Ilka Zimmer gehört zu den Organisatoren und Ausstellern, und sie ist seit gut 40 Jahren selbst eine leidenschaftliche Sammlerin von Feinsteingut mit der Signatur Max Roesler. Ihr Faible für die Teller, Tassen, Platten, Dosen und Figuren hat Geschichte. Der Großvater Martin Schub arth hatte einst bei der Firma Roesler gearbeitet. 1894 war der Steinguthersteller wegen des vorhandenen Eisenbahnanschlusses nach Rodach gekommen, hatte das Unternehmen zur größten Feinsteingutfabrik Deutschlands entwickelt und bis 1942 dort produziert. Auch Ilka Zimmers Sohn Mathias ist Sammler. Auf einem Flohmarkt hatte er einmal eine Marmeladendose mit einer Zwetschge drauf erstanden und damit seine Sammlung begründet.
Um die 500 Sammlerstücke hat Ilka Zimmer zu Hause, vieles davon ist auch in Gebrauch, wie ein Tee-Service oder verschiedene Platten und Gewürzdosen. Aber das Feinsteingut sei wohl eher zum Sammeln geeignet, weil es sehr empfindlich ist, findet sie.

Porzellan des kleinen Mannes

Denn das Material, bei 1100 Grad Celsius gebrannt, hat nicht die Festigkeit von Porzellan und wird auch als "das Porzellan des kleinen Mannes" bezeichnet. Zwei Spatzen zum Beispiel seien ihr aus der Tasche der Strickjacke gefallen und zerbrochen. Nichts zum Wegwerfen, versteht sich. Das Teil wurde einfach wieder zusammengeklebt.
Das beliebteste und bekannteste Muster auf den Roesler-Feinsteingutwaren sind die zarten rosafarbenen Röschen, die es auch in Hellblau gibt. "Viele in unserem Alter", erzählt die Bad Rodacherin, "haben noch einen Teller mit dem Vornamen drauf zu Hause. Auf einem Flohmarkt hab‘ ich mal einen mit dem Namen Dieter gefunden und ihn für meinen Mann gekauft." Aus der Zeit um 1900 stammen die Schalen im Jugendstilmuster. Die gefallen Ilka Zimmer besonders gut. Bei über 10 000 Artikeln finden die Sammler immer etwas, was sie noch nie gesehen haben. Das wird dann ins Katalogbuch von Rolf Peters aus Darmstadt aufgenommen.

Roesler-Katalog

Seit über 25 Jahren beschäftigt er sich mit der Feinsteingutfabrik Max Roesler. 1988 hatte er mit Egbert Friedrich in Bad Rodach die erste Roesler-Ausstellung im Haus des Gastes organisiert. Der Roesler-Katalog wird jährlich fortgeschrieben. Rolf Peters hält auch Vorträge, wie über Erwin Bärwalk, einem einstigen Entwerfer und Modelleur bei Roesler. Das Feinsteingut mit der Signatur Roesler, erklärt Peters, sei etwas Besonderes, weil es keine Dutzendware ist. Es war eher für den bürgerlichen Haushalt produziert worden: Wohnaccessoires, Services - alles moderne Waren, ein bisschen avantgardistisch und bis heute im Zeitgeschmack geblieben. Das Rosendekor ist für viele Sammler ein eigenständiges Sammelmotiv.
Rolf Peters hatte mal über 1000 Exemplare und sich auf Gustav Parz, den Entwerfer für Roesler und Villeroy & Boch, spezialisiert. In Bad Rodach hat er ein kleines Spritzdekorväschen entdeckt und für seine Sammlung erstanden.
Jasmin Bastian aus Berlin lässt sich ein cremefarbenes Schütt enregal mit Rosendekor einpacken. Erst vor kurzem hat sie das Roesler-Feinsteingut für sich entdeckt, und sie mag besonders die kleinen feinen Blumendekors.