kaliber von 17 Zentimeter und wiegt 153 Kilogramm. Der Mörser wurde 1717 während der Belagerung Belgrads durch die kaiserliche Armee unter Prinz Eugen eingesetzt. Am 17. August 1717 zwischen 6 und 7 Uhr morgens hatte ein Geschoss aus dem Mörser das Hauptmunitions- beziehungsweise Pulverlager des von den Türken verteidigten Belgrads getroffen."
Dieser Mörser steht heute im Heeresmuseum von Wien - ein Nachbau davon in Zeil. Übrigens ist der Zeiler Mörser, der mit 400 Gramm Schwarzpulver geladen wurde, mindestens ebenso schwer. Es brauchte vier Mann, um ihn anzuheben und aufzubauen - einmal zur Weihe und einmal zum Böllerschießen. Geweiht wurden die beiden Standböller von Pfarrer i.R. Joachim Gloss aus Memmelsdorf/Untermerzbach, der ausdrücklich betonte, er weihe hier kein Kriegsgerät, sondern ein Sport- und Traditionsgerät.
Carola Vetter kommandiert die Schussfolge: Salut, langsames oder schnelles Reihenfeuer, Doppelschlag. Diszipliniert gemeinsam und professionell werden die Kommandos ausgeführt: Böllerschützen verdämmen, Zündhütchen setzen, Böller hoch, gebt Feuer! Carola Vetter zeigt nach dem Ansagen das Kommando Feuer mit dem Säbel an. Dann nämlich hat jeder der Schützen bereits die Ohrstöpsel drin und würde kein Wort mehr verstehen. Hier läuft alles buchstabengetreu nach der bayerischen Böllerschützenverordnung, erklärt Erwin Steinert, Gründungsmitglied des Heilgersdorfer Schützenvereins, fast 25 Jahre dessen Vorsitzender und nun Ehrenvorstand.
Immerhin rund 160 Mitglieder zählt der Schützenverein in der Gemeinde. Im Schloss wird ein Schießstand mit 13 elektrischen Luftgewehrständen betrieben. Geschossen wird im Verein mit Luftgewehren, mit Bogen und seit 2007 mit Böllern. Damit gehört der Heilgersdorfer Schützenverein zu den 500 Vereinen in Bayern, die die alte Tradition des Böllerns wieder belebt haben und aktiv pflegen.
Die Böllergruppe zählt acht Mann. Geböllert wird mit Hand- und Schaftböllern. Um die zehnmal im Jahr wird geböllert, zu fränkischen und oberfränkischen Böllertreffen oder auch beim Schützenfest in Coburg. Herzlich willkommene Gäste am Wochenende waren die Schützen aus Zeil, aus Meeder und die Steigerwaldböllerer. Oft hat die Böllerei geruht, erzählt Thomas Wellein aus dem Steigerwald. Hier geht der Traditionsverein bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die Steigerwalder haben sich des Böllerns wieder angenommen. "Wir Schützen halten zusammen", erklärt Wellein, "und das tun wir auch lautstark kund."