Es wird das vorletzte Mal sein. Das verspricht zumindest Dieter Thormann, der Projektleiter für die ICE-Neubaustrecke zwischen Coburg und Bamberg. Vom kommenden Samstag an wird die Bahnstrecke zwischen Ebersdorf und Neustadt/Bad Rodach für gut 14 Tage gesperrt. Grund dafür sind Bauarbeiten an der Einschleifung nach Coburg sowie direkt im Bahnhof.
So ganz glücklich über das, was in Creidlitz passieren wird, ist Dieter Thormann nicht. "Nicht ganz befriedigend" ist es für den Projektleiter, dass nach den Bauarbeiten die Gleise zwar auf einem neuen Schotterbett, aber immer noch der alten Trasse liegen werden. Weil aber Thormanns Ideallösung - "die Auflassung der Bahnübergänge" - bislang daran gescheitert ist, dass sich die Interessen aller Beteiligten nicht unter Hut bringen ließen, belässt es die Bahn eben bei der Sanierung der Fahrbahn.
Die Anwohner im Bereich von Creidlitz werden während der Bauzeit gute Nerven brauchen. "Wir arbeiten teilweise rund um die Uhr", erklärt Frank Kniestedt, der bei der Bahn Pressesprecher für die ICE-Neubaustrecke ist. Zwar wird im Fabrikweg oder in der Creidlitzer Straße immer ein Übergang zur Verfügung stehen, aber es wird laut auf der Baustelle: Kettenbagger, Zweiwegebagger und Gleisstopfmaschinen sind dort im Einsatz, dazu kommen die Lkw-Lieferungen von 5000 Tonnen Schotter.


Und was ist mit den Aufzügen?

Stressfreier erscheinen da schon die Bauarbeiten am Coburger Bahnhof. Christian Wittig, zuständiger Projektingenieur für den Bahnhof und das Teilstück bei Creidlitz, sagt vorsichtig: "Wir liegen gut in der Zeit." Das heißt, dass das Gleis 2 im August fertig sein wird, Gleis 3 im Spätherbst und Gleis 1 im kommenden Jahr. Die seit Jahren geforderten Aufzüge für die langen und damit ICE-tauglichen Bahnsteige an den Gleisen 2 und 3 werden nach Wittigs Einschätzung spätestens dann in Betrieb genommen, wenn der erste fahrplanmäßige ICE in Coburg hält. Das wäre Mitte Dezember. Wobei Dieter Thormann da - "aus Erfahrung, die wir bei ähnlichen Anlagen sammeln mussten" - ein bisschen auf die Bremse tritt: "Bei Aufzügen gibt es immer eine Reihe technischer Kleinigkeiten, die zusammen zu einem sehr komplexen Thema werden."
Insgesamt aber ist der Projektleiter sehr zufrieden mit dem, was auf dem Coburger Bahnhofsgelände derzeit läuft: "Wir haben eine Baufirma, die für ihr Geld gute Arbeit leisten will." Rund 7,5 Millionen Euro kostet der Neubau der Bahnsteige, die behindertengerecht und mit einer Höhe von 55 Zentimetern Höhe punktgenau für den ICE geeignet sein werden.
Die Sperrung der Strecke ab Ebersdorf nutzt die Bahn, um neben den beiden Kernprojekten kleinere Arbeiten an weiteren Stellen durchführen zu lassen. Nicht unproblematisch stellt sich die Situation in Dörfles-Esbach dar, wo an Signalanlagen und der Elektrifizierung gearbeitet wird. Dazu wird es nötig werden, die automatischen Schranken an beiden Übergängen im Gemeindegebiet außer Betrieb zu nehmen und durch Sicherungsposten zu ersetzen. Dieter Thormann rät den Autofahrern deshalb, in den kommenden Wochen auf der Fahrt zwischen Coburg und Rödental ein bisschen mehr Zeit mitzubringen - und auch erhöhte Aufmerksamkeit: "Sie werden auf Baustellen treffen, die nicht dem gewohnten Bild entsprechen."
Den Termin für die Streckensperrung hat die Bahn unter anderem auch mit dem Landkreis Coburg abgestimmt, der zwischen Ebersdorf und Grub mit dem Neubau der Kreisstraße CO 13 die Zugtrasse kreuzt. Zudem haben sich halt auch die Pfingstferien angeboten, erklärt der Projektleiter: "So ist der Schülerverkehr nur marginal von der Sperrung betroffen." Viel Zeit bleibt sowieso nicht: Ab August soll schließlich auf der Coburger Einschleifung der Probebetrieb mit den Hochgeschwindigkeitszügen beginnen. Dass bis dahin dann auch die Baugrundstabilisierung an der Füllbachbrücke bei Grub abgeschlossen ist, steht für den Projektleiter außer Frage: "Dort sind wir gut unterwegs."


Im November wieder Sperrung

Wenn der Verkehr ab dem Sonntag, 18. Juni, 22.30 Uhr, wieder normal läuft, können die Bahn-Pendler erst einmal durchschnaufen. Denn seitens der Deutschen Bahn ist dann erst wieder für die Zeit kurz vor Beginn des regelmäßigen ICE-Verkehrs noch einmal eine Streckensperrung vorgesehen, kündigt Dieter Thormann an: "Im November gibt es noch einmal 14 Tage Pause."


Ein paar Zahlen noch

900 Meter lang ist der Gleisabschnitt, der bei Creidlitz erneuert wird. Kosten: rund vier Millionen Euro.

8000 Tonnen Schotter werden in Creidlitz verbaut, dazu kommen 2500 neue Betonschwellen.

45 Minuten länger dauert die Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr zwischen Ebersdorf und Sonneberg. Die Änderungen sind bei der Fahrplanauskunft hinterlegt.

405 Meter lang sind die neuen Gleise 2 und 3 im Coburger Bahnhof, an denen auch die langen ICE-Züge der neuen Generation halten können.