In über 1000 Exkursionen von 2008 bis heute hat Norbert Theiss aus Ebersdorf bei Coburg seine Beobachtungen am Goldbergsee zusammengetragen und in einem Buch ausgewertet. "Schon seit 1967 habe ich alljährlich in den Glender Wiesen nach Vogelarten geschaut. Als dann das Hochwasserrückhaltebecken entstand, wollte ich die Entwicklung der Vogelarten unbedingt festhalten", resümiert der passionierte Vogelkenner, der immer noch ehrenamtlich für die Max-Planck-Gesellschaft für Verhaltensforschung aktiv ist.

Erste Exkursionen ab 1967

Norbert Theiss hat seine gelegentlichen Besuche in den Glender Wiesen ab 1967 mit seinen systematischen Exkursionen ab 2008 verglichen und den Wandel in der Vogelwelt analysiert. Dabei fiel auf, dass sechs Vogelarten ab 2008 verschwunden, aber über 90 Vogelarten neu aufgetaucht sind. Wenn auch der historische Vergleich der Arten nur einen engen Bereich in dem Buch umfasst, fällt in den vier Kreisdiagrammen auf, dass die Zunahme der Vogelarten nicht nur auf die Wasservögel beschränkt ist. "Ja, das stimmt. Die hohen Zuwachsraten hatten die Wasser- und die Sumpfvögel, aber auch die Feld- und Wiesenvögel legten zu", meint der Vogelexperte, "und das, obwohl einige Flächen der Glender Wiesen im flachen Steppensee verschwanden."

92 Arten brüten

Aus den täglichen Exkursionsprotokollen und den Naturfotos ist ein Werk entstanden, das die Vögel am Goldbergsee in Brutvögel, Zugvögel und Wintergäste einordnet. Der Schwerpunkt dieses Buches liegt auf den brütenden Arten am Goldbergsee. In der Brutvogelliste stehen 92 Arten zusammen mit der Angabe ihrer Brutpaare. Allein 42 von ihnen werden im Bild gezeigt und einzeln besprochen. Die Highlights am See sind die vier Kehlchenarten, denen Theiss besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat. Für das Blaukehlchen, das 2013 mit 48 singenden Männchen am See vertreten war, hat er eine Karte der einzelnen Brutreviere erstellt.

Der Autor legte dabei besonderen Wert auf einen Text, der den Leser auch hinführt an die Orte der Beobachtungen am Goldbergsee. Immer wieder tauchen genaue Tipps auf, wann und wo der Leser, die Vogelart auf eigenen Beobachtungsgängen finden kann.

Viele Fotos, erklärende Texte

Norbert Theiss hat mit seinen eigenen Fotos versucht, eine möglichst große Anzahl von Vögeln und deren Lebensraum am Goldbergsee zu zeigen. So ist ein Bildband entstanden, der zu einem Drittel erklärenden Text beinhaltet.

Für die hohe Anzahl an Durchzüglern - die Liste umfasst 91 Vogelarten - wurden für die "Dauergäste" 20 Histo gramme erstellt, welche die Daten von 2008 bis 2013 in Dekadensummen über das Jahr verteilt darstellen. Bei den Zugvogelarten sind auch einige Seltenheiten dabei, wie Graubrust-Strandläufer oder Steppenkiebitz. Es tauchen aber auch Bilder von Tüpfelsumpfhuhn, Fischadler, Rohrdommel und Sterntaucher auf.

Gänsesäger als Wintergast

Ein dritter Teil befasst sich mit den Wintergästen am Goldbergsee. Da werden 14 Vogelarten aufgelistet und teilweise auch im Bild vorgestellt. Die bedeutende und eindruckvollste Vogelart im Winter ist sicher neben dem Silberreiher auch der Gänsesäger, der ausschließlich im Winterhalbjahr vorkommt. In neuester Zeit wurden über 120 Vögel dieser Art am See gezählt. Sicher spielt auch der milde Winter eine Rolle. Vereist der See, sind die Gänsesäger wieder weg, weil die Nahrungsgrundlage fehlt: der Fisch.

Ein Teil des Buches ist der Vogelforschung im Coburger Land gewidmet. Seit dem 18. Jahrhundert wird über das Vogelleben in und um Coburg geforscht. Damit ist das ehemalige Herzogtum einer der wenigen Orte in Deutschland mit einer solchen Tradition.

Kernstücke des 114-seitigen Buches bleiben aber die vielen ganzseitigen Fotos auch von der einzigartigen Umgebung am See und die Ausblicke auf die Veste und Schloss Callenberg. Faszinierend wirken ebenso die einzelnen Bilder, zum Beispiel vom nächtlichen Einfall der Stare in das Schilf. ct