Das Rätselraten, was denn da an der Mödlitzer Straße für eine außergewöhnliche Konstruktion aus Container, Solarpanelen und Windrad steht, ist inzwischen sogar im Weidhäuser Rathaus aufgeschlagen. "Wir sind schon gefragt worden, was denn die Gemeinde da gebaut hat", sagte Bürgermeister Markus Mönch (parteilos), als er gestern vor Ort erfahren durfte, was denn da wirklich im Industriegebiet steht: Eine autarke Energiestation, mit der aus Wind- und Sonnenenergie Strom für die elektrobetriebenen Fahrzeuge im "Verpa"-Fuhrpark erzeugt wird.
Natürlich, das machte Geschäftsführer André Baumann sofort klar, ist die Energietankstelle für sein Unternehmen keine Sache für wirtschaftlichen Ertrag. Aber die Idee des mit Wind- und Solartechnik ausgestatteten Containers hat Baumann sofort gefallen. "Er passt gut zu unseren Produkten", sagte der Geschäftsführer, als er den Landräten Michael Busch (SPD/Coburg) und Christian Meißner (CSU/Lichtenfels) sowie den Bürgermeistern Andreas Hügerich (SPD/Lichtenfels) und Markus Mönch (parteilos/Weidhausen) die Energiestation vorstellte.


Auch was fürs Image tun

Bei Verpa legen sie nämlich großen Wert auf einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Auch deshalb, da redete der Geschäftsführer nicht groß herum, weil die Kunststoffindustrie im ökologischen Bereich nicht unbedingt den besten Ruf hat. Dies übrigens nicht unbedingt zu Recht, wie André Baumann betonte und unter anderem darauf verwies, dass mit der von seinem Vater Joachim entwickelten patentierten Verpalin-Folie rund 50 Prozent an Verpackungsmasse gegenüber herkömmlichen Folien eingespart werden. "Verpa - das ist Innovation seit 40 Jahren", sagte da Bürgermeister Markus Mönch.
Potenzielle Nutzer für die Ladestation hat Verpa auf jeden Fall genug. Schon bald sollen vier Elektroautos zum Verpa-Fuhrpark gehören, dazu kommen die Besitzer von E-Bikes, die sich im vergangenen Jahr an einer erfolgreichen Firmenaktion zum Fahrrad-Leasing beteiligt haben. 50 normale Räder und E-Bikes wurden dabei angeschafft, berichtete André Baumann.
Um den Entwickler der Energiestation zu finden, musste der Verpa-Geschäftsführer gar nicht weit fahren. Die Firma Meco Energies hat nämlich ihren Sitz in Lichtenfels, was Coburgs Landrat Busch erfreut zur Kenntnis nahm: "Wir haben eben viele innovative Firmen in der Region." Was denn da alles für innovative Ideen in der "Meco-Station" stecken, erläuterte Geschäftsführer Thomas Endres, der zusammen mit seinem Vater Martin die Firma Meco leitet: 4,1 Kilowatt (Solar) und 1,1 Kilowatt (Wind) Leistung hat die Station, die in der Verpa-Konfiguration mit Container und Ladestation in der Gegend einmalig ist. Rund 60 000 Euro kostet die "Meco-Station", die sich Michael Busch auch gut als ökologisches Signal auf dem Parkplatz des Landratsamtes vorstellen könnte. "Wenn wir eine Förderung dafür bekommen", schränkte Busch ein und traf damit genau den wunden Punkt aus kommunaler Sicht: Denn (noch) sind derartige Anlagen mit Ausnahme der Batteriespeicher kein Bestandteil staatlicher Förderung.
Und dennoch sieht Thomas Endres auch in Deutschland einen Markt für die "Meco-Station". Gerade Firmen, die ökologischen Aspekten Gewicht verleihen wollen, könnten mit einer solchen Station ein Zeichen setzen. Und Werbung machen gleich mit: Denn die gesamte Technik der Anlage wird in einem Standard-Container angeliefert, dessen Außenwände 15 Quadratmeter Fläche zur freien Gestaltung mitbringen.
Schwerpunktmäßig geht der Blick von Meco bei der Kundenakquise eher über Deutschland hinaus. Insbesondere im arabischen und afrikanischen Raum gebe es großen Bedarf an autarken Energieeinheiten, wie sie das Lichtenfelser Unternehmen projektiert und vermarktet. So steht zum Beispiel in Abu Dhabi eine "Vorführanlage", die bei den Scheichs für den Einsatz auf abgelegenen Ölfeldern Interesse weckte.