Was für ein Wechselbad der Gefühle für die Coburger SPD! Mit Norbert Tessmer kann zwar weiterhin der Oberbürgermeister gestellt werden. Doch die Fraktion wird künftig kleiner sein. Mit 33,89 Prozent blieb die SPD fast sieben Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2008. Und trotzdem hätte das eigentlich nur den Verlust von einem Sitz bedeutet. Weil aber das diesmal angewendete Auszählverfahren nach Hare/Niemeyer die kleinen Gruppierungen begünstigt, verlieren die Genossen gleich zwei Sitze. "Wenn nach D'Hondt ausgezählt worden wäre, hätten wir 15 Sitze", stellte Fraktionsvorsitzender Thomas Nowak fest, ohne dies als Ausrede verstanden haben zu wollen. Stattdessen beklagt Nowak, dass es nicht gelungen sei, die SPD-Stammwähler ausreichend zu mobilisieren. "Was nutzen uns 60 Prozent Stimmenanteil in Wüstenahorn, wenn dort aber die Wahlbeteiligung gering ist?"

"Niederschmetternd" und "schlimm" findet der SPD-Unterbezirksvorsitzende Thomas Rausch die Wahlbeteiligung, die insgesamt bei gerade mal 51 Prozent lag. Bei Rausch kommt aber noch zusätzlicher Frust hinzu: Zum einen hat er selbst den erneuten Einzug in den Stadtrat verpasst. Zum andern fühlt er sich als Wahlkampfleiter der SPD auch für das Gesamtergebnis verantwortlich und hat deshalb bereits signalisiert, für dieses Ergebnis seinen "Kopf hinzuhalten". Thomas Nowak hat Thomas Rausch, der auch stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender ist, allerdings bereits gebeten, mögliche Rücktritte noch einmal zu überdenken.

Gehring und Eibl gescheitert

Thomas Rausch ist aber nicht der einzige Prominente der SPD, der dem neuen Stadtrat nicht mehr angehören wird: So verfehlte Andreas Gehring ebenfalls den erneuten Einzug.

Prominente Verlierer gibt es auch bei der CSU zu beklagen: Roland Eibl, der Vorsitzende des Ortsverbands Coburg-West, ist ebenso gescheitert wie die amtierenden Stadträte Friederike Werobèl und Stefan Stirtzel sowie der CSU-Kreisgeschäftsführer René Boldt. Ebenfalls ärgerlich für die CSU: Sie legte zwar in Prozentzahlen zu (von 22,6 auf 26,3), in Sitzen macht sich das allerdings nicht bemerkbar - es bleibt bei zehn. Bitter: Mit Birgit Weber hat es nur eine CSU-Frau in den Stadtrat geschafft. Während bei der SPD die Frauen sogar in der Mehrheit sind (acht Frauen, sechs Männer), wurde bei der CSU außer Friederike Werobél (von Listenplatz 4 auf 12) auch Kerolain Frind (von 9 auf 15) nach hinten durchgereicht. Mit Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha (von 15 auf 2) sowie Max Beyersdorf (von 33 auf 6) haben die Christsozialen allerdings die beiden größten Listenspringer überhaupt unter den Stadträten in ihren Reihen.

Nach Prozenten jetzt die drittstärkste Kraft sind die Grünen - nach Sitzen ist man aber gleichauf mit den Christlich-Sozialen Bürgern (CSB). Kurios bei den Grünen: Mit Martina Benzel-Weyh und Wolf-Rüdiger Benzel wird erstmals ein Ehepaar im Stadtrat sitzen! Bei den CSB trumpfte Gerhard Amend auf, sprang von Listenplatz 10 bis ganz nach vorne auf die 1 und somit noch vor OB-Kandidat Christian Müller. Von Listenplatz 2 auf 8 zurückgefallen ist die hoch gehandelte Vorsitzende des Bürgervereins Scheuerfeld, Elfriede Strobel.
Pro Coburg wächst von zwei auf drei Sitze. Das bewährte Duo Jürgen Heeb/Peter Kammerscheid wird künftig um Horst Geuter ergänzt. Geuter war 1990 schon einmal in den Stadtrat gewählt worden (damals noch für die Freien Wähler), musste sein Mandat dann aber recht schnell aus beruflichen Gründen niederlegen: Anfang der 1990er-Jahre war Geuter mit seinem Geschäft auf Expansionskurs. Inzwischen hat er sich aus dem Geschäftsleben zurückgezogen und startet nun also erneut in eine Stadtratsperiode.
Die Jungen Coburger verdoppeln die Anzahl ihrer Sitze - von eins auf zwei. Mit Kurt Knoch und Maximilian Forkel handelt es sich um zwei Stadträte, die zugleich der CSU-Nachwuchsorganisation Junge Union in führenden Positionen angehören.

Erstmals in einem Coburger Stadtrat vertreten sind die Linken - mit René Hähnlein. Zwischendurch sah es beim Auszählen fast so aus, als ob die Linken zwei Sitze ergattern könnten. Doch speziell die letzten zehn Stimmbezirke, bei denen es sich ausnahmslos um die Briefwahlbezirke handelte, kamen in erster Linie dem bürgerlichen Lager zugute. Zugleich wirbelte die Briefwahl aber auch die einzelnen Listen noch einmal kräftig durcheinander: Mathias Zimmer etwa lag bei der CSU lange auf Platz 4, ehe ihn die Auszählung der Briefwahl noch auf Platz 9 abrutschen ließ.

Eidt startet in siebte Periode

Geschrumpft ist die FDP: Jens-Uwe Peter ist der einzige der sieben OB-Kandidaten, der es nicht in den Stadtrat geschafft hat. Auch für den FDP-Kreisvorsitzenden Ulrich Herbert ist das Ergebnis ernüchternd. FDP-Urgestein Hans-Heinrich Eidt hingegen startet in seine nunmehr siebte Amtsperiode.
Das Dasein als Einzelkämpfer bereits gewohnt ist Klaus Klumpers, der in dieser Funktion auch in der nächsten Stadtratsperiode das ÖDP-Fähnchen hochhalten wird.


IN KÜRZE


SPD Max Kastner, der Sohn des noch amtierenden Oberbürgermeisters Norbert Kastner, sprang von Listenplatz 39 vor auf 21.

CSU Peer Medau wurde von Listenplatz 34 vorgewählt auf Platz 17. Annemarie Keul-Weber (von 21 auf 16) durchbrach den Trend, dass Frauen - wenn sie nicht gerade als OB-Kandidatin antreten - auf der CSU-Stadtratsliste eigentlich traditionell nach hinten durchgereicht werden.

Grüne Ina Sinterhauf hatte gleich doppelt Pech: So sah es lange Zeit danach aus, als ob die Grünen fünf Sitze bekommen würden. Doch als das Endergebnis schließlich "vier Sitze" lautete, lag Ina Sinterhauf als Fünftplatzierte auf der Grünen-Liste nur ganze neun Stimmen hinter Wolf-Rüdiger Benzel.

CSB Ein Richter kommt selten allein: Während Gerhard Amend von Listenplatz 10 auf 1 sprang, kletterte sein Berufskollege Roland Dietrich immerhin von Listenplatz 20 auf 9.

Pro Coburg Hier legten gleich mehrere Kandidaten ordentliche Sprünge hin: Apotheker Gernot Priesner von 24 auf 7, Günther Kirchberg gar von 37 auf 8 und Holger Schneiderbanger von 22 auf 9.

Junge Coburger Die Logopädin Catrin Brückner, engagiert auch bei der Coburger Narrhalla, schaffte es von Listenplatz 16 auf Platz 6.

FDP Peter Palitza klatterte von Listenplatz 15 auf 5, Lutz Langenstein von 27 auf 9.

Linke Fabienne Yildirimer, die im Wahlkampf-Endspurt noch von Extraplakaten lächelte und sich gegen eine Sperrstunde in Coburg aussprach, wurde von Listenplatz 7 auf 3 vorgewählt.

ÖDP Öko-Landwirt Dietrich Pax schaffte einen Sprung von Listenplatz 12 auf 4.