"Das Hauptziel des Verfahrens ist es, den Angeklagten für immer weg zu bekommen von dem Zeug", sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, bei der Urteilsverkündung der Ersten Großen Strafkammer am Freitag. Mit dem "Zeug" war vor allem der Crystal-Meth-Konsum des 30-jährigen Coburgers gemeint, der nach eigenen Worten seit 13 Jahren "extrem drogenabhängig" ist. Schon früh habe er Alkohol, später Cannabis, Speed, Ecstasy und eben Crystal Meth konsumiert.

Der mehrfach vorbestrafte Mann gab an, dass er seine kostspielige Sucht nicht allein durch seine Arbeit habe finanzieren können. Aus diesem Grund habe er mit Marihuana gedealt. Die Staatsanwaltschaft Coburg warf ihm Geschäfte mit seinem minderjährigen Cousin, dessen älterem Halbbruder und einem weiteren minderjährigen Freund vor. Im einem Zeitraum zwischen August 2015 und August 2016 soll der 30-Jährige Mengen von 50 bis 100 Gramm in der Wohnung seiner Mutter in Dörfles-Esbach und später in einer Wohngemeinschaft in Coburg verkauft haben. Dabei erzielte er einen Grammpreis 9,50 bis 12,50 Euro.


Staatsanwalt, Richter und Verteidiger einigen sich auf das Strafmaß

Bei einem Verständigungsgespräch einigten sich Staatsanwaltschaft, Richter und Verteidiger auf ein Strafmaß von maximal drei Jahren und neun Monaten. Zudem müsse der Angeklagte während des Vollzugs eine geschlossene Entzugstherapie machen. Voraussetzung für den Deal war jedoch ein umfassendes Geständnis des Coburgers.

Der gab alles zu - bis auf eines: Dass sein Cousin zum Tatzeitpunkt noch minderjährig gewesen sei, habe er nicht gewusst. Den minderjährigen Freund seines Verwandten habe er nur flüchtig gekannt, sagte er. Mit dem volljährigen Bruder seines Cousins, der zeitweilig auch bei ihm wohnte und ihm ebenfalls Marihuana abgekauft habe, habe er hingegen fast täglich Drogen konsumiert.

Im Punkt der Minderjährigkeit schenkte Staatsanwalt Michael Koch dem Angeklagten Glauben. "Man hat sich vielleicht mal gesehen bei Familienfeiern", sagte er in seinem Plädoyer, "der Mann hat eine sehr große Familie." Zwar hätte der 30-Jährige durchaus auch erkennen können, dass man es nicht mit einem Volljährigen zu tun habe, räumte er ein. Dennoch ging er nicht davon aus, dass der Angeklagte das wahre Alter des Cousins kannte. Der Verteidiger des Angeklagten, Jochen Kaller, stellte die "ganze Bandbreite von sich wandelnden Aussagen" der Belastungszeugen, gegen die ebenfalls ermittelt wurde und denen man deshalb nur bedingt Glauben schenken könne, infrage.


Richter: Er ist therapiewillig

Am Ende sprachen die Richter den Coburger teilweise des vorsätzlichen Handeltreibens von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig, verhängten eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten und ordneten die Unterbringung in einer Entzugsklinik an. Zudem muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen. Die Richter gingen davon aus, dass der Mann Einsicht und Reue zeigte. "Er ist therapiewillig", sagte Gillot. Zu seinen Lasten sprächen allerdings die Vorstrafen, zwei davon einschlägig, mit offener Bewährung und einer "immensen Rückfallgeschwindigkeit". Mit den Straftaten sei es "sehr schnell wieder losgegangen", erklärte der Richter.