Ein paar Monate später wurde festgestellt, dass auch viele Versicherungen eingesprungen sind; deshalb blieben von der Spende fast drei Millionen übrig.

Stoschek und Volkmann verfügten, dass mit diesem Geld etwas für das Coburger Stadtbild getan werden soll. Bei einer Besichtigung sanierungsbedürftiger Häuser stellte sich gestern aber heraus, dass das im Einzelfall gar nicht so einfach ist.


Ketschenvorstadt

Die am dringendsten sanierungsbedürftigen Häuser befinden sich im Eigentum der Stadt. Zuschüsse soll es aber nur für Privateigentümer geben.

Die gute Nachricht: Es steht Geld zur Verfügung, mit dessen Hilfe die stark sanierungsbedürftigen Häuser in der Ketschengasse saniert werden könnten. Die schlechte: Es muss erst noch geklärt werden, wie das gehen soll. So lässt sich eine Mitteilung von Hans-Heinrich Eidt zusammenfassen, die am Donnerstagnachmittag einging.
Zuvor hatte Eidt, seines Zeichens Vorsitzender der Gemeinschaft Stadtbild Coburg, zusammen mit einer illustren Runde gut 50 sanierungebedürftige Gebäude in der Stadt in Augenschein genommen. Dabei waren das Ehepaar Michael und Gabriele Stoschek sowie die Architekten Stephan Zapf und Karl Glodschei. Anlass dafür war die Tatsache, dass Michael Stoschek und seine Schwester Christine Volkmann zwei Millionen Euro zur Verfügung stellen, mit denen die Sanierung wertvoller Gebäude gefördert werden kann.

"Bei vier Objekten, bei denen teils bereits begonnen wurde oder eine Fassadensanierung dringend ansteht, wurde bereits entschieden, einen Zuschuss zur Fassadensanierung zu geben", teilte Eidt gestern mit. "Weitere Entscheidungen wurden nach umfassender Aussprache zurückgestellt und sollen in einer gemeinsamen Pressekonferenz mitgeteilt werden."

 
Zuschüsse nur für Private

Denn bevor etwas verkündet werden könne, seien "noch grundsätzliche Vorbesprechungen und Vorentscheidungen nötig". Grund: In der Ketschenvorstadt "von der Schützenstraße 1 bis zur Ketschengasse 28" stehen laut Eidt "massiert renovierungsbdürftige Gebäude", die jedoch fast ausschließlich der WohnbauGmbH beziehungsweise der Stadt Coburg gehören. "Die Zuschüsse aus dem neuen Finanzierungsprogramm sind aber in erster Linie für die Unterstützung von Privateigentümern gedacht; die Stadt Coburg kann wohl kaum Empfänger von privat gespendeten Mitteln sein. Vielmehr erwartet man von der Stadt, dass deren Hausbesitz aus deren eigenen Mitteln renoviert wird", erklärte Eidt. Gleiches gelte für die Häuser Steingasse 7 und 22 ("mit Schrecken besichtigt"), die seit Jahren einer dringenden Renovierung bedürfen, aber der Stadt gehören.

Laut Eidt steht das Auswahlteam "vor einem derzeit nicht lösbaren Dilemma": Die am dringendsten sanierungsbedürftigen Häuser in der Ketschenvorstadt befinden sich nicht in Privateigentum. "Die Wohnbau beziehungsweise die Stadt haben vergeblich renovierungswillige Käufer gesucht." Bis auf einen Interessenten seien alle anderen abgesprungen, weil bei den sehr hoch angesetzten Verkaufspreisen und den zu erwartenden zwei- bis dreimal einen Verkaufswert übersteigenden Sanierungskosten, eine Investition sich nicht wirtschaftlich rechne. "Vor jeder weiteren Entscheidung über den Mittel-Einsatz muss also versucht werden, hier eine angemessene Lösung zu finden. Dazu sind noch klärende Gespräche erforderlich."


Interessenten vorhanden

Eidt gehört selbst dem Stadtrat (FDP) sowie dem Aufsichtsrat der Wohnbau an. Aufsichtsratsvorsitzender ist kraft Amtes Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD). Er sieht die Situation in der Ketschenvorstadt nicht ganz so dramatisch: Es gebe immer noch genug Interessenten für sämtliche Häuser, die die Wohnbau dort verkaufen wolle. "Wir haben für einige Objekte sogar eine Vorreservierung. Die entscheidende Frage ist aber in allen Fällen, wie viele Städtebaufördermittel fließen." Denn nur mit diesen Zuschüssen, die laut Kastner 30 bis 40 Prozent der Investitionssumme ausmachen können, rechne sich eine Sanierung. "Dass diese Planungssicherheit fehlt, war die häufigste Begründung der Interessenten, die dann doch nicht gekauft haben beziehungsweise jetzt noch abwarten."

Wie hoch die Zuschüsse aus der Städtebauförderung ausfallen, entscheidet nicht die Stadt, sondern die Regierung von Oberfranken. Sie muss den Anteil an Fördermitteln verteilen, der in Bayern für Oberfranken abfällt. Konkrete Zusagen gebe es bislang nicht, klagt Kastner. "Da stehen wir schon die ganze Zeit auf der Matte."
Die Verkaufspreise für die Häuser habe der unabhängige Gutachterausschuss festgelegt, betont der OB. An dessen Bewertungen seien die Stadt und damit auch die Wohnbau gebunden. "Wir sind auch nicht glücklich über die Werte, die da rausgekommen sind. Aber wir dürfen kein öffentliches Eigentum verschenken." Das gelte auch bei einem Verkauf an einen Verein wie Stadtbild. Eidt hatte schon vor einigen Wochen erwogen, dass die Gemeinschaft selbst Häuser erwerben, sanieren und dann zum Selbstkostenpreis wieder verkaufen könne.