Heinz Kiesewetter ist gerne und viel unterwegs - mit dem Motorrad, aber auch (mit zunehmender Tendenz) in seinem Wohnmobil. Dabei ist er in ganz Europa auf Tour und weiß deshalb, wovon er spricht - unter anderem davon, dass Neustadt durchaus zu einem ausbaufähigen Reiseziel für Wohnmobilisten werden könnte. Deshalb will er sich ein bisschen darum kümmern, dass Neustadt in diesem Bereich konkurrenzfähiger wird.

"Grundsätzlich", sagt Kiesewetter, "ist der jetzige Stellplatz auf dem Schützenplatz nicht schlecht." Das herrliche Ambiente mit dem Wald außenrum, die Nähe zur Innenstadt und ihrer Gastronomie sowie die kostenlose Nutzung fallen ihm als Vorteile sofort ein. Es gibt aber auch Schwächen, sagt der CSU-Stadtrat. Für ihn wiegt besonders die Tatsache schwer, dass in der Nacht gerne einmal (junge) Autofahrer die Leistung ihres Pkws auf dem Schotter des Schützenplatzes austesten. "Und der Platz ist nicht das ganze Jahr nutzbar", räumt Andre Röttger, der in der Neustadter Stadtverwaltung unter anderem für den Tourismus verantwortlich ist, gleich offen ein. Rund um das Kinderfest können zum Beispiel keine Fahrzeuge den Stellplatz nutzen.

Gute Noten für die Puppenstadt

Alternativen? "Die hätten wir schon", sagt der Dritte Bürgermeister, Martin Stingl (SPD). Er gehört ebenfalls der fraktionenübergreifenden Gruppe derer an, die sich um die Wohnmobilisten kümmern wollen. "Roh gedacht", also ohne Prüfung der Machbarkeit, könnte sich Stingl einen gut ausgestatteten Wohnmobilstellplatz auch beim Freizeitpark "Am Moos" oder dem Hallenbad vorstellen. "Aber auch der Schützenplatz hat seinen Charme", sagt Stingl. Dass sich der Dritte Bürgermeister in seine Ideensammlung eingeschaltet hat, stößt bei Heinz Kiesewetter auf totales Wohlwollen: "Wenn wir was erreichen wollen, dann müssen wir das gemeinsam auf den Weg bringen." Deshalb will er auch Michael Weyh von den Freien Wählern mit ins Boot holen. "Der kennt sich da auch aus", weiß Kiesewetter.

Rund 20 Prozent jährlichen Zuwachs trauen Fachleute dem touristischen Bereich rund um Wohmobilisten zu. Dabei sind die acht Stellplätze auf dem Schützenplatz schon jetzt manchmal nicht genug. "Beim Puppenfestival könnten wir hier anbauen", berichtet Andre Röttger. Konkrete Zahlen, von wie vielen Gästen die Stellplätze genutzt werden, hat die Stadt nicht - was einen ganz einfachen Grund hat: Wohnmobile können auf dem Schützenplatz kostenlos parken, nur die Nutzung von Strom und der Abwasser-Station müssen bezahlt werden. Aber aus diesen Gebühren können keine verlässlichen Zahlen generiert werden. Aber zumindest den Grund, warum viele Wohnmobilisten nach Neustadt kommen, weiß Andre Röttger aus vielen Anfragen: "Wir haben eine schöne Gegend." Besonders Radfahrer schätzen Neustadt und Umgebung.


Kleine Änderungen, große Wirkung


Bei einem Rundgang über den Schützenplatz mit seinen Einrichtungen für Wohnmobile hat Heinz Kiesewetter gleich einige Tipps für die Stadtverwaltung mitgebracht. "Schon kleine Änderungen", erklärt der begeisterte Wohnmobilfahrer, "können unseren Stellplatz weiter aufpeppen." Besonders an der Abwasser-Entsorgungsstation hat Heinz Kiesewetter ein paar Schwächen entdeckt. Dennoch: Die Wohnmobilisten scheinen den Stellplatz zu mögen. Andre Röttger jedenfalls weiß aus Reise-Foren im Internet, dass das Angebot in Neustadt immer gute Bewertungen bekommt. Klar, ergänzt Kiesewetter: "Weil wir nichts verlangen, haben wir schon ein Alleinstellungsmerkmal." Dieses tröstet offensichtlich auch darüber hinweg, dass zunehmend nachgefragte Serviceangebote wie etwa eine Ladestation für E-Bikes auf dem Schützenplatz (noch) fehlen.

So schlecht ist der Platz gar nicht

Wenn er so seinen Blick am Fuße des Muppberges schweifen lässt, findet Martin Stingl wieder zunehmend Gefallen am Schützenplatz-Gelände. Klar, denn mit der ehemaligen Thüringisch-Fränkischen Begegnungsstätte wäre ein Funktionsgebäude gleich in Reichweite. "Dort müsste es doch ohne großen Aufwand möglich sein, sanitäre Einrichtungen für Wohmobilisten zu schaffen", ist Stingl überzeugt. Roh gedacht, zumindest.