Siegfried Seidel ist ein aufmerksamer Beobachter seiner Umgebung. Obwohl er in Lützelbuch wohnt, machte er sich in den vergangenen Tagen Gedanken über die Baustelle im Ketschengrund im Nachbarort Seidmannsdorf.
Dort wurden über das ganze Jahr 2016 verteilt Baumaßnahmen durchgeführt. Unter anderem stand die Erneuerung der Wasserleitungen und der Fahrbahnoberfläche im Vordergrund. Als vor wenigen Tagen die Baumaschinen aus der Ortschaft verschwanden, freute sich Seidel: "Nun haben meine Frau und ich wieder freie Bahn für unsere Radtouren." Umso irritierter war der Rentner, als plötzlich neue Löcher im Ketschengrund gegraben wurden und die Baumaschinen zurückkehrten.

Seine persönlichen Nachfragen bei den Mitarbeitern der zuständigen Baufirma in Seidmannsdorf blieben ergebnislos. Daraufhin spekulierte der Lützelbucher über Steuergeldverschwendung: "Da ist definitiv etwas schiefgelaufen!" Auf Tageblatt-Anfrage gab Kai Holland vom Ordnungsamt Coburg nähere Auskunft. Die geplante Bauzeit verzögere sich um gut einen Monat. Grund dafür sind drei Wasserrohrbrüche, die in den vergangenen Wochen aufgetreten seien. "Ursprünglich sollten die Bauarbeiten in Seidmannsdorf Mitte Oktober abgeschlossen sein. Jetzt ist nicht mit einer Fertigstellung vor Mitte November zu rechnen", erklärte Holland. Die Entscheidung, die Schäden an den Wasserrohren sofort zu beheben, sei bewusst getroffen worden. "Wir hätten auch jetzt asphaltieren und im nächsten Jahr die Straße wieder aufreißen können", führt der Leiter des Ordnungsamts aus.


Landesausstellung im Hinterkopf

Der Hauptgrund, die Baumaßnahmen dieses Jahr noch abzuschließen, liegt in der Bayrischen Landesausstellung, die im Mai 2017 in Coburg beginnt. Als Veranstaltungsort ist die Veste vorgesehenen, als Zufahrtsachse ist auch der Ketschengrund in Seidmannsdorf fest geplant. "Hierfür wollen wir freie Straßen für Busse und Pkw garantieren, damit die Landesausstellung in der Vestestadt zu einem vollen Erfolg werden kann", erläutert Holland. Daher bleibt die Straße noch für längere Zeit in Richtung Lützelbuch gesperrt - nur Busse besitzen eine Sondergenehmigung für die Durchfahrt. Der Rest der Kraftwagenfahrer muss sich mit der Umfahrung über die Albrecht-Dürer Straße begnügen.

Die Wartezeit hat aber bald ein Ende. Auch für Siegfried Seidel, der sich zusammen mit seiner Gattin auf Radtouren ohne Baustellen-Blick freut.